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Das Smart Home macht dank Vernetzung das Leben bequemer. Die Vielzahl an Systemen erschwert allerdings die Auswahl.

24 . Februar 2019 - By Robert Prazak

Mit vollen Einkaufssackerln den Hausschlüssel suchen, umständlich die Tür aufsperren, den Lichtschalter ertasten, ins eiskalte Wohnzimmer stolpern, die Jalousien herunterlassen, rasch die Waschmaschine starten, das Radio einschalten, die Kaffeemaschine anwerfen. Das alles wäre nicht nötig, würde man auf die Segnungen eines Smart Home zurückgreifen. Smart Home? Richtig, dieser Begriff geistert schon seit Jahren durch die Gegend. Die teils fantastischen Versprechen konnten allerdings kaum erfüllt werden – da war zum Beispiel von Kühlschränken die Rede, die Waren selbst bestellen. Die gute Nachricht: Heute ist das Smart Home mit einer Vielzahl praktischer Möglichkeiten längst Realität. Ein paar Beispiele gefällig?

  • Jalousien und Lichter werden automatisch zu einer vorgegebenen Zeit oder bei Dämmerung beziehungsweise Lichteinfall aus- und eingeschaltet. 
  • Die Heizung kann von unterwegs auf die gewünschte Temperatur programmiert
  • werden, damit es abends angenehm warm ist. Wenn das Fenster gekippt wird, schaltet sich der Heizkörper darunter von selbst aus.
  • Sicherheitskameras übermitteln Bilder aufs Handy, so kann auch im Urlaub überprüft werden, was sich daheim tut.
  • »Bitte die Kaffeemaschine einschalten« – mittels Sprachbefehlen lassen sich diverse Geräte im Haushalt bequem vom Sofa aus steuern.
  • Wer auf dem Weg in die Arbeit das dumpfe Gefühl hat, daheim irgendwas nicht abgedreht zu haben, kann via Smartphone einfach alle Steckdosen ausschalten. 
  • Weil der Stromtarif am Nachmittag am günstigsten ist, wird die Waschmaschine mittels Handy so programmiert, dass sie genau zu dieser Zeit ihre Arbeit verrichtet.
  • Rauchmelder alarmieren Nachbarn oder Freunde, wenn die Familie gerade auf Urlaub ist.

Klingt verlockend? Ist es auch. Die Grundlagen für diese unterschiedlichen Anwendungen sind vielfältiger Natur: Es ist zunächst die Vernetzung der einzelnen Geräte via Internet (Schlagwort »Internet of Things«), außerdem der Einsatz kleiner, leistungsstarker Sensoren sowie eine neue Generation von Geräten, die sich damit auch wirklich kontrollieren und steuern lassen. Große Anbieter wie Bosch bauen ganze Ökosysteme auf, die dann sukzessive erweitert werden. Eine tragende Rolle werden dabei zweifellos die Internet-Giganten Google, Amazon und Apple spielen, die etwa dank ausgeklügelter Sprachsteuerung technologisch schon weit sind. Eine Frage ist in diesem Zusammenhang aber der Datenschutz: Wollen wir diese Konzerne tatsächlich tief in unser Privatleben hineinblicken lassen?

Aber zurück zu der praktischen Anwendung: Ein hervorragendes Beispiel für die Vorteile eines Smart Home liefert das junge Grazer Unternehmen Nuki Home Solutions, das smarte Türschlösser erzeugt. Mit dem Nuki Smart Lock lassen sich Eingangstüren mittels Smartphone oder Smartwatch öffnen – auf Wunsch auch aus der Ferne. Das System kann auf bestehende Schlösser einfach draufmontiert werden. 

Rund um das Smart Home ist jedenfalls ein beinharter Wettkampf ausgebrochen, den neben den traditionellen Anbietern auch neue Mitspieler bestreiten – so ist beispielsweise Möbelhändler Ikea mit einer eigenen Linie zur Smart-Home-Beleuchtung im Rennen. Auch die großen Mobilfunker haben in Österreich Angebote in diese Richtung parat, die unter anderem mit Sicherheitssystemen wie Alarmanlagen und Überwachungskameras kombiniert werden. Kein Wunder: Eine stabile Internet-Verbindung ist das Um und Auf, sollen Smart-Home-Lösungen wirklich einwandfrei funktionieren. Glücklich darf sich schätzen, wer bereits bei der Planung des Eigenheims die Grundlage für das kluge Wohnen legen kann. Anbieter wie das deutsche Unternehmen Gira haben da für Bauherren entsprechende System­lösungen – so können schon vorab die ge­wün­schten Funktionen konfiguriert werden. Die traditionsreiche Firma steht typisch für die Entwicklung des Marktes: Gebäudetechnik, einzelne Anwendungen in den Haushalten und komplette Smart-Building-Ansätze verschmelzen. 

Den ganz großen Durchbruch wird das Smart Home daher nicht nur durch die Vielzahl kleiner, praktischer Anwendungen schaffen, sondern erst durch die Einbindung in ein größeres System: Die Smart City, also die vernetzte Stadt, macht aus Einzelkämpfern sozusagen eine Massenbewegung. Die Seestadt Aspern, ein neuer Stadtteil im nördlichen Wien, gilt da als Musterbeispiel. Hier wird beispielsweise ausprobiert, wie sich Lüftung und Heizung mittels Smartphone-App steuern lassen und ob der Energieverbrauch dank flexibler Nutzung tatsächlich sinkt. Wenn sich solche Projekte bewähren, sollen Städte als Ganzes effizienter und umweltfreundlicher werden. Uns kann es nur recht sein – damit wir es daheim einfach bequemer haben.

Smart Home Guide

Energiefresser
Smart Meter sind ein Lieblingsthema der Energiewirtschaft, das seit Jahren propagiert wird, aber erst jetzt in der Praxis auf breiter Basis zum Einsatz kommt. Man versteht darunter intelligente Stromzähler, die Daten an den Netzbetreiber übertragen. Dadurch können Kunden jederzeit ermitteln, wie viel Strom sie verbrauchen. Die klugen Zähler sind auch Grundlage für eine Wende in Richtung erneuerbare Energie und dezentrale Versorgung, denn damit lassen sich unterschiedliche Energiequellen zur richtigen Zeit einsetzen. Und sie sollen das Haushaltsbudget entlasten – das allerdings hängt auch davon ab, wie energieeffizient das gesamte System ist und ob der jeweils günstigste Anbieter ausgewählt wird. 

Breitband-Netze
Die wichtigste Voraussetzung für ein Smart Home ist stabiles Breitband-Internet, mit dem die einzelnen Geräte und Systeme vernetzt werden und Daten rasch übermittelt werden können. Dabei ist nicht nur die Datenübertragung von außen in das Eigenheim wichtig, sondern auch im Haushalt selbst muss alles reibungslos funktionieren; 1 Mbit/Sekunde gilt hier als Mindeststandard. Weil immer mehr Wohnungen und Häuser mittels Mobilfunk ans Internet kommen, ist hier auf gute Weiterleitung in verschiedene Räume zu achten – das kann beispielsweise auch via Stromleitung erfolgen, oft als Powerline bezeichnet. Über ein sogenanntes Mesh-WLAN wiederum lassen sich die Übertragungsraten von Drahtlosnetzwerken in mehreren Räumen stabil halten.

Qual der Wahl
Das Angebot an Smart-Home-Lösungen ist inzwischen riesig: Von einzelnen Geräten wie steuerbarer Beleuchtung bis zu umfassenden Systemen für den ganzen Haushalt gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Käufer sollten allerdings darauf achten, dass die einzelnen Komponenten wirklich miteinander können, denn viele Hersteller haben proprietäre Produkte, diese sind also mit anderen nicht kompa-tibel. Wer das große Ganze sucht, sollte daher eher einen etablierten Anbieter wählen. Wichtig ist auch, ob sich das System nach und nach erweitern lässt und welche Partnerunternehmen (etwa Haushaltsgerätehersteller, Mobilfunker etc.) an Bord sind. 

LIVING Nr. 05/2018

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