© Frauscher

Seen und Binnengewässer sind oftmals stark beschränkt, aber Werften und Bootsbauer liefern dank großer Fortschritte bei Batterien und Antriebstechnik neue, kraftvolle und naturschonende Lösungen. Mit modernen Elektrobooten wird aus dem lauten Motorbootspaß von einst ein leises Gleitvergnügen samt gutem Gewissen.

06 . Juli 2022 - By Moritz Weinstock

Wo der Mensch auf die Natur trifft, ist der Konflikt vorprogrammiert und der Schutz des vermeintlich Wehrlosen wichtig. Für Seen und Binnengewässer gibt es deshalb ein genaues Regelwerk, das Grenzen aufzeigt und so für den Erhalt empfindlicher Ökosysteme sorgt. Ausgewiesene Stellen erlauben oder verbieten Badegästen, Spaziergänger:innen und Sommerfrischler:innen das Baden, Liegen, Angeln, Wandern, Sporteln oder Kampieren. Nimmt man den Boots- und Schiffsverkehr mit dazu, wird es jedoch deutlich heikler. Was die Straßenverkehrsordnung zu Land ist, ist die Seen- und Fluss-Verkehrsordnung zu Wasser. Das zuständige Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie stellt hierin genau dar, was auf Seen und Flüssen in Österreich zulässig ist, wobei gesonderte Regeln in den jeweiligen Bundesländern und deren Gewässern gelten. 

Neben dem Burgenland und dem Neusiedler See und Teilen von Kärnten erlaubt etwa nur das Land Vorarlberg grundsätzlich den Betrieb von motorisierten Booten auf Seen, hier etwa auf dem Bodensee. In Oberösterreich gibt es Ausnahmen, beispielsweise den Wolfgangsee, den Mondsee, den Attersee oder den Traunsee, wobei auch diese Gewässer nicht ganzjährig mit Motorbooten befahren werden dürfen. Fast möchte man meinen, es bliebe nur die Donau für den grenzenlosen Motorbootspaß, denn auch auf Inn, Salzach, Mur, Enns, Drau und vielen anderen Flüssen gibt es klare Motorbootverbote.

Ruhig auf rauer See Ob See oder Küstenregion: Elektroboote haben heute genügend Dampf, um lässig durch die Wellen zu pflügen. magonisboats.com

© Magonis

LEISE UND UMWELTFREUNDLICH

Auf dem Starnberger See geht es gemütlich zu, denn nur sehr wenige Privilegierte besitzen das begehrte Recht des Betriebs eines Motorboots auf dem bayerischen See. Glück hat, wer über so eine Lizenz verfügt. Für Christoph Ballin und Friedrich Böbel gab es dieses Glück nicht. Statt den Behörden eine weitere Erlaubnis abzuringen, mussten sich der ehemalige Gardena-Manager und der promovierte Physiker neu orientieren. Mit Erfolg! Aus dem Wunsch nach einem Boot auf dem See ihrer Heimat gründeten sie das Unternehmen Torqeedo, das heute zu den Weltmarktführern von elektrischen Antriebssystemen für Boote zählt. Achtzehn Jahre Forschung und Entwicklung stecken mittlerweile in Torqeedo, dessen Name sich aus den englischen Begriffen »torque« (Drehmoment) und »speed« (Geschwindigkeit) zusammensetzt und das seit 2017 Teil der Deutz AG ist.

Cleanes Cockpit Boote habe ein Steuerrad und manchmal sieht es kaum anders aus, als das eines flotten Sportwagens. randboats.com

© Rand Boats

Mit über 200 Mitarbeiter:innen an vier Standorten wird klar: Nicht nur in der Automobilbranche vollzog sich in den letzten Jahren eine Trendwende hin zum Elektroantrieb. Auch moderne Boote setzen auf Strom, wie beispielsweise der Luxusboote-Hersteller Frauscher Boats aus Gmunden am Traunsee, dessen Elektroboote mit Torqeedo-Motoren fahren. Dabei ist das Antriebssystem Elektro für das Traditionsunternehmen gar nicht neu, verrät CEO Stefan Frauscher: »Für unsere Marke ist der Elektroantrieb nicht neu, sondern seit über 60 Jahren Realität. Was sich in den letzten Jahren verändert hat, ist, dass durch die Entwicklungen am Batteriesektor auch stärkere Elektroantriebe mit höheren Reichweiten möglich werden. Im Bootsdesign entstehen ganz neue Möglichkeiten, weil die Bauform der Motoren deutlich kleiner ist als bei Verbrennungsmotoren.«

Schickes Nordlicht Die schwedische Firma X Shore setzt voll auf Elektro und ein Design, das so reduziert wie die Landschaft ist. xshore.com

© X Shore

STILVOLL GLEITET DAS E-BOOT

Neben seinen klassischen Motorbooten bietet Frauscher mittlerweile »fünf verschiedene Elektroboote zwischen 6,1 Meter und 8,3 Meter« an. Und der Luxus kommt nicht zu kurz: »Sonnenschutz, Liegefläche, Kühlschränke, High-End-Hi-Fi-Systeme, Frischwasserduschen, verschiedenste Effektlackierungen genauso wie Bugstrahlruder, Navigationssysteme und vieles mehr können Kund:innen dabei mitbestellen.« Exportschlager ist die »650 Alassio«, die durch die ihre klassische Form besticht und je nach Motorwahl und Fahrweise bis zu 100 Kilometer Reichweite ermöglicht. Genug für die meisten Seen, aber zu wenig für das Meer? Wenn man nicht anders kann, als auf das Meer zurückzugreifen, müssen größere Batterien und kraftvolle Motoren her, die aber den Preis eines Elektroboots in die Höhe treiben.

»Unsere Kund:innen legen viel Wert auf Design, Fahreigenschaften und eine nachhaltige Produktion made in Austria.« – STEFAN FRAUSCHER, CEO Frauscher

Geheimversteck James Bond hätte an der Bodenluke im Cockpit der »650 Alassio« sicher genauso viel Freude wie am edlen Design. frauscherboats.com

© Frauscher

Rand Boats aus Dänemark fährt genau wie Frauscher zweigleisig, bietet also sowohl konventionell betriebene Boote als auch Elektroboote an, während X Shore aus Schweden oder auch Magonis Boats aus Spanien voll auf Elektro setzen. Zwar schaffen auch deren Boote keine Riesendistanzen – an Stil und Komfort fehlt es aber auch ihnen nicht. Design, Verarbeitungsqualität und Fahreigenschaften von Elektrobooten hinken ihren Vorgängern nicht hinterher, lediglich Reichweite und Ladeinfrastruktur sind ausbaufähig: »Grundsätzlich sind die Marinas in Österreich und Europa gut mit Ladepunkten ausgestattet. Die derzeit übliche Ladeinfrastruktur war aber nie für so große Antriebsbatterien gedacht, wie heute verbaut werden. Das treibt die Ladezeiten in die Höhe«, so Frauscher, wobei es nur eine Frage der Zeit bleibe, bis sich der Elektrotrend weiter ausbreitet. Für die Natur und den Motorbootspaß auf streng reglementierten Seen sind sie jedenfalls Option Nummer eins.

Volle Fahrt voraus Große Liegeflächen, schnittige Form und kein Laut, der das Dahingleiten stört. So geht Motorbootspaß heute. frauscherboats.com

© Frauscher

ERSCHIENEN IN

LIVING Nr. 05/2022
Zum Magazin

Für den LIVING Newsletter anmelden

* Mit Stern gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Anrede

Genuss – das ist zentrales Thema der Falstaff-Magazine. Nun stellen wir das perfekte Surrounding dafür in den Mittelpunkt. Das Ambiente beeinflusst unsere Sinneseindrücke – darum präsentiert Falstaff LIVING Wohnkultur und Immobilien für Genießer!

JETZT NEU 06/2022