150 Jahre Donauwalzer: Die heimliche Hymne

© Wien Tourismus / Peter Rigaud

© Wien Tourismus / Peter Rigaud

Evaluierungsprozesse sind nie verkehrt, wenn man sich nicht ganz sicher ist. Im letzten Sommer fragte die AUA bei ihren Fluggästen nach, wie sie es so mit dem »Donauwalzer« halten. Den hört man nämlich bei der Fluglinie beim Boarding und auch nach erfolgter Landung. Signature-Sound sozusagen, der zudem mit den Insignien der Identitätsstiftung spielt. Warum? Es gingen gehäuft kleinere Beschwerden ein, die sich von den weltberühmten Walzerklängen aus der Feder von Johann Strauss Sohn genervt fühlten. Nun denn: 2500 Gäste wurden befragt – und jetzt ist man sich bei der AUA sicher. 

Volkshymne, Schlager und Friedens-Marseillaise: Der Donauwalzer trug schon viele Namen.

Der Walzer bleibt. 72 Prozent der Flugkunden gaben nämlich an, dass sie die Melodie »sehr« bzw. »eher schon« vermissen würden. Zweidrittelmehrheit für den Dreivierteltakt – das nennt man wohl einen richtigen Sieg für die »heimliche Hymne« Österreichs, die heuer ihren 150. Geburtstag feiert. 

Grund genug, einen Blick auf die Geschichte dieser epochalen Melodie zu werfen, die tief in der österreichischen Seele verankert ist und auf die sich ein ganzes Land einigen kann. Auf eine Melodie, die in der Silvesternacht in unbeschwerter Seligkeit das neue Jahr begrüßt und später am Tag von den Wiener Philharmonikern beim Neujahrs-konzert als Grußbotschaft in die weite Welt hinausgeschickt wird.

Vom Gschnas zum Kult

Das Stück war ein eingelöstes Versprechen von Johann Strauss gegenüber dem Wiener Männergesang-Verein. Dieser bat den Komponisten bereits Jahre zuvor um ein Musikstück für seinen jährlichen Narrenabend. Als Grundlage gab man dem damals allerorts gefeierten Musikus einen Text von Josef Weyl. Der war Haushumorist des Männer-gesang-Vereins und Beamter in der Polizei-direktion. Wohlwollend formuliert kann man sagen, dass sein Text getränkt von karne-valesken Durchhalteparolen wider den kriegerischen Zeitgeist war und satirisches Potenzial in sich trug. Es gibt aber auch weniger diplomatische Interpretationen seiner Zeilen. 

So oder so, die Walzerpartie »An der schönen blauen Donau, op. 314«, wie man den Tanz förmlich nennt, feierte dann im Rahmen einer Faschingsliedertafel im Ballsaal des
Wiener Dianabads 1867 ihre Uraufführung. 

Die Strauss’sche Komposition gefiel und begeisterte das Publikum. Das gilt mittlerweile als erwiesen, auch wenn fast ein Jahrhundert lang hartnäckig eine Mär kursierte, die das Gegenteil behauptete. Grund dafür dürfte übrigens sein, dass der »Donauwalzer« lediglich einmal wiederholt wurde. Der erfolgsverwöhnte Strauss, den Richard Wagner für den »musikalischsten Schädel der Gegenwart« hielt, war eine höhere Da-capo-Zahl gewohnt. Nur: Das Konzert an diesem Abend, dem Strauss übrigens fernblieb, war mit über fünf Stunden schon äußerst lang. Mehr als ein guter Grund für lediglich eine Wiederholung des fast zehnminütigen Walzers. 

In der Presse fanden sich jedenfalls wohlwollende Beurteilungen des Walzers, eine davon spricht gar dezidiert von einem »-entscheidenden Schlager«. 

Misserfolg sieht anders aus, und darauf konnte Strauss, dessen Kunst und Können ihn als gern gesehenen Musiker um den halben Globus brachte, aufbauen. Zur Weltausstellung 1867 in Paris dirigierte der karrierebewusste Strauss bereits eine Orchesterfassung des Stücks. Von Napoleon III. abwärts war die gesamte Macht und Prominenz der damaligen Zeit vor Ort – der Donauwalzer bahnte sich also langsam seinen Weg. 1889 erhielt das Meisterwerk dann auch einen neuen Text,
der frei von kabarettistischen und satirischen Zwischentönen tief in den vereinnahmenden 
Pathostopf greift: »Weit vom Schwarzwald her eilst du hin zum Meer, / spendest Segen allerwegen, ostwärts geht dein Lauf, / nimmst viel Brüder auf: Bild der Einigkeit für alle Zeit.« Das kam an, und der Walzer erhielt einen neuen Popularitätsschub. 

»Weit vom Schwarzwald her eilst du hin zum Meer.«
Aus dem Donauwalzer. Text von Franz von Gernerth.

Hymne und Pop-Hit

Welche Weltkarriere der »Donauwalzer« dann tatsächlich hinlegen sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt aber niemand ahnen. Zwar wurde die Melodie bereits zu Lebzeiten von Johann Strauss zur Volkshymne und galt Joseph Haydns Kaiserhymne »Gott erhalte« als ebenbürtig, aber das war letztlich nur ein Vorgeschmack. Als Ende April 1945 die Unabhängigkeit Österreichs proklamiert wurde, intonierte man mangels einer Hymne vor dem Parlament den Donauwalzer, und auch die österreichische Fußball-Nationalmannschaft setzte nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals auf die Strauss-Klänge. Als 1955 dann der ORF auf Sendung ging, waren die ersten Töne, die in den Äther gingen, die des Donauwalzers. Und eine Variation der Melodie findet sich seit über dreißig Jahren
in der Soundsignatur der ORF-Nachrichtensendung »Zeit im Bild«. So etwas gräbt sich ins kollektive Bewusstsein ein. Man kann dem Donauwalzer nicht entrinnen. 

Letztlich hielt der elegante Strauss-Walzer dann auch noch Einzug in die Popkultur – als Untermalung in Cartoons wie »Tom & Jerry« etwa, vor allem und unwiderruflich aber als Leinwand-Klangmonument in Stanley Kubricks »2001. Odyssee im Weltraum«. Zu den Klängen von Strauss Sohn nähert sich ein Raumschiff einer Raumstation. Es scheint dabei, als vollbrächten die tonnenschweren Vehikel mit Leichtigkeit einen Walzer in der Schwerelosigkeit. Rotationen im Dreivierteltakt, beruhigend und schwebend zugleich. Damit verneigt sich Kubrick vor Seele, Kern und Wirkungsgeschichte einer Komposition, an der sich niemand satthören kann. Weder zu Silvester noch
im AUA-Flugzeug. 

Tipp

»Donau, so blau«: Ausstellung zu 150 Jahren Donauwalzer« und der Strauss-Dynastie
Bis 12. Mai 2017, Wienbibliothek im Rathaus.
www.wienbibliothek.at

Aus dem Falstaff Spezial Opernball 2017.

Der Donauwalzer

… wurde von Johann Strauss Sohn 1866 komponiert. Der eigentliche -Titel der Walzerpartie lautet »An der schönen blauen Donau, op. 314«. Strauss komponierte das Stück für die Faschingsliedertafel des Wiener Männergesang-Vereins – und es erlangte bald weltweite Bekanntheit.

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