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Unter vier Augen mit Thaddaeus Ropac

Thaddaeus Ropac ist seit 2017 mit seiner Galerie in London ver­treten. Ein Gespräch über die dortige Kunstszene.

07 . Oktober 2017 - By Maik Novotny

Falstaff LIVING: Anfang 2017 haben Sie neben Salzburg und Paris eine »Filiale« ihrer Galerie in London eröffnet. Warum fiel die Wahl auf London? 
ROPAC: London war in Europa der nächste logische Schritt für uns. Es gibt dort eine kritische Masse an kultureller Aktivität, an künstlerischer Arbeit und auch an bedeutenden Medien. 

Ist das Kunstpublikum in London ein anderes als in Salzburg oder Paris?
London ist stark geprägt durch die vielen Künstler, die dort leben. Das Publikum ist offen und neugierig. Es ist durchaus vergleichbar mit Paris, da beide Städte sehr international sind. In Salzburg ziehen die Festspiele regelmäßig sehr anspruchsvolles Publikum an.

Hat sich London diesbezüglich in den letzten Jahren verändert, und wenn ja, wie?
London war die Stadt des Punk und hat dadurch bis heute spürbar eine andere Undergroundszene, die aufregender erscheint als in vielen anderen Metropolen. Dadurch hat London eine besondere Offenheit, und wir hoffen, dass der Brexit das nicht verändern wird.

Gibt es in der Londoner Kunstwelt dominierende Trends, oder existieren verschiedene Stile gleichwertig nebeneinander?
Der große Aufbruch der Londoner Kunstwelt war mit den Young British Artists in den späten 80er-Jahren verbunden. Sie sind damals als Trendsetter aufgetreten und haben bestimmte Strömungen repräsentiert, aus denen inzwischen neue Generationen hervorgegangen sind. Heute tendiert die Szene wieder stärker zu individuellen Positionen.

»London ist offen und neugierig«

Museen wie die Tate Modern setzen auf einen betont offenen, nicht-elitären Zugang zur Kunst. Hat das Einfluss auf die -gesamte Kunstwelt der Stadt?

Das Großartige in London ist, wie in allen Kunstmetropolen, dass die Kunst nicht exklusiv, sondern inklusiv ist. Durch die Kunst wird versucht, so viel Publikum wie nur möglich anzuziehen und einzubeziehen.

Wie wichtig ist die Kunstmesse Frieze für Sie, und was zeichnet sie im Vergleich zu anderen Kunstmessen aus?
Frieze startete als »young kid on the block« und ging einher mit einer sehr jungen Kunstszene. Die Betonung liegt wirklich auf junger Kunst und jüngster Produktion, wodurch sie sich nach wie vor von den etablierten Messen in Paris oder Basel unterscheidet.

Welche Museen und Galerien muss man auf einem Kurztrip nach London gesehen haben?
Die Tate als das wichtigste zeitgenössische Museum, die Serpentine Galleries, die immer versuchen die aktuellste Kunst zu zeigen, und die Royal Academy, die klassischen Positionen einen beachtenswerten Raum gibt.

LIVING Nr. 04/2017

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LIVING Nr. 04/2017

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