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In den neuen Stadtverdichtungsgebieten in guter Lage ist der Verwertungsdruck auf die Immobilienwirtschaft nicht zu übersehen. Entsprechend dicht fallen die neuen Wohnprojekte aus – und beweisen: Das Wohnen in großer Breite und großer Höhe ist salonfähig geworden.

27 . August 2019 - By Wojciech Czaja

Punkt 8.25 Uhr, soeben ist der Wiesel aus Cˇeské Velenice eingefahren. Ein Haufen Pendler steigt aus dem doppelstöckigen Zug und begibt sich schnellen Schrittes in Richtung Bahnhofs-halle und Vorplatz. Die Stimmung ist entrisch. Es gibt kaum einen anderen Ort in Wien, an dem die Gleise so dunkel und düster in die Stadt hineinstechen wie hier. Doch das wird sich bald ändern. Geht es nach dem Immo­bilienentwickler 6B47, soll der 1978 errichtete Franz-Josefs-Bahnhof saniert und komplett überbaut werden. Statt des grau verspiegelten Monsters, das den Bezirk Alsergrund in der Mitte auseinanderschneidet, soll das Areal in Zukunft mit einem luftigen Hochpark mit Wohnungen, Büros, Hotel, Coworking-Spaces und Gastronomieflächen wachgeküsst werden. Frühestmöglicher Baubeginn für das XXL-Vorzeigeprojekt ist 2021/2022 – vorausgesetzt natürlich, dass die Stadt einen positiven Flächenwidmungsbescheid erteilt. 

Der Hotspot Franz-Josefs-Bahnhof ist kein Einzelfall. In Zeiten starken Wachstums und Zuzugs in die österreichischen Landeshauptstädte wird schon längst nicht mehr alles nur auf die eine Karte namens Stadterweiterung gesetzt. Immer öfter erkennt man das Potenzial von Leerständen, Industriebrachen und aufgelassenen Gleisanlagen – und beginnt, die Stadt an ihren löchrigen Stellen nachzuverdichten und Stück für Stück zu urbani­sieren. Die Grundstücke in zentraler Lage sind heiß begehrt und entsprechend hochpreisig, der Verwertungsdruck ist groß. Die Folge daraus sind Großprojekte mit oft mehreren Hundert Wohneinheiten – in Form von Blöcken, Stadtquartieren und Residential ­Towers.

Chic in XXL

Wenige Meter hinter dem Areal des Franz-­Josefs-Bahnhofs befindet sich die ehemalige Postzentrale. In den letzten Jahren wurde der Büro-Mammutbau von 6B47 entkernt, saniert und mit insgesamt 237 freifinanzierten Wohnungen befüllt. »Die Bausubstanz war in einem guten, erhaltenswerten Zustand«, sagt Katja Gerstl, Leiterin Wohnimmo­bilien Eigentum bei der mit der Vermarktung beauftragten ÖRAG Immo­bilien Vermittlung GmbH. »Allein schon die Tatsache, dass wir in den letzten beiden Etagen eine Raumhöhe von 2,88 Metern haben, ist am heutigen Wohnungsmarkt eine absolute Seltenheit.« In Kürze soll das Projekt übergeben werden. 

Während die einen in die Breite gehen, wachsen die anderen über sich hinaus. In Wien, Linz und Graz entdecken immer mehr Bauträger und gewerbliche Developer die Gunst des Wohnhochhauses – und entwickeln XXL-Türme mit rund 30 Wohn­geschoßen. In Wien wurde soeben das HoHo, das mit 84 Metern höchste Holz­haus der Welt, fertiggestellt. In den kommenden Jahren ­werden der Nordbahn-Tower am ehema­ligen Nordbahnhof, der Grünblick im Viertel Zwei, der Bruckner Tower in Linz sowie der Green Tower auf den Reininghaus-Gründen in Graz errichtet. Und ja, selbst die 100 Meter hohen Residential Towers mit 300 Wohnungen oder mehr beweisen, dass das Wohnen im großen Maßstab – eine gute Architektur vorausgesetzt – chic geworden ist.

LIVING Nr. 03/2019

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LIVING Nr. 03/2019

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