Da sitzt er nun in seinem extravaganten rostroten Sonnenstuhl, das Glas Rotwein in seiner Rechten, und blickt versonnen hinunter über endloses Grün, das im Blau des Lago d’Orta verschwimmt. Alberto Alessi, Herr über Flötenkessel mit Vögelchen, Korkenzieher »Anna« und Juicy Salif, der exaltierten Zitronenpresse, weltweit bekannt als Revoluzzer im Küchenschrank, ironischer Spaßvogel und Wegbereiter des Designs, ist an seinem Lieblingsplatz angekommen: seinem Weinberg – eine gute halbe Autostunde entfernt vom Stammsitz Alessi in Crusinallo im Piemont. Im Bereich Design ist er eine Ikone, jetzt will der Mann auch noch den besten Weißwein Italiens produzieren – nichts weniger als das.

Alberto’s vineyard, ein ­Verkostungsglas, für Alessi von der österreichischen Design-Gruppe Eoos entworfen / Foto: Alessi
Alberto’s vineyard, ein ­Verkostungsglas, für Alessi von der österreichischen Design-Gruppe Eoos entworfen / Foto: Alessi

Keine Ahnung
Seine Mutter weiß nicht mehr genau, wann er geboren ist. War es der 3. oder 4. Dezember 1946? Trotzdem eindeutig: Der Mann ist Sternzeichen Schütze – lebenslustig, freundlich, weltoffen. Und: Er hat immer ein Ziel vor Augen – und damit jede Menge Erfolg. So viel, dass Alberto Alessi darüber nachdenkt, jetzt etwas kürzerzutreten. Und das geht am besten auf seinem Weinberg, hoch über dem Lago d’Orta. Den hat er schon 1999 gekauft, die ersten Weinreben sind gepflanzt, und nun hofft er, schon im übernächs­ten Jahr ein richtig schönes Stöffchen auf den Markt bringen zu können. »Ich habe natürlich keine Ahnung vom Weinmachen«, sagt der smarte Manager mit einem Augenzwinkern, »aber ich trinke für mein Leben gern guten Wein.« Das muss reichen. Für den Rest hat der Chef von Alessi, Italiens Number one in Sachen Design, Monica Rossetti. Der 28-jährigen italienischen Önologin mit brasilianischen Vorfahren steht mit ­Patrizio Gasparinetti ein erfahrener ­Agronom zur Seite, der sich um den Weinberg kümmert.

Der Winzer lässt seine Weine in Barriques reifen / Foto: Alessi/Mads Morgensen
Der Winzer lässt seine Weine in Barriques reifen / Foto: Alessi/Mads Morgensen

Leben zwischen Reben
Wie er da so sitzt in einem der beiden rostroten Jasper-Morrison-Stühle, die aus dem Gras herauszuwachsen scheinen, das gefüllte Rotweinglas »Bettina« des Londoner Architekturstudios Future Systems in der Hand und den Blick über die Reihen von Weinreben hinunter zum Lago d’Orta bis zur Insel San Giulio schweifend, da könnte man meinen, Alberto Alessi hätte hier sein Paradies gefunden – und eine neue Herausforderung. In der Tat: Vor über einem Jahr ist er mit seiner zweiten Frau Laura und Tochter Emma auf den Weinberg gezogen, in das alte, halb verfallene Bauernhaus, das sein Freund, Designstar Alessandro Mendini, zu einer komfortablen Villa umgebaut hat. Kernstück des Hauses ist eine große Küche mit zwei Türen. Alberto Alessi: »Die eine führt zum Swimmingpool, die andere zum Keller, dort, wo meine Weine in Barriques reifen. Das ist optimal, so habe ich direkten Zugriff.« Es muss ein schönes Gefühl sein, auf seinem eigenen Wein zu wohnen. 

Bio
Eigentlich hatte der 64-Jährige geplant, etwas kürzerzutreten in seiner »Traumfabrik des De­signs«. Viel Zeit wollte er für seinen Wein haben. »Aber das ist leider noch nicht so möglich«, sagt der Kreativchef. »Ich muss doch immer noch ­lange im Büro sein.« Dabei ist gerade die biologisch-dynamische Anbauweise der Reben auch zeitlich eine große Herausforderung. Denn Chemie kommt dem Manager mit den raspelkurzen Haaren nicht in den von Granit und Schiefer geprägten Boden.

Alessis Paradies und Herausforderung: Vom Weinberg aus hat er ­einen herrlichen Blick auf den Lago d’Orta / Foto: Alessi/Simone Casseti
Alessis Paradies und Herausforderung: Vom Weinberg aus hat er ­einen herrlichen Blick auf den Lago d’Orta / Foto: Alessi/Simone Casseti



Schwieriger Boden

Peu à peu wird nun der insgesamt sechs Hektar große Weinberg bepflanzt. Die Hälfte ist schon geschafft – die teilen sich zu je einem Drittel Pinot-Noir- und Chardonnay-Trauben. Das letzte Drittel ist ebenfalls mit Chardonnay bepflanzt, aber diese werden erst später im Jahr geerntet. »Die Spätlese ist wirklich spannend, weil überraschend«, sagt der Neu-Winzer. »Unsere Anstrengungen konzentrieren sich darauf, hier eine ganz neue Identität zu schaffen.« Für sein großes Vorhaben hat sich Alessi allerdings ein schwieriges Terrain ausgesucht: zu viel Regen, zu viel Staunässe. Das mögen die eigens aus Frankreich herbeigeschafften Rebstöcke gar nicht.

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Falstaff Nr. 6/2011 - Jetzt im Handel!


Text von Brigitte Jurczyk

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