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Auf der Immobilienmesse Expo Real in München zeigte sich, dass das Wohnen nun auch in Mitteleuropa in die Höhe drängt. Es wurden so viele neue Residential Towers präsentiert wie nie zuvor. LIVING hat den Trend unter die Lupe genommen.

14 . Februar 2019 - By Wojciech Czaja

Mit 426 Metern Bauhöhe ist der Residential Tower in der 432 Park Avenue das derzeit höchste Wohnhochhaus der Welt. Der New Yorker Architekt Rafael Viñoly schuf eine schlichte, elegante Skulptur, die wie eine schlanke Stele in den Himmel ragt und die Skyline von Manhattan seit wenigen Jahren haushoch bereichert. Doch während das Wohnen im Turm in den meisten amerikanischen, arabischen und asiatischen Städten seit Langem ein integraler Bestandteil des Immobilien-Portfolios ist, scheint das Thema in Europa nach wie vor gegen Imageprobleme anzukämpfen. Die meisten Menschen nehmen die über viele Geschoße gestapelte Bauweise als kalt, anonym und unpersönlich wahr. Abgesehen von ein paar Pilotstädten wie etwa Madrid, Warschau und Rotterdam, die das Wohnen im Turm in den letzten Jahren bewusst als stadtplanerisches Marketing-Instrument eingesetzt haben, sind Wohnhochhäuser noch selten anzutreffen.

Das Angebot an Wohnungen reicht von kleinen, vermietbaren Anlageobjekten in den unteren Geschoßen bis zu großen, luxuriös ausgestatteten Wohnungen in den oberen Etagen.

Es geht hoch hinauf

Die letzte Expo Real in München, die größte Immobilienmesse Europas, die im Oktober über die Bühne ging, dürfte diesen Eindruck nachhaltig ins Wanken gebracht haben. Noch nie zuvor wurden so viele kürzlich fertiggestellte, gerade in Bau befindliche oder noch im Entwicklungsstadium steckende Wohnhochhäuser ausgestellt und dem Fachpublikum präsentiert wie dieses Jahr. Der Fokus richtet sich auf eine bewusst moderne, zeitgenössische Architektursprache, die sich jedoch bemüht, trotz des großen Maßstabs etwas Schönes, etwas Vertrautes, etwas Gemütliches in die vielen Stockwerke hineinzuweben. 

»Die erste Generation der Wohnhochhäuser in Wien und Österreich hatte noch einige technische und atmosphärische Nachteile«, erklärt Richard Buxbaum, Prokurist und Leiter für den Bereich Wohnvermarktung bei Otto Immobilien. »Bei den heutigen Hochhäusern jedoch merkt man sehr deutlich, dass die Planer und Errichter viel Wert auf eine gute Anbindung und Erschließung, auf eine funktionierende Infrastruktur sowie auf eine generell angenehme, eigenständige Anmutung des Projekts legen.«

Besonders wichtig sei der richtige Umgang mit dem Thema Wind, der mit der Bauhöhe zunimmt und bei schlechter planerischer Handhabe den Wohnkomfort massiv schmälern kann, so Buxbaum. »Hier ist auf eine gute Geometrie des Gebäudes, auf hochwertige Fenster und Balkontüren sowie auf eine gute, windgeschützte Einhausung der Loggien, Balkone und Terrassen zu achten. Wenn diese Punkte gut gelöst sind, dann steht auch dem größten und schönsten Asset des Wohnhochhauses nichts mehr im Wege – dem Blick hinaus auf die Stadt.«

Ein wichtiger Faktor ist der Standort beziehungsweise die Anbindung an Infrastruktur und öffentlichen Verkehr: »Meist entstehen Wohnhochhäuser nicht in den allerbesten Lagen und Bezirken, sondern eher in Stadtverdichtungs- und Stadterweiterungs­arealen, in denen so hohe Bauentwicklungen rechtlich und widmungstechnisch überhaupt erst möglich sind«, meint Elke Kürzl-Tronner, Head of Residential bei Colliers International. »Doch die Erfahrung zeigt: Wo ein attraktives Wohnhochhaus errichtet wird, entsteht in der Regel auch ein tolles Viertel mit einer entsprechenden Infrastruktur.
Dadurch wird die unmittelbare Umgebung nach und nach aufgewertet.« Natürlich schlage sich eine positive Entwicklung des Quartiers früher oder später auch auf den Wert der Immobilie nieder, so Kürzl-Tronner.

Ob Donaumarina, Danube Flats, Park­apartments, TRIIIPLE am Donaukanal oder der von Dominique Perrault geplante DC2-Tower auf der Donauplatte: Das Angebot an Wohnungen reicht von kleinen, vermietbaren Anlageobjekten in den unteren Geschoßen bis zu großen, luxuriös ausgestatteten Wohnungen in den oberen Etagen, die die Käufer meist zur Eigennutzung erwerben. In den in Wien entstehenden Wohnhochhäusern, darin sind sich die Expertinnen und Experten einig, sei das Verhältnis zwischen Eigennutzung und langfristiger Kapitalanlage sehr ausge­glichen. Die beiden Modelle hielten einander die Waage.

»Nachdem wir es hier mit großen, umfangreichen Entwicklungen zu tun haben, ist die Durchmischung in den Wohnhochhäusern sehr groß«, sagt Georg Fichtinger, Senior Director und Head of Investment Properties bei CBRE. »Und so variieren die Mietpreise je nach Wohnungsgröße und Stockwerkslage zwischen elf und 18 Euro pro Quadratmeter, während sich die Kaufpreise in einer Bandbreite von 5000 bis 13.000 Euro pro Qua­dratmeter bewegen.« Nicht zu vergessen, so Fichtinger, die quadratmeterbezogenen Betriebskosten, die aufgrund der aufwendigen und umfangreichen Liftanlagen meist zwei Euro über dem Wiener Schnitt liegen. Die Investition wird mit atemberaubenden Aussichten belohnt.

In der Innenstadt ist der Himmel noch näher

n der historischen Wiener Innenstadt können zwar keine Türme errichtet werden, doch auf einen schönen Ausblick muss man auch hier nicht verzichten. Das 1896 vom Textil-Fabrikanten Mayr Mandl erbaute Bauensemble in der Werdertorgasse wird von der Allea Group und der Sirius Gruppe
revitalisiert. Im Dachgeschoß entstehen Étages de luxe mit Wohnflächen zwischen 45 und 315 Quadratmetern.

Neben dem Ausblick überzeugt das Projekt »Am Werdertor« mit luxuriöser Ausstattung.werdersix.at

© ZOOMMVP.AT

Am gegenüberliegenden Straßeneck wird ebenfalls gebaut: Hinter der charakteris-tischen Jahrhundertwende-Fassade entsteht ein moderner Neubau mit Splitlevel-Wohnungen. Im Dachgeschoß sind zwei groß-zügig geschnittene Dachwohnungen mit Terrassen sowie zwei Penthäuser mit Blick auf den Stephansdom geplant. Die Fertigstellung beider Projekte erfolgt Mitte 2020. amwerdertor.at, werdersix.at

LIVING Nr. 05/2018

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LIVING Nr. 05/2018

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