© Peter Pichler Architecture

Weg aus der Stadt, rein in die Natur: Das ist das Motto vieler neuer Hotel- und Hospitality-Projekte, die als autarke Wohn­einheiten quer über den Erdball verstreut sind. Damit machen die modernen Baumhäuser einen globalen Trend sichtbar.

11 . Juli 2019 - By Wojciech Czaja

Wie schwarze spitze Tannenzapfen ragen die rund ein Dutzend Tree Houses in die fast unberührte Gebirgslandschaft. Hinter den zweistöckigen Kabanen, die als Ergänzung einer bereits bestehenden Hotelanlage konzipiert sind, verbergen sich 35 bis 40 Quadratmeter große Refugien mit Wohnbereich und Bibliothek im Erdgeschoß sowie einem abgetrennten Schlafbereich mit angeschlossenem Bad im ersten Stock. Über riesige Glasfassaden schweift der Blick hinaus in die Dolo­miten, auf das bis zum Horizont reichende Meer aus Lärchen und Tannenbäumen.

»Wir verstehen dieses Projekt als Verlangsamung des Reisens, als sanften und nach­haltigen Slow-down-Tourismus«, erklärt der Mailänder Architekt Peter Pichler, dessen Vision sich derzeit noch im Entwurfsstadium befindet. »Die Hauptrolle spielt hier die Natur, die Architektur selbst ordnet sich dem Ort bewusst unter. Ich bin davon überzeugt, dass die Zukunft des Tourismus auf der Beziehung des Menschen zur Natur beruht. Eine gut integrierte, ökologische Architek­tur kann diese Beziehung verstärken. Mehr braucht es nicht.« Kleines Detail am Rande: Um den Eingriff in die Landschaft auf ein 
Mi
nimum zu reduzieren, sind die Tree Houses zum Waldboden hin eng zulaufend. So kann die Fundamentfläche erheblich reduziert werden.

Zurück zur Natur

Auch anderswo erlebt das Baumhaus, das der klassischen Hotellerie den Kampf ansagt, derzeit eine regelrechte Renaissance. Ob Skandinavien, Großbritannien, China, Chile oder USA: In den letzten Monaten und Jahren wurden so viele naturnahe Miniaturprojekte fertiggestellt wie nie zuvor. Dass man es mit dem Begriff des Baumhauses, das traditionellerweise auf bestehenden Bäumen zu errichten ist, technisch nicht so genau nimmt, dürfte für die Aktualität des Themas ein vernachlässig­bares Manko sein. Immerhin findet man sich mitten im Wald wieder, wenn nicht sogar mitten in den Baumwipfeln. Oder, wie der chinesische Baumhausarchitekt Zhenyu Cao aus dem Büro ZJJZ, Planer des »Woodhouse Hotel« ­in Guizhou, erklärt: »In den letzten Jahrzehnten haben wir uns vor allem auf die Stadt konzen­triert. Jetzt aber sehnen sich die Menschen wieder nach der Schönheit der Natur, nach der emotionalen und visuellen Harmonie mit der umgebenden Landschaft.«

LIVING Nr. 03/2019

Erschienen in:

LIVING Nr. 03/2019

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