© Courtesy of Roland Hagenberg

My City: Architektonischer Rundgang durch Tokio

Roland Hagenberg, Autor und Fotograf, lebt seit 25 Jahren in Tokio. LIVING zeigt er seine persönlichen Architektur-Highlights der Metropole.

29 . Juli 2021

Wenn Reisende aus dem Westen drei bis vier Tage in Tokio bleiben, glauben sie anschließend, drei oder vier Wochen in der Stadt gewesen zu sein, so überwältigend ist die Flut an Eindrücken und Gegensätzen. Dabei ist der modernen Architektur die traditionelle, japanische Seele erhalten geblieben.

Wie etwa bei Ryue Nishizawas »Garden and House« – ein vier Meter breites, vierstöckiges Wohngebäude aus Beton und Blumentöpfen. Eingezwängt ist der Bau des Pritzker-Preisträgers zwischen Wolkenkratzern. Selbst hier soll der Natur eine Chance gegeben werden, wenngleich fast hoffnungslos. Für Architekten ist jede Nische eine Herausforderung. Denn um zu überleben, müssen Geschäfte, Firmensitze und Restaurants in Tokio unvergesslich bleiben – schon beim ersten Eindruck. Sie locken mit Gediegenheit, Humor oder Stolz, sie machen uns nostalgisch, sehnsüchtig oder neugierig.

Für den taiwanesischen Ananaskuchenhersteller Sunny Hills hat Kengo Kuma (er baute auch das Olympiastadion für die verschobenen Sommerspiele 2020) überdimensionale Stäbchen wie bei einem Mikado-Spiel aufgetürmt. Im Inneren fühlt man sich geborgen wie in einem Baumkronennest. Kerry Hill Architects haben im Wolkenkratzerviertel Otemachi eine Oase aus Felsen, Baum, Teich und Duft gebaut.

Im Shinjuku Park Tower, wo einst Sofia Coppola »Lost in Translation« drehte, wächst im 43. Stock ein Bambuswäldchen. Von hier fällt der Blick auf die untergehende Sonne über dem Fujiyama und im Osten auf Wolkenkratzer, die bei Erdbeben schwingen wie – ja, wie ein Bambuswald. Hier sollte man an der Bar am letzten Reisetag mit einem Cocktail »Sayonara« sagen.

Roland Hagenberg

Roland Hagenberg© Courtesy of Hagenberg

Roland Hagenberg
Der Autor und Fotograf (geb. 1955) lebt seit 25 Jahren in Japan. Seine Bücher über japanische Gegenwartsarchitektur sind in mehreren Sprachen erschienen. In Raiding, Geburtsort von Franz Liszt, errichtete er mit dem Japaner Terunobu Fujimori die experimentelle Unterkunft »Storchenhaus«.
www.hagenberg.com​​​​​​​

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LIVING Nr. 05/2021
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