Um einen ersten Überblick geben zu können, hat sich Fals­taff bei den führenden Winzern in allen Regionen umgehört und festgestellt: 2012 ist ein Jahr, über das bereits jetzt sehr gern gesprochen wird. Ein gutes Zeichen: Bei schwächeren oder gar schwierigen Jahrgängen gehen die Wein­bauern nur höchst ungern ins Detail.

Die heimischen Weinfreunde dürfen sich also auf 2012 freuen, so viel steht fest. Was die Qualität anbelangt, zeichnet sich sowohl bei Weiß- als auch bei Rotweinen ein exzellenter Jahrgang ab. Die Mengen hingegen sind vergleichsweise eher gering ausgefallen.

Man geht von einer Erntemenge von knapp 2,1 Mio. Hektolitern aus, was im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre ein sattes Minus von rund 400.000 Hektolitern bedeutet. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf teilweise verheerende Spätfröste, die in Teilen Niederösterreichs zu markanten Einbußen geführt haben. Daher verteilen sich diese Mengenverluste keineswegs gleichmäßig, in vielen Teilgebieten Österreichs wurden 2012 auch quantitativ gute Ernten eingebracht.

Frost schafft Frust
Alles in allem war der Witterungsverlauf des Jahres 2012 aus der Sicht der Winzer güns­tig. Ein besonderes Thema aber war Frost. Bereits im Winter hatten sehr kalte Tempe­raturen vor allem bei Junganlagen einigen Schaden angerichtet, das dicke Ende kam allerdings völlig unerwartet. In der Nacht auf den 18. Mai sank das Thermometer in Niederösterreich weit in den Minusbereich, und dieser Spätfrost richtete vor allem im nordwestlichen Pulkautal verheerende Schä­den in den Weingärten an. Neben dem Weinviertel war auch das Kamptal von dieser Misere betroffen. Manche Lagen verzeichneten Totalausfälle, insgesamt waren rund 6000 Hektar Rebfläche von diesem ungewöhnlichen Temperatursturz betroffen. Vereinzelt waren auch Hagelschläge für eine weitere Reduktion des Ernteergebnisses verantwortlich.

Abgesehen davon war der Verlauf des Sommers geprägt von einer moderaten Hitze, begleitet allerdings von großer Trockenheit. Da die sommerlichen Witterungsbedingun­gen auch bis zur Ernte anhielten, konnten sehr gesunde Trauben geerntet werden, die Gradationen waren eher hoch. Andererseits wurden etwas niedrigere Säuregradationen gemeldet, es wird also manchmal etwas der Schwung fehlen.

Die Mostausbeute war – bedingt durch etwas dickere Traubenschalen – insgesamt geringer. Statt der durchschnittlichen 1,6 Mio. Hektoliter wurden diesmal in Niederöster­reich nur 1,1 Mio. Hektoliter geerntet, was deutlich zulasten der Sorte Grüner Veltliner ging, die in den vom Frostereignis betroffenen Gebieten klar dominiert.

Zufriedene Wiener
In der Bundeshauptstadt freut man sich nach dem reifen Jahrgang 2011 erneut über ein sehr reifes Jahr. Ausgelöst durch Trockenheit im Frühjahr und Hitze im Sommer wurde auch in der Hauptstadt recht früh mit der Weinlese begonnen und diese im Großen und Ganzen in der dritten Oktoberwoche abgeschlossen. Der Spätfrost im Mai schädigte rund zehn Hektar auf dem Bisamberg, im 19. Bezirk gab es die leider schon gewohnten Hagelschäden, diesmal auf dem Reisenberg. Insgesamt fiel die Ernte ordentlich aus, unwesentlich unter dem Durchschnitt.

Der Jahrgang zeigt sich anhand erster Verkostungen deutlich weniger von Trockenheit oder Hitze gezeichnet, die Weine sind intensiver in der Frucht als die 2011er, ebenso die Säure. Sie ist zwar analytisch nicht viel höher als im Vorjahr, aber sensorisch auf gutem Niveau. Die Stärken des Jahrgangs dürften wieder der Riesling, die Burgundergruppe, aber auch der Wiener Gemischte Satz sein.

Die Rotweine sind ähnlich strukturiert und konzentriert wie 2011, aber vielleicht insgesamt doch noch etwas saftiger und eleganter ausgefallen.

Arbeit ohne Zeitdruck
Sehr entspannt erlebten die Winzer im Burgenland das Jahr 2012. Denn sowohl die Witterung als auch die Erntemengen sorgten für vollste Zufriedenheit. Einem relativ milden Winter folgte ein Frühjahr mit ausreichender Feuchtigkeit, abgesehen von einigen kleineren Hagelproblemen verlief der Sommer wunschgemäß. Eine frühe Blüte ermög­lichte einen entsprechend zeitigen Lesebeginn. Erste Frühsorten für Most und Sturm wurden im Seewinkel bereits in der ersten Augustwoche geerntet. Danach konnten sich die Winzer nach Belieben Zeit lassen. Keine Wetteränderung war vorhergesagt, ohne Niederschläge bestand keine Angst vor Fäulnis – aber aus Sicht der Süßweinexper­ten auch keine Hoffnung auf Botrytis.

Sowohl bei den trockenen Weißweinen als auch bei den Rotweinen fiel die Qualität überdurchschnittlich aus. Die jungen Blau­fränkischweine zeigen eine sehr gute Farbe und Aromatik, schon die Moste weisen hohe Zuckerwerte auf, auffällig sind besonders runde Tannine und eine ausgeprägte Würze.

2012 war sicher ein Jahrgang, der den internationalen Rotweinsorten wie Cabernet Sauvignon, Syrah oder Merlot entgegenkam, die diesmal mit optimaler Reife eingebracht werden konnten. Insgesamt hing alles vom gewählten Erntezeitpunkt ab, eine Tendenz zu höheren Alkoholwerten war unübersehbar. Während die Weine aus Toplagen also höchste Erwartungen erfüllen werden, könnte es den Rotweinen des mittleren Bereichs ein wenig an Spannung und Struktur fehlen. Die Saftigkeit im klassischen Bereich wird bei den Konsumenten sicher gut ­ankommen.

Späte Süße
Die Geduld der Süßweinexperten wurde lange auf die Probe gestellt. Erst Anfang Oktober gab es erste Botrytis, die aber wieder abtrocknete. Anfang November hielt die Botrytis tatsächlich Einzug, aber ständiger Regen verhinderte die nötige Konzentration des Mostes in der Traube. Erst Ende November wurde es trocken, und dann musste es schnell gehen. Ab 10. Dezember wurde es extrem kalt, jetzt konnten die Eisweinspezialisten ans Werk gehen. Die Mengen werden bei den BAs und TBAs sehr ordentlich sein und jene aus 2010 und 2011 deutlich übertreffen. Aufgrund der Hitze und Trockenheit wird das Säureniveau der Süßweine grundsätzlich etwas niedriger erwartet.

Reife Sauvignons
In der Steiermark führte Frost am Ostermontag zu beträchtlichen Ausfällen beim Gelben Muskateller, von den Spätfrösten, die in Niederösterreich zu Schäden führten, blieben die südlichen Weinregionen glücklicherweise verschont. Speziell im Juli waren die Witterungsbedingungen in der Steiermark recht unterschiedlich: Während es in der Südsteiermark so gut wie keine Gewitter gab, kam es in der Weststeiermark zu zahlreichen Niederschlägen. Der warme und trockene Sommer ließ die Zuckerwerte stark ansteigen, ab Anfang September konnte mit der Hauptlese begonnen werden.

Der steirische Weinjahrgang 2012 zeichnet sich insgesamt durch eine schöne Würze und dichte Weine aus, die Sauvignons Blancs weisen eine reifere Aromatik auf. Die vorhandenen Muskateller sind aromatisch gut ausgeprägt und dicht, die Weißburgunder bestechen durch gute Sortentypizität und nussigen Charakter. Insgesamt erwarten wir aus der Steiermark einen eleganten und saftigen Jahrgang von hoher Qualität, der vielleicht in der absoluten Spitze seinen Vorgänger nicht ganz erreichen können wird.

Gute Aussichten
Auch wenn noch viele Weine in den Fässern heranreifen, werden die Konsumenten bereits bei den Präsentationen im Frühjahr Gelegenheit haben, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Die Voraussetzungen für einen ausgezeichneten Jahrgang waren jedenfalls in so gut wie allen Bereichen und Regionen gegeben. Die Falstaff-Redaktion wird sich in den nächsten Wochen recht intensiv mit den vielversprechenden frischen Rieslingen und Grünen Veltlinern aus der Donau-Region befassen, schon in der nächsten Ausgabe werden wir detailliert und konkret über die Federspiele der Wachau und die DAC-Weine aus dem Kremstal und Traisental berichten.

Statements heimischer Spitzenwinzer zum Jahrgang 2012 finden Sie in der Bilderstrecke


Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 02/2013

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