© Albert Handler, Wunschhaus

Der Wiener Gastronom Fabio Giacobello hat zwar nicht vor umzuziehen, trotzdem wurde ihm kürzlich ein individuelles Haus auf den Leib geschneidert. Mit der einzigartigen Initiative will das Wiener Architektur- und Baubüro Wunschhaus ein Exempel für mutiges, individualisiertes Bauen statuieren.

20 . Dezember 2020 - By Wojciech Czaja

Ein Wohnhaus? Eine Nobelgalerie? Eine pittoreske Dependance des Wiener mumok mit ein paar verirrten, hochglanzpolierten Stahlviechern aus der Luftballonwerkstatt von Jeff Koons? Weder noch, aber Ersteres könnte es eines Tages durchaus werden, entspricht das hier virtuell geschaffene Gebäude – ein Rendering, keine Frage – doch voll und ganz den Wunschvorstellungen des Wiener Gastronomen Fabio Giacobello, besser bekannt als Patron des
italienischen Gourmettempels »Fabios«. 

»Ich wohne gut und glücklich in Wien«, sagt Fabio. »Vorerst habe ich nicht vor umzuziehen, aber wer weiß, sollte sich eines Tages so eine Okkasion mit so einem Haus ergeben, dann könnte ich noch schwach werden.« Das Objekt der Begierde ist ein polygonal zurechtgeschnitzter Block, luftig aufge-schnitten in den Blickachsen, massig ver-kleidet mit porösem, dunkelgrauem, zum Angreifen einladendem Basalt. »Dieses Haus«, so Fabio, »entspricht so ziemlich meinem Geschmack, denn es vereint inter-nationalen Chic, wie man ihn aus New York, Paris und Mailand kennt, mit einer angenehmen Wärme und Geborgenheit, die in der zeitgenössischen Architektur oft zu kurz kommt. Und das Ganze auf einem wunderschönen Seegrundstück am Zürichsee, wo ich häufig bin, wenn ich meine Mutter besuche.« 

Entworfen wurde die eckigexpressive Wohnskulptur vom Wiener Architektur- und Baubüro Wunschhaus. Das 1990 gegründete Unternehmen versteht sich als hybrides Büro, das nicht nur architektonische Planungsleistungen abdeckt, sondern sich auch um die gesamte Errichtung kümmert – quasi von der ersten Skizze auf der Serviette bis zur Schlüsselübergabe alles aus einer Hand. Zu den Auftraggebern zählen Otto Normalverbraucher, Monika Mustermann, aber auch bekannte Persönlichkeiten wie etwa der ehemalige Profifußballer Marc Janko, dessen Wunschhaus kurz vor der Fertigstellung steht. 

»Das Haus für Fabio ist zwar komplett durchgeplant, und es ist unserem fiktiven Bauherrn perfekt auf den Leib geschneidert«, sagt Murat ÖzÇelik, Geschäftsführer von Wunschhaus, »aber es nicht dazu gedacht, in den kommenden Monaten realisiert zu werden.« Sondern? Murat lacht. »Sondern den Blick zu öffnen und die Gedanken anzuregen! Was wir im Bereich Einfamilienhausbau heute vorfinden, das sind zum überwiegenden Teil Giebelhäuser mit Satteldach und Schuhschachteln ohne Satteldach. Wie langweilig! Die Menschheit ist doch viel spannender als das! Und es liegt in unserer Verantwortung als Architekten und kreativ tätige Menschen, darauf hinzuweisen, wie unendlich vielfältig Architektur sein kann, wenn man nur will.« 

Die sogenannten »Wunschstorys«, ins Leben gerufen im Frühjahr dieses Jahres, sind einerseits eine Art Werbekampagne für das Unternehmen – daran besteht kein Zweifel –, andererseits aber auch eine Art Trägerrakete für den ganz generellen Genuss hochwertiger, außergewöhnlicher Baukunst. »Ja, wir machen damit Werbung für uns«, sagt Murat, »aber wir machen auch Werbung für die gesamte Immobilienbranche, weil wir auf emotionale Weise darstellen wollen, was gutes Bauen für uns Menschen bewirken kann.« 

Damit die Message in der Bevölkerung auch wirklich ankommt, baute Murat zu ei­nigen potenziellen Bauherren und Auftrag­geberinnen eine fiktive Projektpartnerschaft auf. Unter den Wunschstory-Kandidaten finden sich unter anderem Gery Keszler, Eveline Eselböck, der Künstler und Modelprofi Michael Urban sowie die beiden Wiener Gas­tronomen Konstantin Filippou und Fabio Giacobello. 

»Es war eine schöne Zusammenarbeit, die damit begonnen hat, dass mich Murat stundenlang über mein Leben ausgefragt hat, über meine Wünsche, Vorstellungen und alltäglichen Rituale«, erinnert sich Fabio. »Auf Basis dieses Gesprächs wurde erst eine Skizze und schließlich ein ganzes Projekt mit hoch professionellen Visualisierungen entwickelt. Schön, wie vieles davon, was ich erzählt habe, plötzlich eine konkrete Form bekommen hat. Und ja, mit den straighten Linien und dem dunklen Basalt an der Fassade kann ich mich perfekt identifizieren.« 

Ein noch offener Wunsch für die Zukunft? »Ein schönes Zuhause ist wichtig, und ich würde mich freuen, wenn meines so aus­-sähe! Aber noch wichtiger ist, was sich drinnen abspielt. Ich lebe seit einigen Jahren in einer schönen Beziehung und bin wunschlos glücklich.« 

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