Ab in die Botanik: Idyllische Biotope und Sitznischen

Hilgard Garden, Berkeley: Dieser kalifornische Townhouse-Garten bietet einen Sitzbereich, eine Bank zum Liegen, eine Holzplattform und ein kühles Wasserbecken. barensfeld.com

© Joe Fletcher Photography

Hilgard Garden, Berkeley: Dieser kalifornische Townhouse-Garten bietet einen Sitzbereich, eine Bank zum Liegen, eine Holzplattform und ein kühles Wasserbecken. barensfeld.com

© Joe Fletcher Photography

In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wird es wiedergefunden«, so formulierte es der französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal. Ob der Verfasser der »Pensées« auch in der Praxis mit Handschuhen, Heckenschere und Gießkanne im wuchernden Grün zugange war, wissen wir nicht genau, doch Generationen von Gärtnern werden ihm sicher mehrheitlich zustimmen. 

Der Kontakt zur Natur ersetzt so manche teure Therapie. Schon ein innerstädtischer Hinterhof oder eine handtuchgroße Dachterrasse kann, wenn man Pflanzen und Möblierung klug arrangiert, zu einem kleinen Paradies werden. Damit das Mini-Eden gelingt, müssen nur ein paar Tricks klug angewendet werden. 

Aussichtspunkt: Architektin Mary Barensfeld hat bei dieser Gartenanlage auf Treppen verzichtet. Man erklimmt das Areal über begrünte Rampen im Zickzackkurs. 

© Joe Fletcher Photography

Trick Nummer eins:
Man macht sich die Topografie zunutze. So geschehen beim -Hilgard Garden im kalifornischen Berkeley: Ein schmaler Garten hinter einem Townhouse aus den 60er-Jahren, der am Ende steil ansteigt. Solche Hanglagen lassen den Gartenbesitzer oft ratlos zurück, weil sie schwer nutzbar sind. Die Architektin Mary Barensfeld machte die Neigung jedoch zur Hauptsache. Anstatt einer banalen Treppe windet sich 
eine Rampe im Zickzack über mit Beton und Stahl eingefasste begrünte Terrassen empor. So entsteht ein gestapelter Garten. Als Belohnung für die Gipfelstürmer winkt eine Aussichtsterrasse mit Blick nach San Francisco.

Mikroklima, selbst gemacht: Das tropisch-üppige Atrium wird zum Herzstück des Wohnhauses und sorgt für Kühlung und Erholung auch bei drückend-schwülem Wetter. Jedes Geschoß bietet einen neuen Blick aufs Grün. Der Lärm, der Staub und die Stadt vor der Haustür sind hier schnell vergessen. Hò Khuê Architects.

Foto beigestellt

Trick Nummer zwei:
das Haus zum Garten machen. So geschehen auf einer vier Meter schmalen Parzelle an einer lauten Straße im vietnamesischen Đien Biên Phù. Die lokalen Architekten Hò Khuê schufen einen geschützten Gartenhof, der von Brücken zwischen den Wohnbereichen durchkreuzt wird. In diesem vertikalen Paradies sind Lärm, Staub und Hitze ausgeblendet, und der Weg vom Schlaf- zum Esszimmer wird 
zum Waldspaziergang.
 

Trick Nummer drei:
Zäune und Wände verschwinden lassen. Das funktioniert selbst in einem schattigen Hof zwischen sechsgeschoßigen Häusern in Manhattan. Für die Bewohner des Carnegie Hill House kreierten die Landschaftsarchitekten Nelson Byrd Woltz eine Oase mit der Illusion eines tiefen Waldes. Die hohen Wände wurden mit Weinranken bepflanzt, dazwischen wandelt man zwischen schlanken Gingkobäumen oder kuschelt sich in das runde Sitznest in der Gartennische. Die Dachterrasse wiederum wird dank Sichtschutzwänden aus Holzlamellen zum geschützten Freiluftinnenraum mit gerahmten Ausblicken auf die Skyline von New York. 

Japanese Garden, Surrey
Japanese Garden, Surrey: Wenn die Botanik wild wächst und wuchert, will man sich einfach nur zurücklehnen und ihr dabei zuschauen. Von der minimalistischen Sitzinsel aus lässt sich von England ins ferne Japan träumen. Ein dezent rauschender Wasserfall sorgt dabei für die ideale akustische Untermalung. andysturgeon.com

© Helen Fickling

Chill-Out Area

Oder man geht die Sache von der anderen Seite an und macht die Architektur zur Insel im Grün. Wenn der Botanik die Freiheit zum kontrollierten Wuchern gelassen wird, genügt schon ein mit minimalen Mitteln umrissener Sitzbereich. Andy Sturgeons »Modern Japanese Garden« ist eine britisch-höfliche Hommage an die japanische Gartenkunst, die ganz ohne Pagodenkitsch auskommt. Eine Holzbrücke, ein Wasserfall, viele Pflanzen, ein gerahmtes Sitzpodest mittendrin. Ein Floß, von dem aus man sich selbst in die Natur versenken kann. 

Doch ein Garten muss nicht immer nur ein Ort der Meditation und des Rückzugs sein. Denn wo lassen sich Gäste an einem lauen Abend besser bewirten als zwischen zirpenden Grillen? Eben. Dazu braucht man kein riesiges Anwesen, wenn der Garten klug aufgeteilt ist. Der passend benannte Chill-out Garden in Südengland wurde für eine Familie mit zwei Töchtern maßgeschneidert, sodass Eltern und Kinder ihre Freunde empfangen können. Eine Terrasse mit Esstisch für die Erwachsenen und am Ende eine Sitznische mit Feuerstelle für die Teenager-Lagerfeuerromantik. Denn, Hand aufs Herz: Was ist schon ein Paradies, wenn man dort keine Party feiern kann?

Carnegie Hill House, New York: Unter Millionen in Manhattan – und doch ganz alleine: Auch im 6. Stock zwischen den Dächern einer Metropole lässt sich eine eigene grüne Welt erschaffen. Die Kombination von Holzwänden und Bambus erlaubt kuschelige Intimität genauso wie einen sehnsuchtsvollen Fernblick. nbwla.com

Foto beigestellt

Aus dem Living Magazin 03/2017. 

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