© Julia Stix

New Art Hotels: Ein Blick hinter die Kulissen

Immer mehr Hotels setzen auf Kunst. LIVING hat sich in den originellsten Kunst-Refugien umgesehen und mit Maler und Trend-Vorreiter Andreas Reimann über die Sinnlichkeit von Hotelzimmern gesprochen.

25 . April 2017 - By Michael Pech

Jener Künstler, dessen Werke seit bald 20 Jahren das weltbekannte Kölner Designhotel »Savoy« prägen, arbeitet selbst in gänzlich unluxuriösen Verhältnissen: Der Österreicher Andreas Reimann ist mit seinem Atelier vor Jahren hi­naus aufs Land nach Neusiedl gezogen. »Eine Bruchbude war das früher«, sagt ­Reimann. Liebevoll hat er sich hier seinen Arbeitsplatz erschaffen. Durch die Fenster sieht man hinaus auf Felder, und bei gutem Wetter reicht der Blick bis zum Neusiedler See. Von der Galerie überblickt man des Künstlers Schaffen. Bob Dylans Stimme krächzt aus dem CD-Player. Unvollendete Bilder warten auf neue Geniestreiche ihres Meisters. Hinten in der Ecke lehnt ein gerahmtes Poster von Tina ­Turner mit persönlicher Widmung. Damit hat alles begonnen …

Der Künstler: Andreas Reimann startete sein Schaffen vor 30 Jahren mit einem Tina-Turner-Porträt. www.andreas-reimann.com

© Julia Stix
LIVING: Das Bild mit Tina Turners Gesicht war Ihr erstes Werk dieser Art und gleich ein Erfolg. Wie kam es dazu?

Andreas Reimann: Ich wollte es ihr eigentlich ganz offiziell überreichen, das wurde aber leider abgelehnt. Dann habe ich das Bild 1987 einfach mit zu ihrem Konzert in Columbia genommen und es im Publikum unter 15.000 Zusehern hochgehalten. Tina hat die Show gestoppt, das Bild auf der Bühne präsentiert und sich später sogar noch mit mir getroffen. Auch wenn es von da an noch ein harter Weg werden sollte, der erste Schritt war getan. Ich habe gespürt, wofür mein Herz schlägt.

Gesichter als markante Merkmale prägen auch Ihre Arbeit für das Hotel »Savoy«. W­as macht den Reiz dieses Zugangs aus?

Wenn ein Gast ankommt und das Zimmer betritt, soll er sich nicht alleine fühlen. Deshalb ist es immer gut, Gesichter oder Figuren in die Bilder einzubauen. Das ist auch die Philosophie der »Savoy«-Gastgeberin Gisela Ragge. Aber das allein genügt noch nicht. Der Reiz an diesem Hotel ist, dass die Zusammenarbeit nun schon so lange währt. Die besondere Attraktivität entsteht, weil nichts aus einem Guss ist und es gerade dieser Zustand ist, der das Gesamtkunstwerk im »Savoy« ausmacht.

Wie gelingt es Ihnen, Räume sinnlich und trotzdem spannend zu gestalten?

Sinnlichkeit kann man durch starke Farben ausdrücken, die man in den Bildern einsetzt. Rot zum Beispiel oder Türkis und Gold besitzen einen zeitlosen Glanz. Das lässt sich dann auch in den Möbeln und Stoffen weiterführen. Und für die Spannung darf man ruhig mit Übertreibung arbeiten. Hier eine große Vase, dort ein extremer Spiegel oder eine überdimensionierte Statue. Was einem in den eigenen vier Wänden vielleicht bald zu viel wird, ist in Hotels möglich: ein Überangebot an Übertreibung.

Aus dem Living Magazin 02/2017.

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