© Angyalosi Beata

02 . August 2022 - By Redaktion

Sie ist vielleicht die ikonischste mitteleuropäische Stadt überhaupt. Ihre Bauten wie der Hradschin erinnern an Schlüsselmomente europäischer Geschichte, sie war jahrhundertelang ein Zentrum der jüdisch-europäischen Kultur, der Fluss in ihrer Mitte wurde von Friedrich ­Smetana musikalisch verewigt. Doch Prag ist nicht nur ein Fall für Historiker:innen, wenn es um Architektur geht. Denn die Tschecho­slowakei der Zwischenkriegszeit war ein hochmoderner Staat, der die Moderne (wenn auch weniger enthusiastisch als der Rivale Brünn) ins Stadtbild integrierte. Hier findet sich mit der Villa Müller ein Meisterwerk von Adolf Loos, und Josef Plečnik veredelte nicht nur den Burgkomplex, sondern schuf 1932 mit der Herz-Jesu-Kirche auch einen der großartigsten Sakralbauten des 20. Jahrhunderts.

LANDMARKS

»Es wäre toll, wenn man hier auch in Zukunft so schön und günstig wohnen könnte wie gestern.«

Die zu Unrecht geschmähte Architektur der sozialistischen Ära hinterließ ebenso Ikonisches wie den Hauptbahnhof oder das Nationaltheater. Für den 32-jährigen Architekten Jakub Nakládal ist vor allem der Wohnbau seiner Heimatstadt ein Gebiet, das er forschend untersucht. Er kennt die versteckten Schätze wie das »Rote Haus« aus dem Jahr 1923, einen städtischen Wohnblock, der von Rudolf Hrabě und der Feministin Františka Plamínková geplant wurde und an die gleichzeitig entstandenen Bauten des Roten Wien erinnert. Ein Ideal, das die Stadt, die sich (etwa mit dem geplanten Neubau der Philharmonie) heute wieder in schicke Kleider gewandet, nicht vergessen sollte, sagt Nakládal. Damit man in Prag auch weiterhin wohnen kann – und es nicht zu einem Museum wird.

Jakub Nakládal Neben seiner hauptberuflichen Arbeit als Architekt in Prag widmet sich Jakub Nakládal als Forscher dem leistbaren Wohnen und ist Mitglied der beiden Plattformen »re-set« für sozial-ökologischen Wandel und »Paměť města«, die die Veränderungen der tschechischen Hauptstadt kritisch begleiten. re-set.cz

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