© Adrianna Glaviano

Eine Hand aus Butter, ein Sessel aus Brioche: Die New Yorkerin Laila Gohar macht faszinierende Kunstwerke aus Lebensmitteln und ist damit nicht nur in Galerien, sondern auch in der Modewelt überaus gefragt.

12 . November 2021 - By Karin Cerny

Ist das Kunst, oder darf es weg? Bei den Arbeiten der New Yorkerin Laila Gohar stellt sich diese Frage nicht: Ihre Skulpturen aus Lebensmitteln sind zum Bestaunen da, aber gleichzeitig auch zum Verzehr ­gedacht. Sie sind Kunstwerke, sollen aber auch Menschen anregen, über sie zu reden und dann gemeinsam zu essen.

Hol den Hammer!

Wobei der Akt des Verspeisens selbst zu einer Inszenierung wird. Für die Eröffnung der Ausstellung »Comfort« in der Galerie ­Friedman ­Benda New York, hat Gohar einen Fauteuil entworfen, der komplett aus Brioche besteht. »Es hat mich interessiert, wie Kinder darauf reagieren«, sagt sie: »Jedes Kind lernt, dass es nicht mit Essen spielen soll. Und tut es trotzdem.« Spektakulär sind auch ihre Schokoladenbüsten, die bei der Ausstellung »Human Architecture« in Washington, D.C. gezeigt wurden. Im Laufe des Abends griffen die Gäste zu einem Hammer, um die Kunstwerke zu zertrümmern und zu probieren. 

Gohar möchte sich in keine Kategorie stecken lassen. Für die in Ägypten aufgewachsene Künstlerin ist Essen eine soziale Skulptur, die Menschen zusammenbringt. Ihre privaten Dinner in ihrem New Yorker Apartment sind legendär. »Mich faszinieren die Gefühle, die ums Essen herum bestehen«, sagt sie, »und die Vergänglichkeit des Materials.« Mittlerweile interessiert sich die Kunstwelt genauso für sie wie die Fashion-Crowd: Für den US-Launch des Parfums »Concrete« des japanischen Labels Comme des Garçons kreierte sie ein Abendessen, das mit der Form des Flacons und den Duftnoten des Parfums spielte. Für Tiffany & Co gab es eine imposante Skulptur aus 5000 Marshmallows und für die Eröffnungsparty der Galeries ­Lafayette 2019 eine Pyramide aus Shrimps. Für die Mailänder Möbelmesse ist 2019 eine aus gebündelten, getrockneten und gelierten Tomaten entworfene Installation entstanden, die herrlich süß duftete. 

Butter ist ein Material, mit dem sie besonders gern arbeitet. Immer wieder tauchen Hände auf, die ihre fettigen Finger in die Höhe strecken. Für die Art Basel Miami Beach wurden sogar Butterskulpturen kreiert, die Nase, Mund, Ohr und Auge von ­Michelangelos berühmter Büste David nachempfunden waren. Was sonst in Stein gehauen ist, wird bei Gohar weich und verformbar. Ein schöner Kontrast.

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LIVING Nr. 07/2021
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