Alvaro Palacios über Kultweine und Terroirs

Alvaro Palacios / Foto beigestellt

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»Er ist der Angelo Gaja Spaniens«, bringt Wein & Co Chef Heinz Kammerer die Popularität und Bedeutung von Alvaro Palacios in der spanischen Weinwelt auf den Punkt. Der aus einer Weinbau-Familie im Rioja stammende Palacios verbrachte seine Lehr- und Wanderjahre in Frankreich und kehrte mit vielen Ideen und viel Enthusiasmus nach Spanien zurück. Im Priorat entdeckte er wertvolle alte Weingärten und gründete sein erstes eigenes Weingut. Mit dieser Pionierleistung Ende der 1980er-Jahre löste er einen regelrechten Boom im Priorat aus und gilt seitdem als Retter dieser dahinsiechenden Weinbauregion. Flaggschiff des Engagements im Priorat ist der Kultwein L'Ermita, von dem so manche Jahrgänge schon mit 100 Punkten geadelt wurden – nicht nur bei Falstaff, sondern auch bei Robert Parker. Gutes Gefühl für Terroir und Potenzial bewies Palacios auch im Bierzo, wo er sein zweites Weingut aufbaute. Im Jahr 2000 übernahm er schließlich auch das elterliche Weingut in der Rioja. Die Klammer seiner Bemühungen ist nachhaltige biologische Bewirtschaftung, im Bierzo hat sein Neffe Ricardo Pèrez die bio-dynamische Philosophie durchgesetzt.

Anlässlich einer Präsentation seiner Weine von allen drei Weingütern bei Wein & Co in Wien traf Falstaff den charismatischen Spanier zum Interview.


FALSTAFF: Welche Weinpersönlichkeiten oder Weingüter haben Sie in Ihrem Wirken am meisten beeinflusst?

Alvaro Palacios: Es war diese gesamte Atmosphäre in Bordeaux und auch im Burgund, die mich inspiriert hat. Meine Zeit in Frankreich war ein »big impact« in meinem Leben.

Welche spanischen Rebsorten haben das meiste Potenzial für Spitzenweine?

Ich glaube nicht an Sorten alleine, ich glaube an die Region und ein harmonisches Zusammenspiel zwischen den Reben und der Umwelt. Der Ort ist für mich viel wichtiger als eine Sorte, die eine Katalysator-Funktion hat.

Was ist das Geheimnis des weltbekannten Kultweins L'Ermita? (Anm.: der Jahrgang 2010 wurde beispielsweise mit 100 Falstaff-Punkten bewertet, die Hauptsorten der Cuvée sind Garnacha, Carineña und Cabernet Sauvignon)

Das Geheimnis ist dieser magische Ort im Priorat, an dem die rund 90 Jahre alten Reben wachsen. Der Weingarten steht auf einem exponierten Berg mitten im Priorat, die Hänge sind nordöstlich ausgerichtet und werden von einer sanften Meeresbrise umschmeichelt. Der Boden besteht hauptsächlich aus Schiefer, aber auch Aluminum und Granit kommen vor. Die Trauben reifen langsam heran und werden sehr spät geerntet. Es sind der mystische Ort mit jahrhundertelanger Weinbaugeschichte und die Kraft der Natur die diesen Wein so besonders machen.

Es scheint, als hätten Sie ein besonders Gespür für das Potenzial von Weinbauregionen. Sehen Sie in Spanien eine noch nicht so bekannte Region, die sich wie das Priorat entwickeln könnte?
Da gibt es tatsächliche mehrere spannende Regionen, die wieder entdeckt werden könnten. In den Bergen von Madrid beispielsweise sind leidenschaftliche junge Winzer am Werk, von denen ich mir viel erwarte. Aber auch die Arribes del Duero und die Extremadura haben noch gewaltiges Potenzial. Aber ich habe mit meinen drei Weingütern einmal genug. (lacht)

Warum setzen Sie auf Bio-Dynamie und nicht auf organisch-biologische Bewirtschaftung?
Wir arbeiten nur im Bierzo biodynamisch, das ist eine Herzensangelegenheit meines Neffen Ricardo Pèrez, der davon zutiefst überzeugt ist. In den anderen Weingütern arbeiten wir biologisch organisch, aber noch immer nicht auf allen Flächen, die Umstellung ist ein langsamer Prozess.

Wieviel Schwefel braucht ein Wein?
Wir verwenden zwar geringe Schwefel-Dosen, aber wir lieben Schwefel! Menschen produzieren selbst Schwefel, wir sind Schwefel! Wir fügen unseren Weinen sonst nichts hinzu, aber Schwefel ist absolut notwendig, weil die Weine auch nicht filtriert werden. Schwefel ist eine tolle Erfindung!


Haben Sie schon mit alternativen Gebinden wie Beton oder Amphoren experimentiert?

Ja, wir haben schon einiges ausprobiert, Beton war früher weit verbreitet, aber nicht in Ei-Form. Aber am liebsten arbeite ich mit Holz.

Kennen Sie österreichische Weine?
Ja, ich war schon einmal in der Wachau und habe einige Weingüter besucht, FX Pichler und Prager sind mir in guter Erinnerung.

Und österreichische Rotweine?
Die werden immer besser. Ich erinnere mich noch an Messe-Besuche in meinen jungen Jahren, da war ich noch nicht so begeistert. Aber heute gibt es schon tolle Rotweine aus Österreich.

Das Preisniveau für spanischen Wein ist extrem niedrig, 30 bis 40 Cent pro Liter. Erst kürzlich gab es wütende Proteste von französischen Winzern gegen spanische Billig-Importe. Wie sehen Sie das?
Das ist ein Desaster! Die Strukturen in Spanien sind sehr problematisch. Einerseits haben wir Weinbaugebiete, wo zu viel Wein produziert wird. Und in anderen Gebieten wie im Priorat hätten wir dringenden Bedarf an weiteren Flächen (früher wurde auf 17.000 Hektar Wein angebaut, in den 1980er-Jahren waren es nur noch 700, heute sind es 2.000), aber wir dürfen nur ein Prozent pro Jahr neu auspflanzen...

Welche Weine trinken Sie privat gerne?
Burgunder! Vor allem rote, aber auch weiße. Bordeaux vom rechten Ufer, Weine aus dem Piemont...

Und was trinken Sie, wenn es mal kein Wein sein soll?
Champagner! (lacht)

Aber das ist ja auch Wein.
Na gut, dann Whisky! Am liebsten schottische Single Malts.

(von Bernhard Degen)

 

Alvaro Palacio © Falstaff/Degen

Palacios ist nicht nur ein gefeierter Winzer, sondern auch ein leidenschaftlicher Sänger. Was er bei Wein & Co am Naschmarkt unter Beweis stellte. © Falstaff/Degen

Die Weine von Alvaro Palacios gibt es bei Wein & Co: www.weinco.at

Alvaro Palacio © Falstaff/Degen

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