© Mathieu Fiol

Eine Wohnung in Paris verspricht nicht nur gediegene Atmosphäre, sondern wird auch als Wertanlage interes­santer. Der Immobilienmarkt der französischen Hauptstadt profitiert dabei vom Brexit.

28 . Januar 2019 - By Robert Prazak

Die Fahrt von London nach Paris mit dem Eurostar-Zug dauert nur etwas mehr als zwei Stunden. Und mit Hochgeschwindigkeit verlagert sich derzeit das Interesse internationaler Käufer von der britischen Metropole in die französische Hauptstadt. Während die betuchte Klientel aus Fernost, Osteuropa und dem Nahen Osten bisher vor allem beim Konkurrenten jenseits des Ärmelkanals für irrwitzige Preise sorgte, stand Paris am internationalen Immobilienmarkt vergleichsweise weniger im Fokus – die Stadt galt als teuer, ohne aber Aussicht auf Wertsteigerung zu bieten. Das ändert sich nun rasant, und Paris wird zunehmend auch für Österreicher interessant, die in London, aber auch in Berlin und in osteuropäischen Städten entweder nach Anlageobjekten oder nach Wohnungen zur Eigennutzung gesucht haben.

»Es war erneut ein außerordentlich starkes Jahr für den Pariser Immobilienmarkt, und die Nachfrage hat das Angebot deutlich übertroffen«, berichtet Susie Hollands, Chefin des Immobilienmaklers Vingt, der auf Luxusobjekte in Altbauhäusern spezialisiert ist. Derzeit grasen vor allem Käufer aus den USA und Großbritannien den Markt nach Objekten jenseits von 700.000 Euro ab, berichtet Fleur Buckley vom Makler FrenchEntrée. »Große Nachfrage kommt von Käufern, die die Immobilie in weiterer Folge vermieten möchten.« Kein Wunder: Die Mietpreise in Paris sind inzwischen jenseits von Gut und Böse, selbst einfache Wohnungen mit einem Schlafzimmer in weniger begehrten Gegenden kosten ab 1300 Euro aufwärts. Im Zentrum des Geschehens ist man erst ab einem Monatsbudget von 5000 Euro dabei, soll es eine einigermaßen große und repräsentative Wohnung sein.

Dabei weitet sich das Gebiet, das für Käufer mit dem nötigen Kleingeld infrage kommt, mehr und mehr aus – ein typisches Zeichen für einen Markt, der international auf größeres Interesse stößt und auch dafür, dass das Angebot im Zentrum langsam knapp wird. »Ausländische Käufer reißen sich um die besten Objekte«, bestätigt Fabienne Colomb vom Pariser Makler District-Immo. Die Politik spielt da eine Rolle. »Der Brexit-Effekt ist bereits deutlich zu beobachten, aus London kommen derzeit viele Interessenten«, sagt Colomb. Neben dem Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU kommt ein weiterer Effekt dazu: Emmanuel Macron hat für neues Selbstvertrauen der französischen Wirtschaft gesorgt – und das spürt man laut der Maklerin auch am Pariser Immobilienmarkt. 

Es bleibt zwar abzuwarten, wie lange der Strahlemann noch lächeln wird, doch dem Pariser Immomarkt wird das wenig anhaben können. Die Zahlen sprechen für sich: Die Preise für ältere Wohnungen sind von Anfang 2017 bis Anfang des heurigen Jahres um mehr als sieben Prozent nach oben geklettert – und ein Ende des Aufwärtstrends ist nicht in Sicht. »Auch nächstes Jahr wird es so weitergehen«, erwartet Susie Hollands. Interessanter wird in diesem Zusammenhang das Umland der Stadt, denn attraktive Objekte sind im Zen­trum schwer zu finden. Dabei macht gerade die Mischung aus alten und modernen Gebäuden den Charme der bekannten Viertel aus. Die Gefahr einer Blase sieht auch Fabienne Colomb von District-Immo derzeit nicht: »Es ist ja inzwischen ein internationaler Markt.« Und Susie Hollands ist sogar sicher: »Paris ist gerade dabei, London als internationalen Business-Hub von Europa zu überholen.« Dazu kommen die Olympischen Spiele 2024 und der ungebrochen starke Tourismus in Frankreich. Was bedeutet: Die Preise in Paris werden in den nächsten Jahren sicher nicht nach unten gehen.

Welcher Bezirk in Paris?

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Unsere Übersicht zeigt, welche Arrondissements – die Bezirke in Paris – für Immobilienkäufer derzeit interessant sind.

1. Arrondissement: Der erste Bezirk ist einer der ältesten Stadtteile von Paris und besteht aus vier Stadtvierteln: Quartier Saint-Germain-l’Auxerrois mit dem Louvre und dem ehemaligen Schlosspark Jardin des Tuileries, Quartier des Halles mit dem Einkaufs- und Freizeitzentrum Forum Les Halles, Quartier du Palais-Royal mit dem gleichnamigen Stadtpalast und Quartier de la Place-Vendôme. Dieser Bezirk ist demnach das Zentrum der Stadt – nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten für Touristen – und zählt zu den fünf teuersten am Immobilienmarkt.

3. und 4. Arrondissement: beliebte Wohngegend im Nordosten des Stadtkerns, wobei die ältesten Wohnhäuser aus dem 16. Jahrhundert stammen. Das Marais-Viertel hier ist eine der angesagtesten Ecken der Stadt. Große Auswahl an Restaurants und Geschäften.

6. Arrondissement: Dieser Bezirk zählt zu den teuersten der Stadt, hier befinden sich teure Modegeschäfte, Boutiquen, Kunstmuseen und Restaurants. 

7. Arrondissement: der bekannteste Bezirk der Großstadt mit Eiffelturm und weiteren Sehenswürdigkeiten wie Musée d’Orsay, Musée du quai Branly und Hôtel des Invalides. Hier befindet sich auchdie Marktstraße Rue Cler, außerdem ist der Bezirk bekannt für seine internationalen Residenzen und Botschaften. Starker Preisanstieg in den vergangenen beiden Jahren.

8. Arrondissement: Hier treffen Geschäfts- und Freizeitleben auf-einander. Der Bezirk ist das politische Zentrum der Hauptstadt mit dem Sitz des Staatspräsidenten sowie zahlreicher Botschaften. Hier findet sich die Avenue des Champs-Élysées mit ausreichend Gelegenheit für teures Shopping.

11. Arrondissement: Dieser Bezirk liegt östlich des Zentrums und ist von drei großen Plätzen – Place de la République, Place de la Bastille und Place de la Nation – begrenzt. Der elfte gilt als einer der lebendigsten Bezirke von Paris, hier findet das Partyleben mit zahlreichen Bars und Nachtclubs sowie Restaurants statt.

10. Arrondissement: Der multikulturelle Bezirk ist vor allem bei jungen Leuten beliebt. Die beiden größten Bahnhöfe von Paris, Gare de l’Est und Gare du Nord, sowie zahlreiche Cafés und Restaurants entlang des Kanals Saint-Martin sind Pluspunkte.

15. Arrondissement: Bezirk mit der größten Einwohnerzahl, hier sind einige Museen und Grünflächen zu finden. Gilt als sicher und vergleichsweise günstig, daher wird er immer beliebter bei Käufern.

18. Arrondissement: Künstlerbezirk rund um den Hügel Montmartre, von dem man einen ebenfalls tollen Blick über ganz Paris hat. Auch bei Touristen beliebt. Hier wurden in den letzten beiden Jahren die größten Preissteigerungen bei Wohnungen beobachtet.

LIVING Nr. 05/2018

Erschienen in:

LIVING Nr. 05/2018

Das könnte Ihnen auch gefallen

News / 24.01.2019
Die Top-Tipps für Scandinavian-Living

Wenn jemand etwas von der kälteren Jahreszeit versteht, dann sind es die Skandinavier. Design- und Interiorprofi Christine Thorsteinsson von...

News / 01.06.2018
Serviced Apartments der Extraklasse

Miami bestimmt in vielen Bereichen die angesagtesten Trends – auch in der Architektur und beim Wohnen. Derzeit steht Luxus-Eigentum mit...

News / 26.10.2017
London LIVING

Großbritanniens Hauptstadt war stets erste Wahl, wenn es um Immobilieninvestments ging. Der Luxusmarkt scheint selbst die jüngste...

News / 01.11.2017
Ring Frei!

Um die Wiener Ring­straße entstehen eine Reihe hochwertiger Wohnimmo­bilien. Durch die optimalen Bedingungen könnte es gelingen, Interesse...

Genuss – das ist zentrales Thema der Falstaff-Magazine. Nun stellen wir das perfekte Surrounding dafür in den Mittelpunkt. Das Ambiente beeinflusst unsere Sinneseindrücke – darum präsentiert Falstaff LIVING Wohnkultur und Immobilien für Genießer!

AKTUELLES MAGAZIN 05/2019