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Volles Bewusstsein: So geht Design auf Nachhaltigkeit ein

Die Welt ist im Wandel. Aber wie reagiert Design auf Diskursthemen wie Ressourcenknappheit, Klimaveränderung oder soziale Ungleichheit? Mit gestalterischen Konzepten, die möglichst langfristige Produktzyklen im Auge haben.

16 . Februar 2021 - By Manfred Gram

Manchmal ist es sinnvoll, Begriffe definitorisch abzustecken. Insbesondere, wenn man vorhat, so wuchtige und inhaltsvolle Kategorien wie Design und Nachhaltigkeit aufeinandertreffen zu lassen. 

Deswegen hier kurz der Status quo, auf den sich die Expertenwelt einigen kann: Design ist mehr als das bloße Kreieren von Dingen und Gegenständen. Gutes Design erzeugt immer auch Kommunikation und Identität. Aber das Wichtigste: Design hat den Anspruch, die Welt zum Wohle der Menschen besser zu gestalten. 

Und genau darauf lässt sich jetzt aufbauen, wenn ein Mega-Buzzword wie Nachhaltigkeit auftaucht. Denn ein zeitgemäßer Designbegriff muss auch den Anspruch erfüllen, die Welt zum Wohle der Menschen im Hinblick auf die Umwelt besser zu gestalten. Alles, was zu tun ist, wäre, ökologische Aspekte in den Gestaltungsprozess einzuflechten. So weit zur Theorie. 

Gutes überdauert

Und in der Praxis? »Für ein wirklich nachhaltiges Design braucht es ein systemisches Umdenken«, bringt es Clemens Dus auf den Punkt. Der Designer leitet den Experten-Cluster für Sustainable Design bei design­austria und fasst das kreative Geschehen so zusammen: »Derzeit bleiben viele Bemühungen im Green Design, also in der reinen Verwendung von ökologischeren Materialien, stecken und bewegen sich gerade mal in Richtung Eco-Design, das den Lebenszyklus mitdenkt.« 

Dennoch hat sich auf diesem Sektor in den letzten Jahren so einiges getan. Zwar ist man von einem Aufbau kontinuierlicher Kreisläufe nach dem Vorbild der Natur noch weit entfernt, wie Dus analysiert, aber Trend und Nachfrage entwickeln sich in die richtige Richtung. Design auf Augenhöhe mit der Zeit denkt also verantwortungsbewusst und achtet auf Parameter wie umweltschonende und nachwachsende Materialien, sozial gerechte Produktionsbedingungen und letztlich auch nachhaltige Entwürfe. Gutes Öko-Design soll also Klassiker generieren, die endlos genutzt werden können. Das wird auch optisch zur kreativen Herausforderung, die immer besser gemeistert wird: »Nachhaltiges Design bewegt sich zunehmend von der alternativen Öko-Schiene weg, und recycelt muss auch schon lange nicht mehr wie wiederverwendet aussehen«, erörtert Clemens Dus, der noch einen weiteren Aspekt in diesem Kontext ergänzt: »Ein neuerer Ansatz wäre das sogenannte ›emotionally durable Design‹.« Dabei geht es darum, dass Nutzer eine tiefere emotionale Bindung zum Produkt aufbauen.

Clemens Dus, Designer & Consultant

UNO_Conference

»Für wirklich nachhaltiges Design braucht es ein systemisches Umdenken.«

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»Das funktioniert vor allem dann, wenn hochwertige Materialien verwendet werden, die über ihre lange Lebensdauer eine Patina entwickeln, und wenn Gegenstände eine Geschichte erzählen«, so Dus. Bei hochwertigen Materialien, die nicht selten mittels Recycling gewonnen werden, reicht die Bandbreite mittlerweile weit über Gängiges wie Edelstahl, Aluminium, Papier oder alte PET-Flaschen hinaus, mit denen Stühle ebenso gefertigt werden wie filzartige Produkte. 

Altes Plastikspielzeug wird zu Kinder­zimmermöbeln, ausrangierte CDs (braucht ja echt niemand mehr in Streaming-Zeiten) formen sich zu Bänken, Regalen oder Tischen, und aus Kaffeeresten erzeugen findige Köpfe mittlerweile Kaffeetassen oder gar Turnschuhe. Nachhaltigkeit und Design – ein Begriffspaar, das untrennbar zusammengehört, wenn man weiterdenkt. 

LIVING Nr. 01/2021

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LIVING Nr. 01/2021

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