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Schöner Lauschangriff: Die besten Design- und Architektur-Podcasts

Podcasts boomen. Kein Thema, das nicht Stoff für eine Sendung hergibt. LIVING geht dem Audio-Hype auf den Grund und hat sich umgehört, wer die besten Design- und Architektur-Podcasts macht.

07 . Dezember 2020 - By Manfred Gram

Eigentlich sollte man Binsenweisheiten vermeiden. Doch wenn man sich die Zahl an Podcasts anschaut, die momentan die einschlägigen Streaming-Plattformen fluten, kann einem schon ein »Totgesagte leben länger« in den Sinn kommen, prophezeite man diesem Format doch vor einigen Jahren noch ein nahes und schnelles Ende. 30-Sekunden-YouTube-Clip: ja; 60-Minuten-Analyse zu einem Nischen-thema: nein. So lautete zumindest vor nicht allzu langer Zeit die gängige These. 

Mittlerweile hat sich der Wind aber gedreht. Wie sehr, das lässt sich auch deutlich an Zahlen festmachen. Rund 1,4 Millionen Pod-casts mit über 75 Millionen Episoden schwirren derzeit über Apps, Plattformen und Streaming-Dienste durchs Internet und gelangen meist übers Smartphone in die Hörerohren. 

Egal, ob es sich dabei um True-Crime-Storys, Comedy-Formate oder gut gemachte Interviews mit Hintergrundinfos zu Spezial-themen handelt – Podcasts sind zu einer Art screenlosem Lifestyle-Produkt avanciert, das sich unkompliziert zwischen Kochen, Autofahren und Fitnesscenter integrieren lässt. 

Warum der Hype?

»Zahlreiche Podcasts lassen sich unterwegs konsumieren, ohne dass sie dabei die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer benötigen. Damit entspricht das Medium unserem Zeitgeist und kommt dabei ohne visuelle Reize aus«, bringt es Christian Nowak auf den Punkt, der als Podcast-Dienstleister im vorigen Jahr die heimische Hosting- und Distributionsplattform Stationista gegründet hat. Österreich befindet sich in Sachen Podcast zwar noch ganz am Anfang, wie Experte Nowak erklärt, aber die noch überschaubare Szene wächst auch hier und professionalisiert sich. 

Der aktuelle Boom hat auch mit der Covid-Krise zu tun. Alleine zwischen März und Juni 2020 – also in der weltweiten Lockdown-Phase – gingen über 308.000 neue Podcasts on air. Ein neues Sendungsbewusstsein also? 

Schlägt man sich aber durchs Angebotsdickicht, wird bald einmal deutlich, dass vor allem Podcasts, die sich mit kreativen Entstehungs- und Gestaltungsprozessen auseinandersetzen, einen langen Atem haben.

Lernen von der Besten 

Vieles davon wird mit ziemlicher Sicherheit wohl nicht über ein oder zwei Sendungen hinauskommen, denn oberstes Gebot bei Podcasts ist die Regelmäßigkeit. Schlägt man sich aber durchs Angebotsdickicht, wird bald einmal deutlich, dass vor allem Podcasts, die sich mit kreativen Entstehungs- und Gestaltungsprozessen auseinandersetzen, einen langen Atem haben. Wer sich intensiv und professionell mit Design, Interior, Architektur oder auch Gartengestaltung beschäftigt, tut dies in der Regel schon sehr lange. So wie Debbie Millman: »Ich bin fest davon überzeugt, dass es einen Vorteil bringt, Dinge fertigzustellen, egal, ob man diese für gut oder schlecht hält«, erklärt sie in einem – nun ja – Podcast ihr Erfolgsrezept. 

Die amerikanische Autorin, die auch als Designerin und Künstlerin in Erscheinung tritt, startete ihren Podcast »Design Matters« bereits 2005. Damals noch als Sendung in einem der unzähligen Internet-Radios, die Anfang der Nullerjahre allerorts aufpoppten - und mit allem, was an technischen Problemen dazugehört, aber auch vollgepackt mit Pioniergeist. »Die Show war eine gute Möglichkeit, Menschen, die ich bewunderte, einzuladen und alles zu fragen, was ich wissen wollte«, erinnert sich Millman an ihre en-thusiastischen Anfänge. Mittlerweile hat die 58-Jährige über 500 Persönlichkeiten aus der Design-, Kultur- und Medienbranche interviewt, darunter etwa Marina Abramović, Stefan Sagmeister oder Paula Scher. Zudem ist sie durch ihre Sendung, die mittlerweile auf der renommierten Website »Design Observer« ein Zuhause gefunden hat, auch selbst zu einer gefragten Vortragenden geworden. »Der Podcast war mein Einstieg in den Design-Diskurs. Über iTunes, Soundcloud oder Stitcher erreiche ich damit die Design-Community weltweit.«

Debbie Millman, Designerin und Podcast-Host

Nebojsa Babic

»Meine Show war eine gute Möglichkeit, Menschen, die ich bewunderte, einzuladen und alles zu fragen, was ich wissen wollte.«

© Nebojsa Babic

Durchhören

Das tun übrigens auch andere Podcasts, die ein ähnliches Feld wie Millman beackern. Etwa die erfolgreiche Audio-Show »How to decorate«, die im Auftrag des amerikanischen Interior-Händlers Ballard Designs seit fast fünf Jahren sehr praxisnahe Fragen zur Inneneinrichtung erörtert und immer wieder Stars der Branche wie etwas Jonathan Adler zu Gast hat. Oder »The Chaise Lounge«, ein Podcast, der auch schon sechs Jahre auf dem Buckel hat und sehr aufschlussreich mit Experten neueste Inneneinrichtungstrends seziert.

Wie schon eingangs erwähnt, sollte man Binsenweisheiten eigentlich vermeiden, aber: Geschmäcker sind verschieden. Deswegen ist es oft schwer zu sagen, was in der globalen Pod-cast-Welt zum Hit wird. Kompetenz, Regelmäßigkeit und Liebe zum ausgesuchten Thema erhöhen jedenfalls die Chancen. Und um den perfekten Podcast zu finden, gibt es zum Glück eine reiche Auswahl – auf jedem Gebiet.

Ohren spitzen: Die besten Podcasts für Design, Entertainment & Architektur

LIVING Nr. 07/2020

Erschienen in:

LIVING Nr. 07/2020

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