© Lukas Ilgner

Ein gut gemixter Drink und eine schöne Uhr haben vieles gemeinsam. Für LIVING nahmen sich Philipp Ernst und Hans-Peter Jucker Zeit, um den Parallelen bei Uhren, Cocktails und Genuss auf den Grund zu gehen.

20 . Juli 2018 - By Manfred Gram

Was haben Uhren mit Cocktails gemeinsam? Für viele Menschen mag das eine berechtigte Frage sein. Für Philipp Ernst nicht. Der 38-Jährige betreibt gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Andrea Hörzer seit etwas über einem Jahr die Bar »Josef« in der Wiener Innenstadt – und er ist Uhren-Aficionado. Dazu gleich mehr. Denn in erster Linie serviert Ernst am Rande des Bermudadreiecks, dem legendären Partyviertel, momentan die innovativsten Cocktails der Stadt. Die Bar selbst ist von überschaubarer Größe, und auf unaufdringliche Weise werden hier alte Zeiten reminisziert. »Pop-Barock« nennt Ernst sein Barkonzept. Ein Konzept, das Klassiker aus vergangenen Jahrzehnten in ihre Bestandteile zerlegt und neu zusammenmixt. Nicht selten ist dabei Espuma im Spiel, da sich »damit sehr gut Aromen transportieren lassen«, wie Ernst anmerkt. Liebevoll spöttelnd, wie es nur die Wiener können, nennt man das »Josef« deshalb auch »Schäumchenbar«.

Die Entwicklung von Uhren ist eine komplexe Angelegenheit. In der Ausführung braucht es Präzision, technisches Wissen, Fingerspitzengefühl und einiges an Erfahrung. Hier lassen sich durchaus Parallelen zur Barkeeperkunst ziehen.

Hier in seinem Reich trifft Philipp Ernst auf Hans-Peter Jucker. Der gebürtige Schweizer ist seit fast drei Jahrzehnten in der Zeitmesser-Branche tätig und ist Geschäftsführer der Juwelier- und Uhreninstitution Bucherer am Wiener Graben. Den Schweizer Konzern mit Sitz in Luzern gibt es bereits seit 1888. Und in 130 Jahren Firmengeschichte kommt einiges zusammen, das man nicht unerwähnt lassen sollte. Eine Jahrzehnte andauernde Markenpartnerschaft mit Rolex etwa. Oder Meilensteine wie die Eröffnung des weltweit größten Uhrengeschäfts im Zentrum von Paris. Was die beiden Herren in den perfekt sitzenden Anzügen verbindet, wird sofort klar, wenn man einen Blick auf ihre Handgelenke wirft: eine Liebe zu guten und handwerklich perfekt gemachten Uhren. Oder, um es auf eine andere Ebene zu heben: Das Wissen, dass man Tradition und Handwerkskunst wertschätzen muss, aber in seiner Entwicklung nicht stehen bleiben darf.

»Die Entwicklung und Fertigung von Uhren ist eine ebenso kreative wie komplexe Angelegenheit«, erzählt Hans-Peter Jucker und ergänzt: »Es braucht Präzision, Fingerspitzengefühl, technisches Wissen und Erfahrung, um einen Zeitmesser zu bauen.« Das sieht auch Philipp Ernst so, der sich seit seiner Lehrzeit intensiv mit Chronometern beschäftigt, Fachliteratur verschlingt und sich penibel mit Marken auseinandersetzt. »Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber hier sehe ich durchaus Parallelen zur Uhrmacherkunst. Egal, ob das Resultat eine wunderschöne Uhr oder ein Cocktail ist, beides fordert und erfreut die Sinne«, so der Barkeeper, der dann auch wissend nickt, als Hans-Peter Jucker die aktuellen Trends am Markt zusammenfasst. Bei den großen Messen in Basel und Genf konnte man feststellen, dass grüne Zifferblätter hoch im Kurs liegen. Zudem bieten zahlreiche Hersteller einzelne Modelle mit Uhrbändern aus unterschiedlichen Materialien zum Wechseln an. Man will anpassungsfähig und für jeden Anlass vorbereitet sein.

»Noch nie habe ich einen Uhrenliebhaber getroffen, der keine deutliche Affinität zu Genuss hatte.«  
Philipp Ernst

Experten-Talk

Die beiden Männer verstehen sich auf Anhieb.  »Ich habe noch nie einen Uhrenkenner getroffen, der keine Affinität zu Genuss und den schönen Dingen im Leben gehabt hätte«, erzählt ­Philipp Ernst. Hans-Peter Jucker outet sich als großer Fan des italienischen Likörs. »Ich liebe den bitteren Geschmack«, so der 59-Jährige. ­Philipp Ernst outet im Gegenzug seine Verehrung für den ­C. F. Bucherer Chronografen »Manero Flyback«, den Hans-Peter Jucker an seinem Handgelenk trägt – ein mögliches Geschenk für seinen dräuenden Vierziger, scherzt der Mixologe. 

Gibt es eine Traumuhr? »Mein Endgegner ist in dieser Hinsicht die ›Nautilus‹ von ­Patek Philippe«, erzählt Philipp Ernst. Hans-Peter ­Jucker kann diese Begehrlichkeit absolut nachvollziehen und erörtert, warum die Uhr ein sicheres Investment wäre. »Patek Philippe produziert im Jahr 60.000 Uhren. Zum Vergleich: Rolex stellt jährlich rund 800.000 Zeitmesser her. Patek Philippe produziert also in zehn Jahren nicht so viele Uhren wie Rolex in einem Jahr. Da ist Wertsteigerung beim Kauf quasi inbegriffen.« 

»Patek Philippe produziert in zehn Jahren nicht so viele Uhren wie Rolex in einem Jahr. Die Uhren sind daher ein sicheres Investment.« 
Hans-Peter Jucker

Da drängt sich die Frage auf, ob limitierte Sonderanfertigungen und Jubiläumseditionen berühmter Uhren ein guter Investment-Tipp sind. »In den letzten Jahren nahmen die Sonder-Editionen stark überhand. Die Modelle finden meist ihre Abnehmer.« 
Mit einem limitierten Drink endet daher auch das Gespräch der Uhrenexperten. ­Philipp Ernst kredenzt Hans-Peter Jucker einen »Campari Cask Tales«. Dieser Edellikör durfte im Bourbon-Fass nachreifen und so ein schönes, rauchiges Aroma bekommen. Der ist übrigens nur in ausgewählten, exklusiven Bars zu haben. Das »Josef« ist eine der wenigen davon. Weltweit übrigens.

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