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Wohnen im Hotel: Nicht daheim und doch zuhause

Das Wohnen im Hotel liegt im Trend. Flexible Angebote für Extended Stay und Serviced Apartments kombinieren komfortable Rundumversorgung mit individuellem Wohn- und Arbeitsumfeld und eigener Küche.

23 . November 2020 - By Maik Novotny

Jeder kennt sie, die beruhigende Vertrautheit eines anonymen Hotelzimmers. Sich für ein paar Tage fallen lassen in eine servicierte Welt, ob im Corporate Standard mit blauem Teppich und Furnierholz oder individuell im Design- oder Boutique-Hotel. Aber was, wenn der Aufenthalt länger dauert?

Möchte man als Arbeits­nomade, der einen Monat bei der Software­- firma oder beim Start-up in einer Metropole gastiert, jeden Abend im gleichen Restaurant und jede Nacht im gleichen engen Zimmer verbringen? Auch die Alternative Airbnb mit ihrer Unberechenbarkeit, ihren IKEA-Möbeln und umständlichen Übergabemodalitäten ist oft von bedingtem Reiz.

Das Beste beider Welten

Warum nicht das Beste aus beiden Welten? Genau dies bieten Extended-Stay-Hotels: Apartments mit Küche und separatem Wohnzimmer, wahlweise Selbstverpflegung in heimeliger Ruhe oder alle Annehmlichkeiten eines Hotels von Spa bis Frühstück. In der Branche selbst gilt die Definition »Extended Stay« für einen Zeitraum von 5 bis 30 Tagen. Die Kombinationen sind jedoch breit gefächert: Manche Hotels kombinieren reguläre Zimmer mit einer Handvoll Apartments, andere Residential Hotels sind ganz auf den langen Aufenthalt ausgerichtet. Außer Frage steht, dass das Wohnen im Hotel boomt.

Zu Beginn vor allem im australischen und amerikanischen Markt zu Hause, wo die Dis­tanzen zwischen den Orten für Geschäfts­reisende besonders groß sind, ist es längst ein globales Phänomen. Einer Marktanalyse von Savills zufolge werden die größten Anbieter ihr Portfolio bis Ende 2022 in Europa um 40 Prozent ausweiten. In Deutschland prophezeien Beobachter einen Anstieg des Anteils im Hotelgewerbe von 3 auf 10 Prozent bis 2030. Auch die Corona-Krise haben sie bisher schon besser überstanden als konventionelle Hotels.

»Globale Marken wie Adina bieten sehr große Suiten an, in Europa geht
der Trend zu kompakten Studios.«

Martin Schaller, Head of Asset Management Hospitality bei Union Invest

Edel-AirBnb

»Globale Marken wie Adina bieten sehr große Suiten an, in Europa geht der Trend zu kompakten Studios,« sagt Martin Schaller, Head of Asset Management Hospitality bei Union Investment. Bestes Beispiel dafür ist das »Zoku« in Amsterdam, dessen Designerlofts kaum noch Ähnlichkeit mit Hotelzimmern aufweisen, sondern eine Mischung aus Design-Apartment und Edel-Airbnb für die Hipster-Klientel bieten. Wer mag, darf sich hier auch eigene Kunst an die Wand hängen.

Die großen Ketten wie Hilton oder Marriott bieten inzwischen ebenfalls Extended-Stay-Apartments in ausgewählten Städten an. Die Grenzen zwischen Hotel und Serviced Apartments sind dabei fließend. Gerade im High-End-Luxussegment kann etwa auf Küchen im Apartment verzichtet werden. Das bringt für die Hotels den Vorteil, dass sie Zimmerangebot und Länge des Aufenthalts flexibel kombinieren können, ohne auf wartungsintensiven, aber wenig genutzten Sondereinrichtungen sitzen zu bleiben.

Auch Wien ist inzwischen ins Blickfeld des Trends geraten. Im Luxussegment bieten das »Palais Hansen Kempinski« und das Park Hyatt Wohnungen mit Service an, und das »Mandarin Oriental«, das ab 2023 das ehemalige Gerichtsgebäude Riemergasse beziehen wird, wird zusätzlich zu seinen 151 Zimmern mit 17 Luxus-Residences an den Start gehen. Wer will, darf sich dann über den Dächern von Wien sein eigenes Schnitzel zubereiten.

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