Bei Runde 4 von WineExperts diskutierten Hermann Botolen, Willi Bründlmayer, Dorli Muhr, Willi Balanjuk, Willi Klinger und Oliver Sartena (von li. n. re.) / Foto: © WEIN & CO/ Sabine Klimpt
Bei Runde 4 von WineExperts diskutierten Hermann Botolen, Willi Bründlmayer, Dorli Muhr, Willi Balanjuk, Willi Klinger und Oliver Sartena (von li. n. re.) / Foto: © WEIN & CO/ Sabine Klimpt

Die Teilnehmer der jüngsten WineExperts Runde am 18. März zählen zweifellos zum »Who is Who« der heimischen Weinbranche. Und gemeinsam ist ihnen auch, dass jeder einen Teil seines Weges mit Wein & Co gegangen ist. Für Oliver Sartena, Mitglied der Geschäftsleitung von Wein & Co und Gastgeber, ein Grund mehr, diese Runde zum Rückblick auf die letzten 20 Jahre einzuladen. Willi Klinger, Chef der ÖWM (Österreich Wein Marketing GmbH), und Spitzensommelier Hermann Botolen, vielen aus seiner Zeit beim Meinl am Graben bekannt, waren vor 20 Jahren sogar Gründungsmitglieder. Dorli Muhr, Österreichs Wein-PR-Lady Nummer 1, hat bereits vor der Eröffnung am Konzept mitgearbeitet und über weite Strecken die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Willi Balanjuk, international anerkannter Weinexperte, war von 1998 bis 2003 erst Einkaufs-, dann Marketingleiter von Wein & Co. Und der heimische Topwinzer Willi Bründlmayer zählt zu den Partnern der ersten Stunde und wurde schon vor der Gründung von Wein & Co gefragt, ob er als Lieferant zur Verfügung stünde. Moderiert wurde die Runde von Monika Kriwan, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Wein & Co.

Wie viel Vertrauen hatte ein Partner in ein Konzept, das vor 20 Jahren einen im Weinhandel völlig neuartigen Weg einschlug? »Heinz Kammerer hat mich lange vor Wein & Co  zu einer Verkostung in seinen Weinkeller eingeladen und mir war sofort klar, dass es hier um echte Leidenschaft für das Thema geht. Er macht den Mund vielleicht groß auf, hält aber auch, was er verspricht«, so Bründlmayer, der für die Zusammenarbeit mit Wein & Co auch in Kauf nehmen musste, von Kunden in der Topgastronomie mitunter schief angeschaut zu werden: »In der Spitzengastronomie war man skeptisch, es gab Gastronomen, die dich ausgelistet haben, wenn du mit Wein & Co zusammengearbeitet hast.«

Weingenuss ohne Schwellenängste
Für Hermann Botolen, der selbst aus der Topgastronomie kam, war es daher ein genialer Schachzug, das Gründungsteam genau aus diesem Pool zu fischen: »Topsommeliers mit ins Boot zu holen, war clever. Somit gelang es sofort, auch bei Kunden Vertrauen aufzubauen.«  Darüber hinaus wurde Weinfreunden die Schwellenangst vor Vinotheken genommen: »Wein & Co war einfach anders, 20.000 Bordeauxflaschen waren hier nicht in Regalen versperrt, sondern lagen in Kisten am Boden herum.«

Handelsexpertise bei Wein holte sich Heinz Kammerer mit Willi Klinger, der vom Weinhändler Stangl in Salzburg kam und sich heute noch gerne an die spannende Gründungszeit erinnert: »Wir haben jede Woche eine neue Filiale eröffnet, ohne uns darüber im Klaren zu sein, ob Wein & Co letztendlich ein spartanisches Kistenlager oder eine Prime-Location in der Stadt sein sollte. Das Ganze war eine riesige Trial & Error-Entwicklung, die großen Mut erforderte.«

Medial erwies sich die Wein & Co-Gründung als Paukenschlag - erinnert sich Dorli Muhr: »Heinz Kammerer war der Popstar unter den Weinhändlern, jeder Journalist wusste, von ihm bekommt man immer einen fetzigen Sager, weil er stark  polarisierte.« Als im Wochenrhythmus eine Filiale nach der anderen eröffnet wurde, gab es kaum ein Printmedium im Lande, das nicht berichtete: »Es ging ein unfassbares Rauschen durch den Blätterwald!«

Eine WineExperts-Diskussion über 20 Jahre WEIN & CO und den Einfluss auf den heimischen Weinmarkt / Foto: © WEIN & CO/Sabine Klimpt
Eine WineExperts-Diskussion über 20 Jahre WEIN & CO und den Einfluss auf den heimischen Weinmarkt / Foto: © WEIN & CO/Sabine Klimpt


Eine WineExperts-Diskussion über 20 Jahre WEIN & CO und den Einfluss auf den heimischen Weinmarkt / Foto: © WEIN & CO/Sabine Klimpt


Coolnessfaktor
Der Durchbruch von Wein & Co – in den Anfangsjähren brillierte man vor allem mit ausländischen Raritäten wie aus Bordeaux oder Australien – kam für Willi Balanjuk aber erst mit der Ausweitung des Österreichsortiments. »Mit dem brillanten 97er Jahrgang ging bei heimischen Weinen endgültig die Post ab. Es war wie ein Elfmeter bergab ohne Tormann.«

Ein weiterer Meilenstein sei freilich auch die Eröffnung der ersten Wein & Co Bar 1999, die gemeinsam mit der lockeren Ansprache das heimische Zielpublikum für Wein enorm verbreitert habe. Balanjuk: »Mit der Wein & Co Bar kam der Coolnessfaktor hinzu. Heute sind die Kunden um mindestens eine Generation verjüngt.« Dorli Muhr ergänzt: »Das ursprüngliche Ziel von Wein & Co, den Weinhandel zu demokratisieren, ist sicherlich gelungen. Heute steht Wein & Co aber nicht mehr für Demokratisierung, sondern für Lifestyle.«

Oliver Sartena geht sogar noch einen Schritt weiter: »Ohne die Wein & Co-Bar gäbe es uns vielleicht nicht mehr. Wein war elitär, aber nicht cool. Allein mit den Kunden, die in den Anfängen zu Wein & Co gegangen sind, könnten wir heute sicher nicht mehr leben.« Nie stehenzubleiben sei überhaupt ein Bestandteil der Unternehmenskultur von Wein & Co, betont Sartena: »Die gute Mitte interessiert bei uns niemanden, entweder du brennst für eine Sache oder du lässt es bleiben.«

Wein ist People Business
Inwiefern hat sich die Entwicklung von Wein & Co auf das Umfeld ausgewirkt?  Bründlmayer sieht vor allem Auswirkungen auf den Lebensmittelhandel: »Irgendwann hat auch der LEH den Willen zur Qualität gezeigt. Heimische Winzer wären falsch beraten gewesen, hier nicht mitzutun. Schon einmal deshalb, weil der LEH sonst stärker das Ausland forciert hätte.«

Und wie war es mit anderen internationalen Weinfachhandelsketten, warum konnte hier niemand an den Erfolg von Wein & Co anschließen? »Viele sind einfach zu spät gekommen«, meint Balanjuk: »Und haben den Österreichboom verschlafen.«  Sortimentsvielfalt sei bei Wein & Co hingegen immer Strategie gewesen, ergänzt Klinger: »Leuten, die früher nur ein- und denselben Doppler gekauft haben, wurden plötzlich Verkostungspakete angeboten. Und es ist immer ein geiles Gefühl, etwas Unbekanntes zu verkosten.«

Ausschlaggebend seien auch die ständigen Innovationen von Wein & Co gewesen, ist Botolen überzeugt: »Bei Wein & Co hat man sich immer Newcomer erwartet. Wein & Co war immens wichtig für die jungen und unbekannten Winzer.«

Sartena sieht vor allem Emotion als wichtigen Motor an und erinnert dabei an einen Claim der Anfangszeit: »Wein & Co bewegt Menschen und keine Flaschen. Bei uns geht es immer um Emotion und Begeisterungsfähigkeit, wir verkaufen ja schließlich ein Produkt, das jeder will, aber keiner braucht.«


WineExperts – die Wein & Co Diskussionsreihe rund um Wein – findet viermal jährlich in den Eventräumlichkeiten des Wein & Co Flagshipstores in der Mariahilfer Straße statt. Weinexperten, Journalisten und Wissenschaftler diskutieren dabei Weinthemen über rein fachliche Grenzen hinweg – mit dem Ziel, eine breite Öffentlichkeit für das Thema Wein in Österreich zu interessieren.

www.weinco.at

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