© Wittmann

Luca Nichetto x Wittmann: »Die Zusammenarbeit war eine Ehre«

Das Leben im Zeitalter sozialer Distanzierung erfordert mehr als nur funktionale Sitz- und Liegemöglichkeiten. Mit seiner sorgfältig durchdachten Kollektion für Wittmann Möbel Werkstätten hat Luca Nichetto diesen Auftrag optimal umgesetzt. LIVING hat mit dem Designer gesprochen.

05 . November 2020 - By Katrin Ofner

Spezielle Möbelstücke sind gefragter denn je. Insbesondere jetzt, wo man aufgrund einer weltweiten Pandemie und damit verbundenem Lockdown vermehrt die Zeit in den eigenen vier Wänden verbringt. Die Wohnung wird zum Rückzugsort und bietet Schutz, aber sie soll auch ein Ort sein, an dem man Gesellschaft genießt und Quality-Time miteinander verbringt.

Für Wittmann Möbel Werkstätten hat der italienische Designer Luca Nichetto diese Bedürfnisse berücksichtigt und mit seinem charakteristischen außergewöhnlichen Auge für Formen, Linien, Proportionen und handgefertigte Details in der Andes-Kollektion umgesetzt. Das Ergebnis ist eine vielseitige Sammlung von Möbelstücken, die in einer Vielzahl von Konstellationen und als Reaktion auf eine Vielzahl von Stimmungen und Anforderungen angeordnet werden können.

Ein Gespräch mit Luca Nichetto

Luca Nichetto verbindet in seiner Kollektion geschickt die Opulenz des Klassizismus und die raffinierte Eleganz der Wiener Moderne, wobei das richtige Gleichgewicht zwischen Leichtigkeit und Komfort beibehalten wird. Die unvergleichliche Qualität der Materialien und der immense Detailreichtum in jedem der Elemente erzählen eine unverkennbare Geschichte von Handwerkskunst, die von Venedig und Wien beeinflusst ist.

LIVING hat den Designer, der in Venedig geboren wurde und mittlerweile in Stockholm lebt, zum Interview gebeten und gefragt, woher er seine Inspiration nimmt und wie wichtig Handwerkskunst in Zeit einer globalen Pandemie ist. 

LIVING: Die Andes-Kollektion zeigt eine neue Version klassischer und eleganter Salon-Möbel der Wiener Tradition. Was verbinden Sie mit Wiener Tradition?
Luca Nichetto: Rückblickend war Wien der Ausgangspunkt für alle Designer und das, was wir bis heute tun. Noch vor allen anderen Ländern lag der Fokus hier. Weil ich meine Arbeit liebe, ist es für mich wichtig, der Geschichte und der Entstehung meines Berufes Anerkennung zu geben. Es liegt mir auch am Herzen, der Design-Community zu zeigen, dass es nicht nur Mailand oder Paris gibt, sondern auch Wien ein wichtiger Ort dafür ist.

LIVING: Was verbinden Sie persönlich mit Wien?
Luca Nichetto: 
Ich kann nicht sagen warum, aber es gibt Orte, an denen man sich sofort zuhause fühlt. Wien ist einer dieser Städte für mich. Schon bevor ich mit Wittmann gearbeitet und vor Jahren Interrail gemacht habe, gab es eine spezielle Connection zu Wien. Es existieren auch Gemeinsamkeiten zu Venedig – etwa der Lifestyle und das Zeitgefühl. In Venedig läuft man nicht, wie etwa in Paris oder London, gestresst durch die Straßen von einem Termin zum nächsten. Auch in Wien lässt man sich nicht aus der Ruhe bringen. Daneben natürlich auch die Musik, die Kunst, die Museen – Wien hat so viel Schönheit zu bieten.

LIVING: Wie war es für Sie als italienischer Designer mit einem österreichischen Unternehmen wie Wittmann zu arbeiten?
Luca Nichetto: 
Die Zusammenarbeit mit Wittmann ist für mich etwas ganz Besonders. Das erste Unternehmen, das mein ehemaliger Professor Paolo Piva während meiner Studienzeit in Industrial Design in Venedig nannte, war Wittmann. Fast 20 Jahre danach genau diese Firma daran interessiert war, mit mir zu arbeiten, war eine Ehre.

Wie lange wurde an der Andes-Kollektion gearbeitet?
Luca Nichetto: 
Nach zwei Jahren harter Arbeit können wir endlich diese tolle Kollektion auf den Markt bringen. Ich bin wirklich sehr glücklich darüber.

LIVING: Wittmann ist bekannt für Tradition und Handwerk. Wie stehen Sie in Verbindung dazu?
Luca Nichetto: Die große Liebe zu Handwerkskunst habe ich von meiner Herkunft. Ich bin geboren und aufgewachsen in Murano, die kleine Insel neben Venedig, die international für ihre Glas-Kunst bekannt ist. 99 Prozent meiner Freunde und Familie sind involviert in der Glas-Industrie. Designer zu werden, lag auf der Hand.

»Das traditionelle Handwerk ist unser Erbe«

LIVING: Momentan leben Sie in Stockholm. Welchen Einfluss haben ihr Geburtsort und ihre derzeitige Heimat auf ihr Design?
Luca Nichetto: Gute Frage! Es sind zwei verschiedene Kulturen. Während meiner Zeit in Italien dachte ich, dass jedes meiner Möbelstücke ein Icon werden muss. Als ich dann nach Schweden zog, merkte ich, dass man hier eher auf Funktionalität Wert legt und extravagante Produktionen hier nur selten eingegangen werden. Für meinen Design-Prozess habe ich die unterschiedlichen Aspekte der Länder miteinander verbunden und für mich eine Balance geschaffen: Die Idee des italienischen Designs, Empathie mit dem User zu erzeugen, in Einklang mit der Funktionalität und Zeitlosigkeit des skandinavischen Designs zu bringen.

LIVING: Das Herzstück der Kollektion ist das Andes-Sofa. Was zeichnet es aus?
Luca Nichetto: 
Die Ambition bei der Entstehung des Andes-Sofa war, es für jeden Lebensstil und Wohngröße kompatibel zu machen. Dass sich das Möbelstück an unterschiedliche Gegebenheiten anpasst. Aber auch die inneren Werte, die man nicht direkt sieht, standen beim Design-Prozess und der Herstellung mit Wittmann im Fokus. Das traditionelle Handwerk in Verbindung mit Design ist sehr wichtig, da es unser Erbe ist und wir als Designer in der Verantwortung stehen, dies zu erhalten. Aufgrund der hohen Qualität bei der Herstellung ist das Andes-Sofa ein Produkt, an dem man eine sehr lange Zeit Freude hat.

LIVING: Worauf lag der größte Fokus beim Design?
Luca Nichetto: Einerseits habe ich darüber nachgedacht, was Wittmann mit der Kollektion aussagen will. Andererseits wollte ich ein Produkt entwerfen, dass sich aufgrund seiner Modularität sowohl in einer großen Villa in Los Angeles, in einer Wohnung in Wien als auch in einem kleinen Apartment in Tokio einfügt. Gemeinsam haben wir uns die Bedürfnisse unterschiedlicher Länder und Kulturen angesehen und diese miteinander kombiniert. Im deutschsprachigen Raum sind etwa die Sitze höher und die Form eines Sofas nicht so groß, wie etwa in Südeuropa oder Nordamerika. Diese Länder lieben übergroße Lounge-Bereiche.

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LIVING: Woher nehmen Sie die Inspiration?
Luca Nichetto: Als Designer habe ich ein praktisches Denken. Mit meinen Entwürfen versuche ich Problemlösungen zu finden. In Bezug auf Andes war es ein modulares Sofa. Und gleichzeitig bin ich eine Art Direktor, der Zutaten zusammenmixt, um das beste Gericht zu kreieren. Bei Andes waren das Geschicklichkeit, Referenzen und Inspiration durch Hoffmann. Ich wollte vor allem die Geschichte und die Handwerkskunst von Wittmann mit meinen Designs unterstreichen.

LIVING: In der Andes-Kollektion befindet sich auch ein Side-Table mit einem Murano-Element. Murano und Wittmann teilen die Leidenschaft fürs Handwerk. Wie wichtig ist diese Kunst in solch schwierigen Zeiten, wie wir sie gerade haben?
Luca Nichetto: ​​​​​​​Die Inspiration zum Murano-Fuß kam von einer Vase, die Hoffmann einst designte. Ich habe mir gedacht, dass sie auch als Basis für einen Tisch perfekt passen würde. Am Anfang dachte ich bei der Herstellung an Lobmeyer, da die Verbindung zu Wittmann passen würde. Doch ich komme aus Murano und da liegt es auf der Hand, das Murano-Glas in die Kollektion einzubinden. Zumal Handwerkskunst für mich der Schlüssel für die Zukunft ist. Die Kunden kaufen bei der Andes-Kollektion nicht nur ein Sofa, sondern auch Geschichte und ein wichtiges Vermächtnis. Jahrelange Erfahrung und kulturelle Einflüsse stecken darin. Und wir müssen den Menschen beibringen, diese wichtigen Elemente zu verstehen.

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