Alois Gölles in seinem Element © Falstaff/Degen
Alois Gölles in seinem Element © Falstaff/Degen

Die 79er-Maturaklasse der Wein- und Obstbauschule in Klosterneuburg war eine wichtige Keimzelle für die Entwicklung der österreichischen Wein- und Kulinarikszene. Neben den Weingrößen Manfred Tement, Karl Alphart, Josef Pusch und Johann Umathum drückte auch Alois Gölles die Schulbank in Niederösterreich. Während der berufliche Weg seiner drei Weggefährten schon klar vorgezeichnet war, kehrte Gölles mit einer Menge Ideen zum Obstbaubetrieb bei der Riegersburg zurück. Die ersten Versuche am elterlichen Bauernhof brachten kurzfristige Blüten wie Ribiselwein und Erdbeerwein. Glücklicherweise fokussierte sich Gölles aber schon bald auf Obstveredelung zu Schnaps und Essig.

Verkostung im Wohnzimmer
Die Nachfrage nach hochwertigem Essig und hochklassigen Obstbränden war in den 80er Jahren noch sehr verhalten. Dennoch war Alois Gölles qualitätsbesessen genug, um hartnäckig an der Produktentwicklung wie am Vertrieb in der Gastronomie zu arbeiten. Ein spezieller Besuch ist ihm heute noch in bester Erinnerung. Aus Ermangelung eines Verkostungsraumes wurden die Gäste in das private Wohnzimmer gebeten. Erst bei der Bestellung realisierte Gölles, wen er da vor sich hatte: Es war die Familie Reitbauer vom »Steirereck«, die seit den 80er-Jahren bis heute ohne Unterbrechung Gölles-Produkte im Angebot hat.

Falstaff als Geburtshelfer
Völliges Neuland betrat Gölles im Jahr 1984 mit der Entwicklung des ersten Apfel-Balsam-Essigs der Welt. Bis dato kannte man nur den italienischen Balsamico, der aus Weintrauben gemacht wird. Trotz der wenig aufmunternden Kommentare seiner Frau Herta (»Der ist ja süß und braun!«) verfolgte Gölles seine Idee zielstrebig weiter. Auch Rückschläge wie missglückte Versuche in den Jahren 1985 und 1986 oder eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs brachten Gölles nicht von seinem Weg ab. Der Durchbruch gelang, als der damalige Falstaff-Chefredakteur Dr. Michael Pronay den Apfel-Balsam-Essig als Pirat in eine Balsamico-Verkostung einschleuste und dieser auf Anhieb im Spitzenfeld landete. Gölles etablierte die steirische Variante des Balsamico in der Top-Gastronomie und spätestens, als in den 90er-Jahren die ersten Nachahmer auf den Plan traten, wusste er, was für ein Potenzial seine Innovation hat.

>> Verkostungsnotizen 30 Jahre Apfel Balsam Essig

Im Barrique-Lager von Alois Gölles reifen Essige in rund 1.000 Fässern © Falstaff/Degen

Export sogar nach Italien
Heute verarbeitet Gölles an die 500 Tonnen Früchte im Jahr. 100.000 Liter werden dabei zu Essig, 30.000 Liter zu Destillaten verarbeitet. Rund ein Viertel der Produktion wird exportiert. Der Balsam-Apfelessig geht sogar in die traditionellen Erzeugerländer Italien, Spanien und Frankreich. Zudem betreibt die Familie das Genusshotel Riegersburg in dem man die steirischen Schmankerl in gemütlicher Atmosphäre genießen kann. Neben den Schnäpsen und Essigen gibt es dort auch steirische Weine mit seltener Jahrgangstiefe. Besonders von Gölles altem Schulfreund Manfred Tement.

www.goelles.at

(von Bernhard Degen)

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  • 17.02.2014
    Verkostungsnotizen Gölles Balsam-Vertikale
    Neun Mal Apfel-Balsam-Essig bis ins Jahr 1984 zurück.
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