1-G-Regel: Die Impfdebatte bewegt die Branche

Bundesminister Mückstein impft.

© BMSGPK / Marcel Kulhanek

Bundesminister Mückstein impft.

Bundesminister Mückstein impft.

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In Österreich steigen die Corona-Fälle wieder. Um die steigende Infektionsquote zu stabilisieren, meldete sich kürzlich Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker mit einer Überlegung, die nur mehr geimpften Personen den Zugang zur Gastronomie ermöglichen soll. Damit spricht er eine mögliche 1-G-Regelung an, ein Test oder eine Covid-19-Genesung würden somit nicht mehr für den Restaurantbesuch reichen. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein schließt sie auch nicht aus: »Bei Bedarf ist 1G als Zutrittsregel im Laufe des Herbsts aber durchaus eine Option – etwa in der Nachtgastronomie

Seit dem Sommer gebe es die Möglichkeit für alle, sich impfen zu lassen, »nun müssen wir den Menschen in Österreich auch die Chance und ausreichend Zeit geben, sich den zweiten Stich zu holen«, fährt der Gesundheitsminister fort. Die Branche diskutiert seither die möglichen neuen Regelungen kontroversiell – wie ein vorangegangener Falstaff-Artikel anschaulich zeigt. Doch warum setzt man wieder bei der Gastronomie an, die ohnehin sehr bemüht um die Sicherheit ihrer Gäste ist, und wo sind die Vor- und die Nachteile einer 1-G-Regelung?

Ansteckungsgefahr vs. Umsatzeinbrüche?

Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Obwohl die Ansteckungsgefahr im Tourismus nachweislich gering ist, leisten die Betriebe mit der Umsetzung der Regelungen ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Aber: »Die aktuelle Debatte sorgt vor allem für Verunsicherung bei den Menschen und in der Branche«, sagt der Geschäftsführer der Pletzer Resorts Egon Kahr. »Wenn es die Infektionslage aber erfordert, dann ist die 1-G-Regel besser als ein dritter Lockdown.« Er rechne aber mit deutlichen Umsatzrückgängen, die in irgendeiner Form aufgefangen werden müssten. Ein neuerlicher Totalausfall der Wintersaison wäre für Kahr und seine Betriebe nicht zu stemmen. »Unsere Branche hat mit den umgesetzten Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen vorgezeigt, wie ein Betrieb unter diesen Auflagen möglich ist«, weist er auf das Funktionieren der aktuellen 3-G-Regelung hin.

Auch im Wiener vegetarischen Gourmet-Restaurant »Tian« erachtet man die 3-G-Regel als ausgesprochen sinnvoll. »Unsere Erfahrungen damit sind sehr gut, auch unsere Gäste schätzen dies sehr«, berichtet Chef de Cuisine Paul Ivić und stellt die Frage: »Wieso sollte man im Hinblick und den Prognosen auf den Herbst die Strategie ändern?« Er würde sich aber wünschen, »dass sich alle testen lassen. Wie mein privates Umfeld zeigt, sind auch voll immunisierte Menschen vor einer Erkrankung nicht zu 100 Prozent geschützt«. Im »Tian« ließen sich die Mitarbeiter trotz Impfung weiterhin testen. »Persönlich finde ich das gut und verantwortungsvoll.«

Eine ähnliche Sichtweise vertreten Silvana und Günther Embacher aus dem Weinatelier Agnes in Söll. Sie zeigen sich zufrieden mit den derzeitigen Maßnahmen, die 1-G-Regelung ginge ihnen zu weit. »Wir verstehen nicht, warum nur noch Geimpfte Zutritt bekommen sollen und hoffen stark, dass diese Regelung nicht durchgeht.«

Emotionalität im Thema

1-G oder nicht – es ist ein sehr emotionales Thema für den Tourismus. »Aber auch ein extrem wichtiger wirtschaftlicher Faktor, denn diese Regelung käme einem Lockdown gleich«, befürchtet Mario Gerber, Abgeordneter zum Tiroler Landtag, Mehrheitseigentümer der Gerberhotels und Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft in Tirol. »Denn die Gäste, die nicht geimpft sind, bleiben fern.« Für ihn wäre es zunächst essentiell, die Emotionalität bei diesem Thema herauszunehmen, denn: »Die 1-G-Regel kommt maximal in der Nachtgastronomie – wenn überhaupt.« Davon gehe er zumindest aus. Ohnehin könne es sich Tirol nicht mehr leisten, dass die Wintersaison erneut nicht stattfinde. Als Touristiker sei Gerber aber auch der Meinung, dass man weg von der Inzidenz hin zur Hospitalisierung als Richtwert gehen sollte. »Die Hospitalisierung bleibt stabil, wenn sich immer mehr Menschen, vor allem junge Menschen, impfen lassen.«

Christoph Hellwagner, Geschäftsführer von »Dean & David«, findet klare Worte gegen die 1-G-Regelung: »Ich finde diese Trennung in geimpft und ungeimpft unverschämt und würde jedenfalls alle Gäste bedienen. Das gebietet schon die Vertragsfreiheit. Mit Vertragsfreiheit meine ich, dass ich mir die Gäste aussuchen kann. So wie ein Hotel adults-only sein kann, kann ich Geimpfte und Nicht-Geimpfte bewirten. Und ja, ich finde diese Trennung auch diskriminierend.« Ins »Dean & David« dürfe jeder, unabhängig von Religion, Nationalität oder Impfstatus. Regelmäßiges Testen mit PCR-Tests halte Hellwagner für wesentlich, um die Pandemie einzuschränken. »Umso mehr, als auch geimpfte Personen das Virus übertragen können und sich eventuell zu sicher fühlen könnten.«

Letzte Konsequenz

Für Peter Dobcak, Spartenobmann Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, ist die 1-G-Regelung letzte Konsequenz, »wenn vorab garantiert ist, dass wir sämtliche Bevölkerungsschichten erreicht haben und die wissen, worum es geht«, sagt Dobcak in einem Interview mit Radio Wien. Da das derzeit noch nicht der Fall sei, es gebe noch »viel Luft nach oben«, müsse man jedenfalls noch abwarten, bevor solch eine Regelung umgesetzt wird. »Vor allem die Jungen gilt es hier noch mehr zu überzeugen. Es steht zu viel auf dem Spiel«, setzt Kahr beim gleichen Punkt an. Denn: Es könne nach Dobcak nicht sein, dass strengere Maßnahmen wieder auf den Schultern der Wirte durchgesetzt werden.

Einer ähnlichen Meinung ist Peter Fankhauser aus dem vegan-vegetarischen Restaurant »GuatzEssen« in Stumm: »Die 1-G-Regel wird für die Gastronomie schwierig umzusetzen sein, es werden mit ziemlicher Sicherheit einige Gäste ausbleiben. Dass das für jeden von uns Gastronomen ein Dorn im Auge ist, versteht sich von selbst. Deshalb finde ich eine 1-G-Regelung zu extrem.« Er plädiere daher dafür, es nach wie vor jedem Gast selbst zu überlassen, welches der »G« man erfüllen will und betont: »Es ist wirklich wichtig die Maßnahmen einzuhalten, um nicht nochmals in einem Lockdown zu enden.« Schlussworte, bei denen sich wohl alle einig sein werden.

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