© Rafaela Pröll

Wenn vom »Jedermann« die Rede ist, fällt schnell der Name Philipp Hochmair. Demnächst ist der Wiener Schauspieler auch wieder als Gerichtsmediziner Otto Prokop in der Serie »Charité« zu sehen. Für MAN’S WORLD stand der vielbeschäftigte Mime für unser Fashion-Shooting vor der Kamera. Interview: Katharina Reményi

20 . November 2020

Das Hotel Ritz-Carlton in Wien präsentiert sich als Location für das MAN’S WORLD Cover-Shooting mit Philipp Hochmair. Es ist für den Schauspieler ein Ort, den er besonders gut kennt. Fungiert die Präsidentensuite doch als sein Zuhause in der Erfolgsserie »Blind ermittelt«, für die der Wiener als blinder Kommissar regelmäßig vor der Kamera steht.

Doch heute gilt es für ihn, nicht in den luxuriösen Räumlichkeiten einen Fall zu lösen, sondern das Spiel mit der Mode aufzunehmen. Dass er es liebt sich zu verkleiden, ist schon in den ersten Minuten klar. Denn nachdem er alle Teile, die für das Shooting vorbereitet waren durchprobiert hatte, zauberte er aus seiner großen Tasche einen gelben Bauhelm und ein Megafon, die er als Accessoires dazu kombiniert und damit vor dem Spiegel posiert.

Beides sind übrigens Requisiten, die mit ihm bereits auf der Bühne im Burgtheater im Einsatz waren, wo er als Jedermann (wieder einmal) tosenden Applaus geerntet hat. 

»Ich persönlich würde mich nicht als schwierig bezeichnen. Ich stelle mich in meiner Eigenheit zur Verfügung und versuche im Geiste elastisch zu bleiben.«

Philipp Hochmair Schauspieler

Man’s World: Herr Hochmair, Sie stehen heute für ein Modeshooting vor der Kamera. Wie wichtig ist Ihnen Mode persönlich?
Philipp Hochmair: Mir gefällt es mit Kleidern konfrontiert zu werden, die mir so nicht über den Weg laufen würden. Es ist ein kreativer Vorgang, der viel mit Schauspiel zu tun hat. Ich persönlich würde mich vielleicht nicht gleich mit einem Anzug ins Wasser legen, aber wenn dabei so starke Bilder entstehen, wie heute, dann ist das für mich etwas absolut Natürliches. Und diese Erfahrung des heutigen Shootings kann man dann vielleicht in die Entwicklung eines Charakters einfließen lassen.

Nehmen Sie Einfluss auf die Kostüme der Rollen, die Sie spielen?
Ja, ich erfinde gerne etwas für meine Rollen und lasse mich dafür auch mal von Streetfashion inspirieren. Ich war z. B. 2008 in Rumänien im Donaudelta und hatte da ein besonderes »Modeerlebnis«. Damals hatte die Armee Uniformen ausgemistet und den Bewohnern eines Dorfes gespendet. Und auf einmal hatten alle Dorfbewohner neue Camouflageanzüge an. Das sah auf ganz besondere Art stylish und crazy zugleich aus. Wenn aus Not Dinge kombiniert werden, man improvisieren muss und sich so ein eigener Style, eine »Patchworkmode« ergibt, gefällt mir das. Vielleicht habe ich da ja auch meine Idee für mein Jedermann-Kostüm her.

Sind Marken für Sie ein Thema?
Schon, aber dann in einem freien Umgang und ohne die Verspannung welches Markenmodell es gerade sein muss. Das ist für mich einfach nicht so wichtig. Individuelles Styling und neue Kombinationen dafür umso mehr.

Glitzer, ein offenes Hemd, viele Ringe. Sind das Ihre Markenzeichen?
Das habe ich mir für den Jedermann so überlegt, und es macht mir Spaß nach Auftritten, das auch mal ins Leben mitzunehmen, um so die Grenze zwischen Bühne und Alltag zu verwischen.

Wie steht es um Ihre Eitelkeit? Schauen Sie sich gerne in den Spiegel?
Eine gute Frage. Wen sieht ein Schauspieler, wenn er in den Spiegel schaut? Ich muss berufsbedingt viel vor dem Spiegel sitzen und dann bin ich mal überrascht, mal geschockt, mal belustigt, wie anders ich immer wieder aussehe. Mit falschem Bart, mit echtem Bart, mit gefärbten Haaren, historisch, modern, dick, dünn, geklebte Glatze. Das ist wie eine permanente Zeitreise. Einmal zweiter Weltkrieg, dann Erbfolgekrieg, dann Rosenkrieg bei den Vorstadtweibern …

Sie spielen und entwickeln viele Soloprogramme. Stehen Sie als Schauspieler am liebsten alleine auf der Bühne?
Es geht mir bei meinen Projekten um Flexibilität, um Freiheit. Wenn man etwas selber erfindet und produziert, dann ist man eben am freiesten und autark. Ich war so lange an unterschiedlichen, großen Theatern engagiert und das ist nun mal oft ein weisungsgebundenes Arbeiten. Mein Ziel war, dass ich unabhängig bin. So bleiben auch die Auftritte immer spannend, auch wenn ich manche Stücke schon einige hundert Male gespielt habe. Und ich bin überzeugt, dass Leute ins Theater gehen, um Freiheit zu erleben und weniger, um einer eingeübten Zeremonie beizuwohnen. Dass man das Einstudierte ordentlich wiedergibt ist das eine, aber darin jeden Abend flexibel zu bleiben, das ist die Kunst.

Sie haben einmal gesagt: »Ich bin nicht schwierig, ich bin kreativ.« Werden Sie in der Zusammenarbeit als schwierig empfunden?
Das kann ich leider nicht beurteilen. Ich persönlich würde mich nicht als schwierig bezeichnen. Ich stelle mich in meiner Eigenheit zur Verfügung und versuche im Geiste elastisch zu bleiben.

Das Ergebnis steht über allem?
Ja. Und es ist immer ein Experiment und das Experiment startet immer wieder aufs Neue. Das war bei meinem letzten Auftritt mit »Jedermann Reloaded« im Burgtheater genauso. Das Theater ist voll, du bringst deine Musiker mit und die Idee ist, die Jamm-Session, den Freiflug zu kultivieren. Dann schauen wir alle gemeinsam inklusive Publikum, wo die Reise dieses Mal hingeht. Das fetzt halt dann, wenn’s fetzt. 

Sie arbeiten sehr flexibel und spontan. Haben Sie auch Rituale, wie Sie sich an Rollen nähern?
Es wird immer aufregender, weil die Rollen immer unterschiedlicher werden. Beispielsweise der blinde Kommissar in »Blind ermittelt«, der satanistische Graf in »Freud« und der Feldherr in »Maria Theresia« – das sind alles ganz unterschiedliche Rollen, die mehr oder weniger zeitgleich, parallel entstanden sind. Die Hauptfrage ist, was hat das mit mir zu tun, wie kann ich mich da persönlich einbringen. Wie kann ich meine Fantasie und meine Kraft da zur Verfügung stellen? 

Waren Sie nervös?
Ich bin immer auf eine positive Art und Weise nervös und vorfreudig. Ich sehe die Annährung an die Rollen, wie vielleicht das Anprobieren von neuen Kleidern wie beispielsweise bei dem Shooting hier. Da gibt es sicher Stücke, mit denen man sofort eins wird, die sofort sitzen und andere muss man sich erst erkämpfen, mit denen muss man einen Prozess durch­leben, wie zum Beispiel heute mit dem blauen Lederanzug im blauen Schwimm­becken. Da läuft das Kleidungsstück zu einer Hochform auf, da entsteht was Neues, Wildes, Einzigartiges.

»Ein Bad im kalten Fluss ist mein persönliches Geheimrezept, um ins Leben zurückzufinden. Dann aber am liebsten nackt, ohne den modischen Lederanzug.«

Philipp Hochmair, Schauspieler

Macht es Ihnen Spaß, sich äußerlich immer wieder zu verändern?
Natürlich macht es mir Spaß. Das ist mitunter das Faszinierendste am Schauspieler-Dasein! Man ist mal so und dann wieder ganz anders. Die Schauspielerei ist eben eine einzigartige Profession. Sehr speziell. Und auf diese Suche begebe ich mich, und dann geht das Experiment weiter.

Können Sie Ihre Rollen am Ende eines Drehtages oder nach dem Applaus gleich ablegen?
Das gelingt manchmal besser, manchmal schlechter. Allerdings habe ich ein Ritual.
Ein Bad im kalten Fluss ist mein persönliches Geheimrezept, um ins Leben zurückzufinden. Dann aber am liebsten nackt, ohne den modischen Lederanzug.

Gibt es Stationen in Ihrer Karriere, die Sie aus heutiger Sicht gerne anders gemacht hätten?
Grundsätzlich war es bis jetzt eine schöne Reise. 

Kennen Sie so etwas wie Alltag?
Ja, ich hab den Alltag eines Passionholics. Aber wie sieht das aus? Mein kreativer Zustand bestimmt alles und das darf nicht von alltäglichen Problemen bestimmt werden. So ein Drehtag ist ja extrem strukturiert, das ist ein hochkomplexer Organisationsaufwand, wo bis zu den freien Tagen alles genau geregelt ist. Mein Alltag gestaltet sich dann eben so. Aber ich brauche immer wieder so Laboratorien wie unser Shooting heute, wo fünf Leute zusammenkommen und etwas schaffen wollen. Wenn dann so eine kollektive Energie entsteht, gefällt mir das.

»Ich muss berufsbedingt oft in den Spiegel schauen. Dann bin ich mal überrascht, mal geschockt, mal belustigt.«

Philipp Hochmair, Schauspieler

Sind sie gern alleine?
Auch, aber ich liebe es, wenn sich so spontane Formationen ergeben, in denen man kreativ
sein kann. Dazu gehört auch das Jammen mit Musikern. Mit gefällt es, wenn am Ende etwas rauskommt, das man noch nicht kannte und das irgendwie sinn­voll ist. Vielleicht ist das
meine Form von Freiheit, dass ich mich dem hingeben kann. 

Sie sind beruflich extrem viel unterwegs und haben sich selbst einmal als Extremnomade bezeichnet.
Ich bin nicht wirklich sesshaft. Aber das macht nichts. Ich wohne in meinem silbernen Rimowa-Koffer. 

Was ist da drin?
Kostümteile und kleine Requisiten, ein Megafon, um spontan jederzeit performen zu können. 

Und wo fühlen Sie sich zu Hause?
In diesem Rimowa-Koffer.

»Ich bin nicht wirklich sesshaft. Aber das macht nichts. Ich wohne in meinem silbernen Rimowa-Koffer.«

Philipp Hochmair, Schauspieler

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