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Reich? Ja! Langweilig? Keineswegs! München ist Deutschlands südlichste Metropole, und ihr Sinn fürs Schöne spiegelt sich in einer opulenten Museumslandschaft von Weltgeltung, vom Fürstlichen bis zur Avantgarde.

27 . Juli 2022 - By Maik Novotny

Sie ist der schicke Snob unter den deutschen Metropolen, die Stadt der Cabrios und der in die Haare geschobenen Sonnenbrillen. Aber Moment! München ist alles andere als oberflächlich. Erst recht in der Kunst. Mit gleich drei Pinakotheken, die zusammen mit dem Lenbachhaus, dem Haus der Kunst und dem Museum Brandhorst und der Glyptothek das Kunstareal bilden, hat man auf kleinem Raum ein Kunst-Konzentrat von internationalem Rang – und das ist noch lange nicht alles. Denn Reichtum muss nicht Schlechtes sein: Könige und Sammler:innen ließen repräsentative Häuser bauen und eine üppige Galerienlandschaft sprießen. Das Katholisch-Südliche Münchens und die geografische und kulturelle Nähe zu Italien verleihen der Stadt eine hedonistische Liebe zur Schönheit, und die Literatur und Medienmetropole München befeuerte auch die Kunst mit Diskurs und Kritik. Denn auch das Aufsässige ist Teil der bayerischen DNA, des Landes, das kreative Anarchisten hervorgebracht hat. Also auf in ein Wochenende zwischen Champagner und Rebellentum!

Freitag

Münchens südliche Sehnsüchte nach Griechenland und Italien und unweit davon das Dunkel der Geschichte.

München ist zwar flach, doch dem Versuch König Ludwigs I., vor den Toren der Stadt ein »deutsches Athen« zu bauen, gebührt Respekt. Neben den wuchtigen Propyläen als Tor wird der von Leo von Klenze angelegte Königsplatz flankiert von der klassizistischen Glyptothek, dem ältesten Museum Münchens. Wandelt man durch ihre hohen Hallen, darf man sich in der Tat wie im antiken Griechenland fühlen – wenn auch damals die Skulpturen keineswegs so reinweiß waren, wie man im 19. Jahrhundert annahm.

URZELLE DER MODERNE

Wenige Schritte weiter entfaltet sich ein weiterer mediterraner Traum, und zwar ein italienischer. Das florentinisch anmutende Lenbachhaus, vom gleichnamigen Künstler als »Palast, der das Dagewesene in den Schatten stellt«, erdacht, ist die Urzelle der Münchner Moderne. Angefangen von den Malern des 19. Jahrhunderts über den Schatz des Hauses, die Sammlung des Blauen Reiters, bis zur zeitgenössischen Kunst. Der golden schimmernde Zubau von Norman Foster und der Kunstbau im benachbarten U-Bahn- Tunnel dienen als Erweiterungsflächen. Noch ein paar Schritte weiter, und wir wechseln vom südlichen Licht auf die dunkle Seite Münchens: Das massive Haus der Kunst wurde 1933 bis 37 von Paul Troost in Hitlers »Hauptstadt der Bewegung« errichtet. Die Geschichte seit 1945 ist eine von Aufarbeitung und Distanz, voller Reibungsflächen und Debatten, geprägt von Direktoren wie Chris Dercon und ausgestellten Werken, die gewollt oder ungewollt auf den Rahmen referenzieren. Seit 2020 wird das Haus der Kunst vom italienischen Kurator Andrea Lissoni geleitet.

Samstag

Kunst in höchster Konzentration: ein Tag bei den Pinakotheken und ihren Nachbarn.

Der zweite Museumscluster im Kunstareal befindet sich in Gehweite des Königsplatzes und ist ein Konzentrat von Weltgeltung: das Trio der bayerisch-freistaatlichen Pinakotheken und ihre Nachbarn. Die Alte Pinakothek mit ihrer langen Front war 1836 das größte Museum der Welt; nach der Wiederherstellung (mit betont sichtbar gelassenen Kriegsschäden) zogen die alten Meister 1957 hier wieder ein. Die Sammlung aus italienischen, deutschen, niederländischen und flämischen Werken des 13. bis 18. Jahrhunderts wird dem stattlichen Rahmen mehr als gerecht.
Seit 1981 dürfen sie sich hier alleine ausbreiten, damals siedelte die Kunst des 19. Jahrhunderts in die benachbarte Neue Pinakothek um, die derzeit renoviert wird. Ihr folgte 2002 die Nummer drei: die ausladende und einladende Pinakothek der Moderne, eines der größten Museen für zeitgenössische Kunst der Welt. Sie beherbergt die Sammlung Moderne Kunst und bietet Raum für Inkunabeln der Designgeschichte. So hat sich der Begriff Pinakothek, eigentlich nur eine Gemäldesammlung, über die Jahrzehnte räumlich und inhaltlich erweitert und umfasst heute auch Fotografien, Skulpturen, Video- und Rauminstallationen.

ERSTE LIGA

Vervollständigt wird das Karree mit dem Mosaikstein des Museums Brandhorst, das mit seiner Fassade aus bunten Keramikstäben wie eine auffällig-geheimnisvolle Schatzkiste wirkt. Sofort nach der Eröffnung 2009 hat sich das Haus des Sammlerpaars Anette und Udo Brandhorst mit hervorragenden Ausstellungen zur europäisch-amerikanischen Avantgarde mit Künstler:innen wie Cy Twombly oder Mike Kelley in die erste Liga katapultiert.

Sonntag

Ein Ausflug an die Ränder der Stadt, zu den Gärten der Sammler:innen und den Fabriken der jungen Rebell:innen.

Wir lassen die Repräsentationsbauten hinter uns und stöbern etwas in den Nischen. Wir starten in Oberföhring am Rand der nördlichen Isarauen, wo sich eine edle Box zwischen Bäumen versteckt: die Sammlung Goetz. Gegründet 1993 von der Münchner Sammlerin und Galeristin Ingvild Goetz, sorgte sie anfangs schon durch die Architektur von Herzog & de Meuron für Aufsehen. Dies setzt sich bis heute in der Kunst fort. Hier herrscht jedoch keineswegs spröder Minimalismus, sondern herausfordernde Opulenz, mit einem besonderen Fokus auf weibliche und feministische Kunst.

FABRIK UND SCHAUFENSTER

Auch die Stadt München selbst hat die Relevanz künstlerischer Freiheit längst entdeckt: Mit der Lothringer 13 Halle betreibt sie selbst einen Art Space in einem ehemaligen Industrieareal in Haidhausen. Hier wird kollaborativen und diskursintensiven Themen ein Rahmen gegeben, auch durch Förderpreise der Stadt München ausgezeichnete Werke sind hier zu sehen. Die Gastronomie vor Ort lädt zu (O-Ton) »Aufenthalt, Recherche und Limo« ein. Ganz aus Eigeninitiative entstand einer der jüngeren Kunsträume: super+ wurde 2012 von dem Maler Christian Muscheid und dem Bildhauer und Multimediakünstler Alexander Deubl gegründet, die zunächst unter dem Namen super+TANKE eine ehemalige Tank- stelle zum Art Space umfunktionierten. Nach mehreren temporären Unterkünften sind sie heute in einer ehemaligen Trachtenfabrik in Moosach zu Hause. Dort richteten sie rund 50 Künstler:innen-Ateliers ein, als Schaufenster dieser Produktion im Stadtzentrum dient die Galerie super+Centercourt. Darauf einen Champagner (oder eine Limo)!

Hotels

SOFITEL MUNICH BAYERPOST*****
Im »Sofitel« treffen Geschichte und Moderne aufeinander und vereinen sich zu einem gelungenen Gesamtbild. Hinter der beeindruckenden neoklassizistischen Fassade verstecken sich 339 edle Zimmer und 57 Suiten mit stillvoller, moderner und oft auch farbenfroher Einrichtung.
Bayerstraße 12, 80335 München
T: +49 89 599480, sofitel­munich.com

MANDARIN ORIENTAL MUNICH*****
Nicht ganz so eckig wie das berühmte Flatiron­ Gebäude in New York, schließt das »Mandarin Oriental« die Straße ab, dafür geht es auch deutlich gemütlicher in seiner Umgebung zu. Maximilianstraße, Marienplatz, Frauenkirche, Isar – viele der tollsten Orte der Stadt liegen in unmittel­ barer Nähe. Dazu kommen noch Dachterrasse und die elegante »Ory Bar« im Erdgeschoß.
Neuturmstraße 1, 80331 München
T: +49 89 290980, mandarinoriental.com

BAYERISCHER HOF*****
Mehr als 700 Mitarbeiter:innen kümmern sich im altehrwürdigen »Bayerischen Hof« um das Wohl der Gäste. Dabei hat erstklassige Qualität hier eine lange Tradition. 1839 im Auftrag von König Ludwig I. erbaut, verkörpert es trotz nahezu kompletter Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs noch heute den Geist eines Grandhotels.
Promenadeplatz 2–6, 80333 München
T: +49 89 2120­0, bayerischerhof.de

HOTEL VIER JAHRESZEITEN KEMPINSKI*****
Müsste man die Münchner Schickeria auf einen Straßenzug reduzieren, es wäre wohl die Maximilianstraße. Hier ist das Who’s who der Luxusmarken angesiedelt, die feinsten Shops und Boutiquen konkurrieren um die Geschmäcker zahlungskräftiger Kund:innen, während das »Kempinski« über jeden Trend erhaben ist und durch zeitloses Ambiente überzeugt. Ein echtes »Vier Jahreszeiten« eben, das Ihren München­-Auf­enthalt immer zu etwas Besonderem macht. Maximilianstraße 17, 80539 München
T: +49 89 2125­0, kempinski.com

LOUIS HOTEL****

Direkt am Viktualienmarkt gelegen, fällt es im Designhotel »Louis« fast schwer, dem Frühstücks­ buffet jeden Tag treu zu bleiben. Denn auf dem weltbekannten Markt werden täglich die feinsten Spezialitäten feilgeboten. Aber zum Selbstbe­kochen ist man ja nicht hergekommen. In den 72 stilvoll eingerichteten Zimmern kommt auch so ein sehr heimeliges Gefühl auf.
Viktualienmarkt 6, 80331 München
T: +49 89 4111908­0, louis­hotel.com

PLATZL HOTEL*****

Ein Wortwitz mit dem Namen des Hotels ist fast zu aufgelegt, als dass man ihn bringen sollte, aber das »Platzl« ist tatsächlich ein sehr guter Ort, um die bayerische Kultur schon in der Unterkunft kennen­ zulernen. Bevor es ins »Hofbräuhaus« geht, lassen sich Schweinsbraten und Weißbier beispielsweise schon in der »Pfistermühle« und dem Wirtshaus »Ayinger am Platzl« testen, die zum Hotel gehören.
Sparkassenstraße 10, 80331 München
T: +49 89 23703­0, platzl.de

THE CHARLES HOTEL MUNICH*****
Wer sich im »The Charles« einquartiert, wohnt praktisch in einer der grünen Lungen der Stadt, denn das Hotel grenzt direkt an die wunderschönen alten botanischen Gärten Münchens an. Schon von den Zimmer überzeugt der Blick ins Grüne, noch eindrucksvoller wird er im Rondell des Restaurants »Sophia’s«, bei dem sich durch die riesigen Fenster und die großzügige Raumgestaltung drinnen fast wie draußen sitzen anfühlt.
Sophienstraße 28, 80333 München
T: +49 89 5445550, roccofortehotels.com

HOTEL MÜNCHEN PALACE*****
Der Stadtteil Bogenhausen zählt mit zu den exklusivsten der Stadt München. Entlang der Prinzregentenstraßen finden sich unzählige Juweliere, Designboutiquen und exklusive Lebensmittelgeschäfte. Der schöne Gartenbereich des Boutiquehotels mit angeschlossenem Restau­rant, ist nur ein Vorgeschmack auf die nahe gelege­nen Maximiliansanlagen, die sich entlang der Isar erstrecken und mit dem Friedensengel als Sehens­würdigkeit zum Nachmittagsspaziergang locken.
Trogerstraße 21, 81675 München
T: +49 89 41971­0, hotel­muenchen­palace.de

Restaurants & Cafés

AZUKI RESTAURANT
Die Showküche mit dem sieben Meter langen Counter, an dem Sushi­Meisterin Haruko Kato Sashimi, Nigiri und Maki rollt, ist nur eines der vielen Highlights im »Azuki« . Neben Loup­ de­mer­Carpaccio mit Forellenkaviar, den Signature Dishes Black Cod und zartestem Wagyū­-Rind empfehlen wir unbedingt auch einen Absacker in Form eines Matcha Highballs oder eine der 15 Sake­-Sorten in der märchenhaft mitternachtsblauen Bar.
Maximilianstraße 2 A, 80539 München
T: +49 89 41327560, azukimunich.com

ANDECHSER AM DOM
Direkt gegenüber der berühmten Frauenkirche gibt es gute bayerische Schmankerln, serviert von freundlich­ resoluten Damen im Dirndl. Man sitzt gemütlich in der Domherrenstube mit barockem Flair oder draußen auf der Terrasse mit Blick aufs muntere Treiben.
Frauenplatz 7, 80331 München
T: +49 89 24292920, andechser­am­dom.de

LE STOLLBERG
Französisches Flair am Rand der Münchner Innenstadt: Chef de Cuisine Anette Huber hat sich auf klassische Haute Cuisine spezialisiert, variiert aber geschickt mit Rezepten aus der bayerischen Heimatküche. Menüs ab 56 Euro, mittags preiswerte Businessmenüs. Stollbergstraße 2, 80539 München
T: +49 89 24243450, lestollberg.de

NYMPHENBURGER HOF
Wenn ein österreichischer Wirt es schafft, die oft kritischen Münchner fast 30 Jahre für sein Restaurant zu begeistern, dann muss da schon alles stimmen. Chef Andreas Derler sorgt für feine österreichische Küche, passende Weine und den charmanten Service. Nymphenburger Straße 24, 80335 München
T: +49 89 1233830, nymphenburgerhof.de

Bars & Nightlife

ORY BAR
Pflicht ist das »Ory« wegen der Karte der Mate­rialien: Ob ein »Leather« mit Rye, Mezcal, Cynar, Chinotto, Maple, Soy oder ein »Dark Wood« mit Cognac, Timur Pepper, Ginger­Ale, PX­Sherry oder Verjus – es wird besonders.
Neuturmstraße 1, 80331 München
T: +49 89 588054570, ory.bar

BAR GABÁNYI
Mit »Bar Gabányi goes Auferstehungskirche« ließ Besitzer und Münchner Bar­Ikone Stefan Gabányi Konzerte in besagter Kirche stattfinden – und statt Gin Tonic gab es Messwein.
Beethovenplatz 2, 80336 München
T: +49 89 51701805, bar­gabanyi.de

TRISOUX
Das wohlklingende Wortspiel aus »trois« und »bisous« ergibt einen »Ort der drei Küsse«.
Diese Dreifaltigkeit schlägt sich in den Drinks, der Atmosphäre und der Gastfreundschaft nieder. Müllerstraße 41, 80469 München
T: +49 89 23027755, trisoux.com

DIE GOLDENE BAR
Definitiv ein Must­go für Barliebhaber:innen auf München­-Reise: eine Kultstätte des gehobenen Trinkens, Treffpunkt für Bartender:innen aller Nationen und situiert im Haus der Kunst. Prinzregentenstraße 1, 80538 München
T: +49 89 54804777, goldenebar.de

PUSSER’S NEW YORK BAR
Wogegen der »Painkiller« hilft, verrät Ihnen der »Purser« – der seit jeher für die Essens-­ und Getränkevorräte an Bord zuständige Mensch.
Falkenturmstraße 9, 80331 München
T: +49 89 220500, pussersbar.de

JULIET ROSE BAR
Filigran und grazil im Interieur, ohne jede Künstlichkeit – muss man hinkriegen, und genau wie im Menü schreit alles hier nach Scharfblick.
Rosenheimer Straße 15, 81667 München
T: +49 89 48048717, julietrosebar.com

SCHUMANN’S BAR AM HOFGARTEN
Mit dieser Bar hat Charles Schumann nicht nur der Münchner, sondern auch der internationalen Barszene beispielhaft gezeigt, wie Kult und Kultur zusammenhängen: im steten Weitermachen. Odeonsplatz 6–7, 80539 München
T: +49 89 229060, schumanns.de

ERSCHIENEN IN

LIVING Nr. 04/2022
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  • 1
    Glyptothek
    Dauerausstellung
    Königsplatz 3, 80333 München
  • 2
    Lenbachhaus
    Rosemary Mayer
    Luisenstraße 33, 80333 München
  • 3
    Haus der Kunst
    Queeres Archiv München
    Prinzregentenstraße 1, 80538 München
  • 4
    Alte Pinakothek
    Vive le Pastel
    Barer Str. 27, 80333 München
  • 5
    Pinakothek der Moderne
    (Gegen-)Entwürfe
    Barer Str. 40, 80333 München
  • 6
    Museum Brandhorst
    Future Bodies from a Recent Past
    Theresienstraße 35a, 80333 München
  • 7
    Sammlung Goetz
    Imi Knoebel, Sommer 2022
    Oberföhringer Str. 103, 81925 München
  • 8
    Lothringer 13 Halle
    Kunstmuseum
    Lothringer Str. 13, 81667 München
  • 9
    super+CENTERCOURT
    Kunstgalerie
    Adalbertstraße 44, 80799 München

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