Das heimische Rotweinwunder ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. In ­wenigen Jahren ist es den ­österreichischen Winzern ­gelungen, sich auch beim ­Rotwein an das internationale Spitzenniveau heranzuarbeiten. Eine beachtliche Leistung, galt doch der rote – oft nur blassrote – Wein aus unseren Rieden über einen langen Zeitraum ganz zu Recht als wenig vorzeigbar und war bestenfalls als süßsaurer Jausenbegleiter zu gebrauchen. Der Löwenanteil der besten, hochpreisigeren Rotweine von heute wird im Inland konsumiert, der Export der teureren Flaschenware ist noch – mangels Images – ein Minderheiten­programm. Da wird manchen Leser der Umstand erstaunen, dass es im 19. Jahrhundert rote Markenweine aus Nieder­österreich gab, die nahezu weltweit angeboten wurden und ein Publikum rund um den ­Globus begeisterten. Der »Vöslauer Goldeck« des Hauses Schlumberger war die unerreichte Nummer eins unter diesen Legendenweinen und ist der einzige, der bis heute überlebt hat.

Wo die Liebe hinfällt ...
Robert Schlumberger kam durch Zufall nach Österreich. Er war Leiter des heute noch bestehenden Champagnerhauses Ruinart Père & Fils in Reims und begegnete anlässlich einer Geschäftsreise nach Deutschland im Sommer 1842 auf einer Rheinfahrt dem Wiener Metallwarenfabrikanten Heinrich Kirchner und seinen zwei Töchtern. Er verliebte sich in eine von ihnen, kam im Herbst 1842 nach Wien und hielt um ihre Hand an. Sie willigte unter der ­Bedingung ein, Wien nicht verlassen zu müssen. Die Liebe siegte über die materiellen Vorteile, und Schlumberger gab seine glänzende Stelle in Reims auf. Er begann zunächst in Wien, wo er mit einem einzigen Gehilfen noch aus ausgewählten Mosten aus verschiedenen Gebieten probeweise die Schaumweinproduktion aufgenommen hatte, wählte dann aber das Dorf Vöslau zum Schauplatz seiner künftigen Tätigkeit und erzeugte zunächst in allerkleinstem Rahmen aus den blauen Vöslauer Trauben nach französischem Vorbild »Champagner«. Er wurde so zum Begründer der Schaumweinin­dustrie Österreichs. Noch im Herbst 1844 erzeugte Schlumberger seine ers­ten Eigenbau-Rotweine. Bald wuchs das Unternehmen, und von 1852 bis 1854 wurde ein umfangreicher Gebäudekomplex errichtet, den der Architekt August Schwendenwein entworfen hatte. Benannt wurde die Betriebsstätte nach dem Grund, auf dem sie erbaut wurde – Goldeck. Nach dem Bezug der neuen Anlage trugen auch die feinen Tafelweine fortan den Namen »Goldeck«.

Die jüngst prächtig restaurierten Kellereigebäude in Bad Vöslau
Die jüngst prächtig restaurierten Kellereigebäude in Bad Vöslau


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Der Weg zum Weltruhm
Robert Schlumberger legte sein Augenmerk neben der Sektproduktion sehr früh auch auf die Herstellung haltbarer österreichischer Flaschenweine, er begann damit in den 1850er-Jahren. Damit war er seiner Zeit weit voraus, bedenkt man, dass die Flaschenabfüllung in ­Österreich erst in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts langsam zum Gemeingut wurde. Die internationale Karriere der Vöslauer Goldeck-Weine begann auf hoher See. Dadurch, dass Schlumberger seine Vöslauer Eigenbauweine auf der österreichischen Fregatte »Novara« im Jahre 1859 eine Reise um die Welt antreten ließ und nach der Heimkehr des Kriegsschiffes die Haltbarkeit und Seetüchtigkeit der Weine bewiesen war, wurden diese Produkte schlagartig gesuchte Artikel. Der österreichische Gelehrte, Naturforscher und Diplomat Karl von Scherzer und der Handelsminister Admiral Baron von Wüllersdorf verkündeten bei Auslandsaufenthalten sogar den Ruhm der Vöslauer Goldeck-Weine. Ausländische Diplomaten, besonders Engländer – so weiß es eine alte Zeitungsquelle – wetteiferten darin, die Schlumberger’schen ­Erzeugnisse ihren Gästen vorsetzen zu können. Der bis dahin fast völlig unbekannte Ort Vöslau hatte durch die bahnbrechende Tätigkeit Schlumbergers Weltruhm erlangt.

Bis über den großen Teich
Auch in Amerika wird die österreichische Spitzenmarke bereits im 19. Jahrhundert getrunken. Der beauftragte Handelspartner, die Austrian Importing Cooperation mit Sitzen in Boston und New York, nennt sich auf ihrem Briefkopf stolz »Sole Agents of R. Schlum­berger’s Austrian Vöslau-Goldeck Wines, the ­favorite table wine of the leading clubs, hotels and families in the U.S.«. Dafür war die Wahl der Rebsorten sicher mit ein Grund, denn Robert Schlumberger pflanzte neben dem ortsüblichen Blauen Portugieser und Blaufränkisch auch von Anfang an die Bordeauxsorten Merlot und Cabernet Sauvignon – eine Tradition, der das Haus Schlumberger bis heute erfolgreich treu geblieben ist. Der Schlumberger »Privatkeller« ist eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot mit einem kleinen Schuss Cabernet Franc und wird in besten französischen Barriques ausgebaut. Dem gelungenen 2006er folgte der Jahrgang 2008, denn im Jahr 2007 wurden die zehn Hektar Weingärten von Hagel schwer getroffen und 90 Prozent der Ernte vernichtet. Auf den guten 2008er folgte ein ­exzellenter 2009er Privatkeller, der von der Fals­taff-Jury mit 93 Punkten bedacht wurde.

Die »Rote Terrasse« über den Weingärten in Bad Vöslau
Die »Rote Terrasse« über den Weingärten in Bad Vöslau


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Mit der Sektpalette zum Marktführer
Im Sektbereich hat sich in der letzten Zeit einiges getan, in diesen Tagen wird der neue Jahrgang des Schlumberger-Spitzensekts präsentiert, der DOM-TFXT 2007. Schlumberger DOM TFXT ist aus der Zusammenarbeit mit den Starwinzern Manfred Tement, F. X. Pichler und Illa Szemes entstanden. Diese Cuvée aus Chardonnay und Pinot Noir wird nach der »Méthode traditionelle« hergestellt und reift lange auf der Flasche ihrer perfekten Trinkreife entgegen. Kein Wunder, dass dieser edle Schaum­wein aus Österreich gerne mit den ­bes­ten Champagnern verglichen wird. Mit der großen Schlumberger-Sektpalette, angeführt vom exzellenten Sparkling über Sekte mit Jahrgang bis hin zum Secco, einer Antwort auf Prosecco auf höchstem Niveau, ist man der klare Marktführer in Österreich. Unter der Marke Goldeck werden heute drei feine Sekte aus bes­tem niederösterreichischem Grünem Veltliner erzeugt, die den historischen Namen der ältes­ten Weinmarke Österreichs in die Zukunft weitertragen. 170 Jahre dauert nun die Erfolgsgeschichte von Schlumberger, und es herrscht kein Zweifel daran, dass diese noch fortgeschrieben werden wird.


Text von Peter Moser

Den vollständigen Artikel mit allen Informationen zur Geschichte des Hauses Schlumberger finden Sie im aktuellen Falstaff Nr. 04/2012.


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