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Hauptsache raus aus der Stadt? Nein, nicht ganz. Denn die Österreicher:innen definieren ganz genau, wo sie wohnen wollen.

07 . April 2022 - By Walter Senk

Jedes Land hat seine eigenen landschaftlichen Reize und bei Österreich sind es nun einmal die Berge und die Seen. Sie ziehen Menschen in ihren Bann, und der Drang, dort wohnen zu wollen, hat sich seit März 2020 augenscheinlich verstärkt. Seit der Coronakrise sind Immobilien in heimischen Zweitwohnsitzgebieten so beliebt wie zuletzt in den 80er-Jahren. »Im Premiumsegment sind es primär Villen rund um die Seengebiete sowie Bergchalets in Skiregionen, wo wir einen Anstieg der Nachfrage von über 50 Prozent verzeichnen«, erklärt Bernd Gabel-Hlawa, Co-Gründer von FindMyHome.at Premium Living. Während solche Liebhaberprojekte bei Preisen zwischen zwei und fünf Millionen Euro vor der Pandemie oft bis zu drei Jahre verfügbar waren, sind sie mittlerweile nach wenigen Wochen vom Portal verschwunden.

Wohnen, wo man Urlaub macht

Die Nachfrage zieht sich über ganz Österreich, wobei sich zeigt, dass speziell die ohnehin im Fokus der Aufmerksamkeit stehenden Regionen besonders anziehend sind. So ist es nicht verwunderlich, dass die Menschen in einer der größten Tourismusregionen, Schladming-Dachstein, Immobilien suchen. Harald Martich, Geschäftsführer von Engel & Völkers Graz: »Insbesondere Ferienimmobilien sind in dieser Region sehr gefragt. Hier übersteigt die Nachfrage das Angebot.« Einfamilienhäuser werden zu Spitzenpreisen von bis zu rund zwei Millionen Euro verkauft. Auch das Salzkammer­gut erfreut sich nicht nur im Winter immer größerer Beliebtheit, ergänzt sein Kollege Mark Hüsges, Geschäftsführer von Engel & Völkers Salzburg: »Durch die einzigartige Lage zwischen den Alpen und dem Alpenvorland bietet diese Region opti­male Voraussetzungen.« In guten und sehr guten Lagen liegen die Häuserpreise hier ­häufig deutlich über einer Million Euro. Über die Region Kitzbühel braucht man keine ­weiteren Worte zu verlieren. Der Ort selbst ist ungeschlagener »Preisweltmeister«. Exklusive Eigentumswohnungen kosten hier in sehr guter Lage generell mehr als 15.000 Euro pro Quadratmeter.

»In den letzten Monaten hat sich verstärkt gezeigt, dass mehr und mehr unserer Kund:in­nen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz nach Kärnten ziehen möchten«, erklärt Alexander Tischler, Geschäftsführer von ATV-Immobilien. »Viele haben das Ziel hier in Kärnten auch einen Hauptwohnsitz zu begründen oder zumindest mehrere ­Monate im Jahr hier zu leben und von hier aus zu arbeiten.« Gesucht werden Eigentumswohnungen mit drei bis vier Schlafzimmern beziehungsweise Wohnhäuser – vorzugsweise natürlich an den Seen oder in den Bergen. »Ob eine Seeresidenz mit großer Terrasse, ein wunderbares Penthouse in Seeblicklage, ein Naturjuwel mit eigenem See oder ein Landsitz nahe Velden«, preist Tischler die Möglichkeiten im südlichsten Bundesland an. Wobei der Wörthersee als Nachfrage-Hot-Spot nicht neu ist. Laut den Grundbuchexperten von IMMOunited gab es rund um Österreichs berühmtesten See von 2016 bis 2020 die gesamt höchste Transaktionssumme, was natürlich auch mit den hohen Immobilienpreisen zu tun hat.

Betrachtet man die Seelagen, so gab es die größte Preissteigerung bei Wohnimmobilien mit 97 Prozent allerdings rund um den ­Neusiedler See. Das ist auf die zahlreichen Bauträgerprojekte rund um den See zurückzuführen, die verstärkt Kund:innen aus Wien angezogen haben. Diese waren ­zumeist in den letzten zwei Jahren auf ihre Wohnungen angewiesen und haben sich daher verstärkt ins Umland orientiert. ­Vorerst als Zweitwohnsitz, aber dank Home­office spekulieren immer mehr, auch hier länger zu wohnen.

Wohnen Neben der Piste

Nicht nur am See. Rund um die Bundeshauptstadt boomen auch die nahe gelegenen Skidestinationen, »allen voran Mariazell, Puchberg am Schneeberg, Hochkar, ­Semmering und Hochficht«, weiß Bernd Gabel-Hlawa mit einem Blick auf die ­FindMyHome.at-Datenbank. Dieser Aufschwung führt dazu, dass diese Orte wiederbelebt werden. Man besucht eben nicht die Gegend, um einen paar Tage Ski zu fahren, sondern um dort auch zu leben. Wer aber meint, dass sich »ländliche Regionen« nicht für Luxus eignen, der irrt gewaltig. Selbst die Luxuskäufer:innen drängten – auch coronabedingt – aufs Land. Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von RE/MAX Austria: »­Allerdings ist Luxus ’regional’. Häufungen finden sich in wenigen Hot Spots mit Topwintersport wie den Gebieten um Kitzbühel, Lech/Zürs, St. Anton, Zell am See, in Gebieten mit malerischen Seen wie dem Wörthersee, dem Bodensee und im Salzkammergut.« Mittlerweile ist die Nachfrage dermaßen gestiegen, dass Wohnungen und Häuser in den topplatzierten Regionen Mangel­ware sind.

Auch für Luxus ist gesorgt

Wer einen Hauch von Luxus sucht – in Österreich ist das ebenfalls kein Problem mit den so genannten Tiny Chalets. Umgeben von den Bergen bieten die gemütlichen Refugien mit Kaminfeuer und Altholzarchitektur ein authentisches Hüttenflair auf 40 bis 75 Qua­dratmeter Wohnfläche. Ein wenig Luxus darf es auch in den Bergen und an den Seen sein.

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