2000er: Der Boom der Gourmet-Supermärkte

Der »Urmeter« der österreichischen Gourmet-Supermärkte: Der »Meinl am Graben« in Wien

© Franz Gruber Picturedesk

Supermarkt

Der »Urmeter« der österreichischen Gourmet-Supermärkte: Der »Meinl am Graben« in Wien

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Das Schweinderl weiß es bereits seit Mitte der 2000er-Jahre genau: »Spitzt’s eure Schweins­ohren!«, grunzt es uns in unzähligen Werbespots entgegen. »Ja! Natürlich«, erwidert der Bauer und meint damit den Genuss in Bioqualität. Was den heimischen Konsumenten längst so vertraut im Ohr klingt, ist im internationalen Vergleich aber alles andere als »natürlich« – und keineswegs selbstverständlich. Während ernährungsbewusste Genießer in anderen Ländern vor allem Fach- und Feinkostgeschäfte aufsuchen müssen, um Biolebensmittel kaufen zu können, liegen diese in Österreichs Supermarktketten wie selbstverständlich frisch und in bester Qualität in den Regalen.

Denn wenn es darum geht, Gutes und Gesundes aufzutischen, sind die heimischen Supermärkte seit Jahrzehnten Vorreiter und Trendsetter in einem. Bereits in den späten 90ern haben sich die ersten Bioeigenmarken im Lebensmittelhandel etabliert, der große Schub passierte in den 2000er-Jahren: Spar brachte damals »Natur*pur« zu den Konsumenten, Rewe sagte »Ja! Natürlich« zu Bio, und Hofer fand »Zurück zum Ursprung«. Beflügelt von der Politik, die die Biolandwirtschaft in Österreich stets förderte, haben vor allem die großen Supermarktketten mit ihren Initiativen maßgeblich dazu beigetragen, dass Biolebensmittel einer breiten Masse zu verhältnismäßig günstigen Preisen angeboten werden können. 

Biosortiment boomt

Eine Entwicklung, die weltweit einzigartig und genau nach dem Geschmack der Konsumenten ist: In den vergangenen zwei Jahrzehnten zog der Anteil von Biolebensmitteln im heimischen Handel kontinuierlich an und erreichte im Juni 2020 mit zehn Prozent erstmals einen zweistelligen Wert. Im ersten Halbjahr 2020 haben die Konsumenten demnach biologische Frischeprodukte im Wert von durchschnittlich 97 Euro pro Kopf eingekauft, eine Steigerung um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2013 stieg der Kauf von Biolebensmitteln sogar um mehr als 50 Prozent – das ist fünfmal so viel wie bei konventioneller Ware. Ein Bioboom, der vor allem deshalb ausgelöst wurde, weil die entsprechenden Lebensmittel so einfach für alle Genießer zugänglich sind. Mehr als drei Viertel aller biologischen Produkte werden heute in den heimischen Supermärkten (Lebensmitteleinzelhandel und Diskonter) gekauft.

Und das Sortiment wächst stetig: So startete Spar 1995 mit zehn Biomilchprodukten und 500 Biobauern – heute bietet man mit »Natur*pur« um die 1000 Bioprodukte von mehr als 7000 Biobauern an. Der Rewe-Konzern, zu dem unter anderem Billa, Merkur und Adeg gehören, weist in seiner »Ja! Natürlich«-Produktpalette um die 1100 Bio­lebensmittel aus, und bei Hofer sind es mehr als 450 biologische Waren der Bioexklusivmarke »Zurück zum Ursprung«. Die Grundwerte lauten Regionalität, Umweltschutz, Gentechnikfreiheit, Tierschutz, höchste Lebensmittelqualität, Transparenz und Fairness gegenüber Bauern und Konsumenten.

Und: Die Bioinitiativen der Supermärkte haben letztlich auch die Landwirtschaft positiv geprägt. Etwa ein Viertel der gesamt genutzten landwirtschaftlichen Fläche wird heute für den Anbau von Biolebensmitteln verwendet – im EU-Schnitt sind es nur sieben Prozent. Damit ist Österreich bei der biologischen Landwirtschaft Spitzenreiter unter den 28 EU-Staaten.

Feinschmeckerparadies

Gleichzeitig haben die heimischen Supermarktketten in den 2000er-Jahren aber auch damit begonnen, die Genusskompetenzen der heimischen Konsumenten sukzessive auszuweiten. Spar etablierte zur Jahrtausendwende mit der Übernahme zahlreicher ehemaliger Standorte der Lebensmittelkette Meinl in Premium-Lagen sein »Spar-Gourmet«-Filialkonzept, von dem es heute mehr als 50 Geschäfte gibt. Für Feinschmecker wird hier neben hochklassigen regionalen Produkten beste Qualität aus aller Welt importiert. Zudem sorgen Eigenmarken wie »Spar Premium« für internationale Aromenvielfalt abseits des Gewöhnlichen. Spezialisten und Traditionalisten sowie kleine Manufakturen und große Meister kreieren für jedes Produkt einen einzigartigen Genuss. Zu dieser Riege zählen Aushängeschilder wie die Spitzenköchin Johanna Maier, »Paradeiser-Kaiser« Erich Stekovics oder der Chocolatier Josef Zotter. Und auch die »Weinwelt« von Interspar, vor 20 Jahren gegründet, bietet inzwischen ein Spektrum von mehr als 2500 Weinen und Spirituosen, darunter um die 600 heimische Tropfen, zu Ab-Hof-Preisen.

Ein wahres Feinschmeckerparadies findet man seit Anfang des Jahres 2000 auch in den Wiener Ringstraßengalerien vor, wo der erste »Billa Corso« seitdem für ein gänzlich neues Einkaufserlebnis mit internationalen Spezialitäten sorgt. 2010 folgte der nächste Standort im Wiener Herrnhuterhaus, ein weiterer an historischer Stätte am Michaelerplatz kam erst letzten Sommer hinzu. Und auch in Graz, Salzburg und Klagenfurt können sich Genießer inzwischen vom exquisiten Sortiment dieser Billa-Feinkost-Filialen verwöhnen lassen. Dazu zählt etwa eine erweiterte Vinothek mit ausgewählten Tropfen der besten Winzer und fachkundiger Betreuung. Ein lukullisches Paradebeispiel ist auch der »Merkur Hoher Markt« in Wien – ein Schlaraffenland für Genießer auf drei Ebenen. Im zweiten Stock verführt eine Vinothek samt Weinbar von internationalem Rang mit einem Sortiment von erlesenen Spitzenweinen, Champagnern und Schaumweinen sowie Whisky, Rum und österreichischen Fruchtbränden. Die vornehme Adresse in bester Innenstadtlage verspricht noch mehr: Österreichs erster Fleischsommelier bietet die besten Cuts vom heimischen Rind bis zum australischen Wagyu, an der Fischtheke wählt man zwischen Gillardeau-Austern und frisch gefangener österreichischer Bergforelle, um die hundert Variationen Brot werden frisch gebacken und auch die Käseauswahl von mehr als 250 Spezialitäten aus 13 Ländern kann sich sehen lassen.

Und dann gibt es nach wie vor den legendären »Meinl am Graben«, den »Urmeter« aller heimischen Gourmet-Supermärkte und – nach dem Verkauf der anderen Meinl-Filialen Ende der 1990er – die letzte Bastion des ehemaligen Feinkost-Riesen. Hier wird seit Jahrzehnten mit eherner Verlässlichkeit Feinstes und Seltenes aus aller Welt geboten, kombiniert mit einer Auswahl an (Schaum-) Weinen, die ihresgleichen sucht. Feinschmecker haben es bei uns wirklich gut!

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