© Daniel Schaefer/Photofoyer

Aus einem ehemaligen Nonnenkloster wurden Luxusresidenzen, die den historischen Reichtum von Rom mit modernem Lebensgefühl verbinden. Den Wohntraum eines Ärzteehepaars hat der spanische Architekt und Designer Ramón Esteve realisiert.

02 . April 2021 - By Cristina Giménez

Was für ein Ausblick: Ganz Rom liegt einem von dieser weitläufigen Terrasse aus zu Füßen. Der Blick schweift über den Tiber, den angrenzenden Vatikan und die Dächer der Stadt. Mildes Sonnenlicht lässt die wuselige italienische Metropole in ihren schönsten Farben erstrahlen. Fast fühlt man sich in diesem Palast wie in einem Historienfilm, so sehr atmet jeder Stein Geschichte. 

1912 wurde das Gebäude vom Baumeister Giovanni Battista Milani als Residenz für den Fürsten Carrega di Lucedio errichtet. Im weitläufigen Ballsaal hat die römische Aristokratie rauschende Feste gefeiert. 1955 zog ein anderer Spirit ein, die prächtige Villa Carrega wurde erweitert und in ein Kloster umgewandelt. Aus dem Ballsaal machte die Nonnengemeinschaft eine Kapelle. 2011 wurde das Gebäude dann verkauft, und es wurde entschieden, dass es in Zukunft sechs Luxusresidenzen beherbergen sollte.

Aber wie geht man mit einem denkmalgeschützten Gebäude um? Die Eingriffe in die äußere Struktur waren moderat, sagt der beauftragte spanische Architekt Ramón Esteve. Im Inneren wiederum versuchte man, die Besonderheiten der bürgerlichen Architektur Roms Anfang des 20. Jahrhunderts als Basis für die Wiederbelebung der früheren Eleganz zu nehmen. »Unser Ziel war es, Wohneinheiten zu schaffen, die Harmonie und Heiterkeit ausstrahlen. Der ursprüngliche Plan des Gebäudes bestimmt die offene Raumstruktur«, erzählt uns Esteve. Der Spanier, der davor schon Projekte wie die Luxusresidenz Casa Sardinera in Alicante oder den Kulturbau Centre d’Art Bombas Gens in Valencia umgesetzt hat, ist unter anderem durch seine Designs für Vondom oder Porcelanosa bekannt.

»Wir wollten aus der historischen Vergangenheit eine
zeitgenössische Kontinuität schaffen. Die Architektur Roms war von Anfang an eine Konstante in meinem Werk.«

In der Luxusresidenz, die er für ein Ärzte­ehepaar in den obersten Stockwerken realisierte, dominieren Gold, Marmor und Messing. Die Innenarchitektur ist geprägt von antiken Objekten, die von den Eigentümern in diversen Antiquitätenläden der Stadt gefunden wurden und die in interessantem Kontrast zu den minimalistisch gestalteten Räumen stehen. Esteve vergleicht seinen Zugang mit dem eines Kurators, der den passenden Platz für jedes Objekt sucht, um die perfekte Beziehung zwischen den einzelnen Möbelstücken herzustellen. 

»Wir wollten aus der historischen Vergangenheit eine zeitgenössische Kontinuität schaffen. Die Architektur Roms war von Anfang an eine Konstante in meinem Werk«, betont er. Dabei wurde mit lokalen Traditionsbetrieben kooperiert, die für höchste Qualität stehen. Besonderer Blickfang ist der luxuriöse Marmor  in Cal­acatta Gold mit seinen goldenen Schattierungen. Der karamellartige Farbton wird durch das goldfarbene Messing verstärkt, und durch die Spiegelungen in den Glasflächen wird der Effekt vervielfacht. Ein raffiniertes Spiel mit der Sinnlichkeit des Materials. 

Vom Erdgeschoß fährt ein maßgefertigter Lift nach oben, das Stiegenhaus leuchtet durch das indirekte Licht der gläsernen Stufen. Esteve schwärmt von den »skulpturalen Eigenschaften« dieses Eingangsbereichs. Im nächsten Stock sind dann die weitläufigen Räume des Hauses angeordnet, Salon und Speisezimmer im linken Flügel, gegenüber der Sportbereich mit einem beheizten Pool. Die dritte Ebene beherbergt die Schlafräume, und im obersten Stockwerk befinden sich ein spektakulärer Open-Air-Swimming-Pool und ein Essbereich mit Barbecue. Der Turm mit seinem separaten Eingang verwandelt sich in einen komplett privaten, abgetrennten Bereich mit einem 360-Grad-Panoramablick.

Esteve zieht in seiner Arbeit keine Grenzen zwischen innen und außen, alles fließt elegant ineinander über. Alle Räume und Details verdienen die gleiche Aufmerksamkeit, atmen einen Spirit. Sein Interesse gilt dem perfekten Zusammenspiel des Mobiliars mit der Architektur. Gut, dass Esteve nicht nur Architekt ist, sondern auch einen exzellenten Ruf als Designer genießt. Sollte das passende Möbelstück oder Accessoire noch nicht existieren, dann entwirft er es einfach selbst. Wie praktisch.

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