© Dan Forer

Der Sommer steht an. Zeit, sich Gedanken über mögliche Pool-Designs für das eigene Zuhause zu machen. LIVING ist für Sie auf Spurensuche für globale Trends gegangen.

18 . Juni 2018 - By Maik Novotny

Wo der Pool ist, ist die Party nicht weit. Schon bei den eleganten kalifornischen Villen der 50er-Jahre stand der Pool vor allem für eiswürfelklirrende Eleganz und zwanglosen Hedonismus. Das Versprechen einer Freizeit, so endlos wie ein Infinity Pool. Wo es das Klima erlaubt, kann die Party 365 Tage im Jahr am Wasser stattfinden. Zum Beispiel im subtropischen Miami: Zwischen Pine Tree Drive und dem Indian Creek Canal liegt eine Villa, bei der der Pool die Hauptrolle spielt. 

In amerikanischer Lässigkeit öffnen sich breite Fensterfronten der Wohnräume zum Wasser. Alles zirkuliert, der Blick schweift auf Palmen und Skyline und auf blaue Wellen: 400 Quadratmeter Wohnfläche stehen 200 Quadratmetern Pool gegenüber. Die Rutsche aus dem ersten Stock macht unmissverständlich klar: Hier geht es nicht um Askese. »Der ganze Außenbereich ist als Serie von Events konzipiert, vom Hot Tub über den Barbecue-Bereich bis hin zur Wasser-rutsche«, sagt Mark Bullivant, Direktor des Architekturbüros SAOTA.

»Die Anspruchshaltung an die Architektur ist gestiegen, das betrifft auch die Pools. Wer einen Pool hat, verbringt mehr Zeit zu Hause mit Familie und Freunden. Ein Pool ist nicht nur Dekoration, er wird benutzt.« Zoran BODROŽIĆ Architekt

Keine Askese

So veränderlich wie Wasser sind auch die Trends in der Welt der Pools: Während der Siegeszug der Infinity Pools unvermindert anhält, kommen neue Aspekte an die Oberfläche. Landschaftsgestaltung und Pflanzen werden in den Pool integriert, Dark Pools wirken dank dunkler Oberflächen wie natürliche Teiche und erzeugen atmosphärische Tiefe.
Besonders feinfühlig ausgelotet wird diese Atmosphäre in einer Familienvilla im indonesischen Jakarta. Im Wasserbecken wurden blaue Fliesen im Mosaikmuster mit üppiger Vegetation kombiniert, bilden so ein angenehm kühles Gegenüber zu den Wohnräumen, die in warmem Holz und Leder gehalten sind. Das 1800-Quadratmeter-Anwesen teilten Wahana Architects in mehrere Einheiten, um jeden Eindruck von Schwere und Pomp zu vermeiden. Das Element Wasser taucht dabei als Leitmotiv zwischen diesen Einheiten auf, mal als Swimmingpool, mal als Springbrunnen, mal als Koi-Teich.

Schwimmen im See

Auf Naturpools setzt auch der Wiener Architekt Zoran Bodrožic´. Nahezu alle der 35 Häuser, die er in den letzten zehn Jahren realisiert hat, sind mit Pools ausgestattet, davon kommen die meisten ganz ohne Chemie aus. »Das braucht zwar oft einiges an Überzeugungsarbeit bei den Bauherren, aber die Vorteile liegen auf der Hand,« sagt Bodrožic´. »Wenn sich das natürliche Gleichgewicht etabliert hat, wird der Pool rund ums Jahr zum Teil des Gartens, weil man ihn im Winter nicht abdecken muss.« Beispielhaft dafür: die Villa PÖHÖ in Wien. Hier kombinierte der Architekt einen tiefen Schwimmpool mit einer flachen Regenera­tionsfläche und einem in Holz eingefassten Seerosenteich. Welche Trends diagnostiziert der Pool-Experte unter den Architekten? »Die Anspruchshaltung an die Architektur ist gestiegen, das betrifft auch die Pools. Wer einen Pool hat, verbringt mehr Zeit zu Hause mit Familie und Freunden. Ein Pool ist nicht nur Dekora­tion, er wird auch benutzt.«
»Mit Pools ist es wie mit Autos: Das Angebot wird immer individueller,« sagt auch ­Markus Hildner, Leitung Marketing und Vertrieb bei Poolbau Gassner in Neuzeug bei Steyr. Die Firma hat sich auf Edelstahl-Pools spezialisiert. Dieses Material liegt ganz besonders im Trend, man sei schon seit drei Jahren komplett aus­gelastet, so Hildner. »Die schlichte Optik von Edelstahl und Niro passt auch zur geradlinigen, modernen Architektur, die heute gefragt ist.«

»Mit Pools ist es wie mit Autos: Das Angebot wird immer individueller. Die schlichte Optik von Edelstahl und Niro passt auch zur geradlinigen, modernen Architektur, die heute gefragt ist.« Markus Hildner Marketing-Chef bei Poolbau Gassner

Haus trifft Pool

Konsequent geradlinig ist auch die Kombination von Haus und Pool, die der belgische Architekt Steven Vandenborre im flämischen Brügge entwarf. Hier weht ein Hauch von Kalifornien durchs belgische Flachland. Der lang gestreckte Pool, den das ausladende Betondach elegant überbrückt, wird dabei zur Erlebnisreise. Man schwimmt im Hof, im Haus, unter dem Haus, hinein in den Garten. Ein Minimalismus, der ein entspanntes Gleiten in Ruhe und Konzentration ebenso ermöglicht wie ein sportliches Kraulen durch Architektur und Landschaft. 

Noch rauer und puristischer inszeniert ein Haus in Mexiko den Pool als Vermittler zwischen Architektur und Landschaft. Die Architekten HRBT setzten das Wohnhaus genau auf den obersten Punkt eines Hügels, der das weite Tal von Oaxtepec überblickt. Ein tiefes Gitter aus Sichtbeton schützt den lang gestreckten Bau vor der Hitze, sodass der durchgehende Wohnraum im Inneren angenehm temperiert ist. Ein ausgeklügeltes Wassermanagement für Haus und Garten sorgt dafür, dass in dieser trockenen Gegend nichts verschwendet wird. Ökologisches Bewusstsein, gekleidet in geradlinigen Beton. Globales Fazit: Ob in Fliesen oder Edelstahl, ob kantig oder natürlich: Die Party am Pool geht weiter.

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