© Elsa Okazaki

Während ihres Studiums erkannten Roswitha Schuller und Markus Hanakam die Vorteile eines kollaborativen Studios und wie gut sie als ebensolches funktionieren. Als Kunstduo Hanakam & Schuller gestalten die beiden seit fast 20 Jahren die Regelwerke der bildenden Kunst um und erschaffen in Videos und Objekten unkonventionelle Arrangements und neue Weltentwürfe.

14 . Juni 2022 - By Amelie-Catharina Bacher

LIVING Seit beinahe 20 Jahren arbeiten Sie im Team – wie kam es dazu?

Hanakam & Schuller Wir haben uns während unseres Studiums an der Angewandten kennengelernt. Unsere Klasse war sehr aktiv in Projekten wie beispielsweise Kunst im öffentlichen Raum oder auch Wettbewerben engagiert, dabei war auch Teamarbeit ein großes Thema. Wir haben in verschiedenen Teamkonstellationen gearbeitet und fanden das gut, uns hat der Gedanke eines kollaborativen Studios, wie er bei den angewandten Gestaltungsbereichen gängig ist, von Beginn an gefallen. Schlussendlich haben wir uns im Laufe unserer Studien als Duo aus den Kollaborationen herausgeschält.

Arbeiten Sie beide immer im Team oder auch an eigenen Projekten?

Wir arbeiten künstlerisch ausschließlich im Duo und gerne auch in erweiterten Kollaborationen. Dabei mögen wir den Austausch mit Architektur und Design, wie unsere aktuelle Kollaboration mit dem Architekturstudio Current Interests aus Los Angeles oder unsere Kooperation mit Lobmeyr im Rahmen der Design Week 2018.

Gibt es einen Leading Part im Team oder agieren Sie beide gleichberechtigt?

Generell gibt es für uns keine »Leitung« innerhalb des Studios, gleichzeitig sind aber auch nicht alle Arbeitsbereiche paritätisch aufgeteilt. Wir sind es auch durch unsere Arbeitserfahrungen im Filmbereich gewöhnt, arbeitsteilig an Projekte heranzugehen und auch Aufgaben zu verteilen, bei eigenen Filmprojekten erweitert sich auch das Team für die Projekt- oder Drehzeiten.

Mit welchem Projekt ist Ihnen der Durchbruch gelungen?

Das ist eine Definitionsfrage, für uns ist nach wie vor unser erster Realkurzfilm, »Road Movie« (2009), sehr wichtig. Während des Studiums hatten wir vorwiegend mit Animation und interaktiven Programmen gearbeitet, während des halbjährigen Aufenthalts in Los Angeles (2008/2009) mit dem MAK-Schindler-Stipendium haben wir diese Praxis zum Kurzfilm geshiftet. Der Film ist auch als erste Arbeit von uns auf Festivals gelaufen. Wichtiger für uns ist aber, dass wir mit »Road Movie« eine spezielle Ästhetik oder, besser, eine Arbeitspraxis für uns entwickelt haben, unsere Objekte und Artefakte in eine bewegte Erzählform mit Sprache und Darsteller:innen zu bringen. Die Arbeit ist vielleicht so etwas wie ein Leitmotiv für uns, auch wenn wir mittlerweile die kinematografische Ebene stark weiterentwickelt haben und spätere Arbeiten auch häufiger und international ausgestellt haben.

Schaffen Sie es, Arbeit und Privatleben zu trennen, oder sind die kreativen Synergien durchgehend am Fließen?

Da geht es uns wohl ähnlich wie allen ­Kolleg:innen in der Selbstständigkeit, die Arbeit ist schon durchgängig präsent. Wobei bei der Studioarbeit natürlich auch Tätigkeiten anfallen, die nichts mit der kreativen Arbeit zu tun haben und von denen wir gut Abstand nehmen können. Aber Projektentwicklung, Gestaltungsthemen, das nimmt man schon sprichwörtlich häufig auch »mit ins Bett«

Einblicke Installationsansicht der Ausstellung »Cosmic Commissioner« im MAK Center Los Angeles. Zu sehen bis 3. Juli 2022.

© Hanakam & Schuller

Sie haben beide unter anderem Bildhauerei studiert – wie kam es zu dem jetzigen starken Fokus auf den digitalen und den Videobereich? Ist Video die Zukunft im Kunstbereich?

Über die Zukunft verschiedener Medien oder Strategien in der bildenden Kunst ist schon vieles falsch prophezeit worden, da möchten wir uns nicht einreihen. Tradierte Medien werden immer fortbestehen, sie sind ja auch in großen Museen und Sammlungen präsent. Video gehört längst zu einem solchen ­tradierten Medium, wobei die Konservierung und Speicherformen neuartiger sind. Wir denken, Kunst wird immer die jeweilige historische Gegenwart in ihren Medien reflektieren, in unserer digitalen Gegenwart ist es da ganz selbstverständlich, dass auch Kunst digital erzeugt und gezeigt wird. Allerdings haben wir auch sehr viel Freude damit, die Grenzen zwischen physikalisch und digital auszuloten, Arbeiten zu übersetzen und digitale Prozesse in den Objektbau zu bringen. Wir hatten in unserem letzten Film »The Moist Cabinet« Farbtafeln aus hochreflektierender Folie in einer Szene im Schwarzwald, da verschwimmt die Grenze von realem Objekt und digitaler Montage, von Effekten oder Inserts, wie wir sie aus der Bildproduktion in sozialen Netzwerken kennen, Effekten, Filtern.

Gerade Videodrehs müssen meistens sehr gut geplant sein – wie schaffen Sie es, dass genügend Raum für Spontanität und Kreativität bleibt?

Die Produktionen werden anspruchsvoller und wir arbeiten bei Drehs auch in größeren Teams. Einen großen Anteil in der Vorbe­reitung nehmen Location Scouting und Objektproduktion ein. Unsere Szenen und Handlungen mit Darsteller:innen sind fast immer improvisiert, wir drehen auch kaum Material, das nicht verwendet wird, im Gegensatz zum konventionellen Film

Roswitha Schuller studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien Kunst- und Designpädagogik und anschließend Bildhauerei und Multimedia.

Markus Hanakam studierte ebenfalls Kunst- und Designpädagogik sowie Bildhauerei und Multimedia. Seit 2004 arbeiten Schuller und er im Team.

© Elsa Okazaki

Neben Ihrer künstlerischen Tätigkeit sind Sie auch als Kurator:innen tätig – wie ist hier Ihre Herangehensweise?

Eine kollegiale. Wenn wir kuratorisch arbeiten, zeigen wir gerne Kolleg:innen, die uns inspirieren, mit denen wir über Reisen oder verschiedene Artist-in-Residence-Programme verbunden sind. Oder wir möchten damit auch Positionen kennenlernen, die wir spannend für eine spezifische Thematik finden.

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es sind sicherlich unsere Auslandreisen und Aufenthalte für Dreharbeiten, die uns schon in ganz abgelegene Gegenden wie Jakutien oder auch in Metropolen wie Los Angeles, Tokio, Paris geführt haben. Wir mögen beides sehr gerne.

Was sind Ihre weiteren Pläne? Können Sie sich vorstellen, wieder komplett zurück zu etwas Haptischem wie der Bildhauerei zu gehen, oder liegt Ihre Zukunft im digitalen Bereich?

Wir entscheiden uns je nach Projekt für sein spezifisches Medium, da schränken wir uns gar nicht ein. Uns interessieren haptische Materialien genauso wie ihre digitale Simulation oder ihre Virtualität, ihre Wertigkeiten im Kontext. Derzeit sind wir in der Vorbe­reitung für eine digitale Strategie, »Palaces & Courts«, die praktisch ein Re-Enscriptment einer historischen (Welt-)Ausstellung ist und sich im Herbst auch im Rudolfinum in Klagenfurt materialisieren wird. Außerdem setzen wir auch ein lang geplantes NFT-Projekt um. Gleichzeitig werden wir das Frühjahr aber in einem Atelier in Gmunden verbringen, wo wir sicherlich auch wieder an nicht Digitalem arbeiten werden.

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