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Mehr Salon als Wellness-Oase: Das Bad der Zukunft ist nicht nur größer und wohnlicher, sondern erlebt auch eine neue Wertschätzung als Raum für sinnliches Erleben, Naturverbundenheit und individuell geprägten Luxus.

08 . Dezember 2018 - By Uwe Killing

Die Damen zur Zeit des französischen Königs Ludwig XIV. schritten aus ihren Sälen nicht direkt ins Schlafzimmer. Sie ließen sich mit Vorliebe in einem Zwischenreich nieder, genannt Boudoir, dem »Raum zum Verweilen«. Dort gab es keine Badewanne zum Reinigen, sehr wohl aber einen Toilettentisch und elegante Sitzmöbel. Es war ein Ort der Ruhe, der gepflegten Konversation und der erotischen Begegnungen.

Das Boudoir-Zeitalter hat eine neue Betrachtung verdient. Nicht etwa als Renaissance aristokratischer Opulenz oder schwerer Parfüms, sondern vielmehr als reine Einrichtungsphilosophie. Nach Jahrzehnten, in denen sein häuslicher Stellenwert vorrangig funktional bestimmt war, betrachten Architekten, Designer und Trendforscher das Bad zunehmend als erweiterte Fläche zum Wohnen und Wohlfühlen. Und es ist ein kreatives Feld, auf dem die sinnliche Komponente des intimen Salons eine moderne Interpretation erfährt. »Das Badezimmer ist elementar für ein Zuhause der Besinnung, Meditation und eines bewussten, achtsamen Lebens«, sagt Oana Horx-Strathern vom Wiener Zukunftsinstitut. Sie verantwortet die Trendstudie »50 Insights – Zukunft des Wohnens«, die auch auf eigenen Erfahrungen im »Future Evolution House«, das sie mit ihrer Familie bewohnt, basiert. Kern ihrer Thesen: Angesichts unserer digitalisierten, komplexen Welt mit ihren erhöhten Anforderungen sollten die eigenen vier Wände ein Rückzugsort sein – »wo wir den Dingen wieder mehr Aufmerksamkeit schenken«.

Neuer Nutzen

Es ist die Abkehr von multifunktionalen Räumen und auch vom Loft der hedonistischen Neunzigerjahre hin zu klar getrennten Wohnbereichen im Sinne einer Work-Life-Balance: Ein harmonischer Nacht-Tag-Rhythmus bestimmt das Schlafzimmer. Der Laptop wird aus dem Wohnzimmer verbannt. Am Küchentisch genießt die Fa­milie ihre Quality-Time bei möglichst aus­geschalteten Smartphones. Über das geräumige und idealerweise mit Fensterblick ins Grüne angelegte Bad sagt Horx-Strathern: »Keine Wellness-Oase im Kleinen, sondern wie ein zweites Wohnzimmer. Es gibt Tapete, Teppich und viel Holz. Ich möchte eine harmonische, warme Atmosphäre um mich haben.«

Das Umdenken umfasst einen Dreiklang: mehr Fläche, mehr Komfort und mehr Muße in einer Sphäre, in der man sich auf sein Innerstes zurückzieht.

Raum für Luxus

Eine Stunde täglich auf knapp acht Quadratmetern: Das ist nach einer Erhebung in Deutschland die Bedeutung, die Erwachsene im Durchschnitt dem Bad zumessen. Ein ausbaufähiger Wert, wobei das Umdenken einen Dreiklang umfasst: mehr Fläche, mehr Komfort und mehr Muße in einer Sphäre, in der man sich auf sein Innerstes zurückzieht. »Es ist ein symbolisch aufgeladenes Zimmer mit einem subtil sexualisierten Altar für selbst­bestimmten Luxus«, umschreibt es Edwin Heathcote, englischer Schriftsteller und Design-Kritiker der »Financial Times«. Dieser Luxus äußert sich unterschiedlich. Während die einen Gemütlichkeit mit einer freistehenden Badewanne, Duftkerzen und Re­tro-Armaturen erzeugen, bevorzugen andere ein puristisches Design, das dennoch nicht kühl wirken muss. Die atmosphärische Skala reicht von skandinavisch hyggelig bis mediterran verspielt. Einigkeit herrscht jedoch in dem Wunsch, die Schattenexistenz eines Zweckraums zu überwinden und stattdessen eine individuell beeinflusste Atmosphäre des Wohlfühlens zu schaffen.

Einigkeit herrscht in dem Wunsch, die Schattenexistenz eines Zweckraums zu über-winden und statt-dessen eine individuell beeinflusste Atmosphäre des Wohlfühlens zu schaffen.

Designer wie Sanitärhersteller unterstützen dieses Bedürfnis mit einer erweiterten Produktpalette. Schlank geschnittene Toiletten, bodengleiche Duschen sowie Waschbecken im zurückhaltenden Design schaffen mehr stilvollen Raum zum Durchatmen. Badezimmermöbel verlieren den Charakter von klinisch-weißen Aufbewahrungskästen. Und die Bandbreite der Boden- und Wandgestaltung umfasst
Naturstein und Holzlaminate genauso wie die klassische Fliese, die jedoch in viel mehr Variationen angeboten wird. Nachhaltige Materialien sind gefragter denn je, und Ex­perten empfehlen bei der Beleuchtung eine Kombination aus natürlichem Licht und fle­xiblen umweltfreundlichen LED-Leuchten. Pflanzen schaffen Farbakzente im Raum und fördern positive Gefühle. Die neue Achtsamkeit trifft hier auf die alte fernöstliche Harmonielehre Feng-Shui. Das Badezimmer der Zukunft – alles ist erlaubt, was nicht nur dem Körper, sondern vor allem der Seele gut tut.

LIVING Nr. 05/2018

Erschienen in:

LIVING Nr. 05/2018

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