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Kazuhide Takahama – Zen-Meister des Interior Designs

Knoll, Gavina, B&B Italia, Cassina – Die Liste der Firmen, für die der Designer Möbel und Leuchten entwarf, ist lang. LIVING blickt zurück auf das Leben und Schaffen des Meisters außergewöhnlicher Formen.

13 . April 2022 - By Moritz Weinstock

Architektur und Interior Design sind keine unterschiedlich voneinander zu betrachtende Gestaltungsgebiete. Sie gehen Hand in Hand miteinander. Es kommt daher nicht selten vor, dass sich Architekten auch mit Inneneinrichtung befassen und ihr gestalterisches Schaffen mit in die Häuser und Wohnungen hineinnehmen, die sie konstruiert haben. Beispiele dafür gibt es genug, man denke nur an die ganzheitlich gedachten sozialen Wohnungsbauten von Le Corbusier, die außergewöhnlich schwungvollen Gebäude von Zaha Hadid oder den minimalistischen Modern-Chic eines Charles Gwathmey.

Kaum anders entwickelten sich die Dinge bei dem 1930 auf der japanischen Insel Kyushu geborenen Kazuhide Takahama. Allerdings blieb er seiner Architekten-Ausbildung, die er von 1949-1953 an der Technischen Universität in Tokio absolvierte, im späteren Leben weitgehend fern. Was ihn viel mehr reizte, war die Gestaltung von Möbeln und Leuchten, mit der er es weit brachte. Ausschlaggebend für den Sinneswandel war der Besuch des Museums für italienisches Design in Mailand, die Triennale di Milano, im Jahr 1957, wo er auf Dino Gavina traf, den damaligen Chef von Simon International, das heute zu Cassina gehört. 

 

Kazuhide Takahama liebte nicht nur ruhige Formen. Als begeisterter Anhänger des Dadaismus und Surrealismus, entwarf er auch immer wieder Objekte, die mit dem Gängigen brachen, wie beispielsweise das Schalen-Set »Elmo«, das 1984 entstand. 

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Es entsteht eine lebenslange Zusammenarbeit, die dem japanischen Designer die Freiheit gibt, sich in radikalen Kunstströmungen wie Dadaismus und Bauhaus einen ganz eigenen Namen zu machen. 1957 entwirft Takahama das Schlafsofa »Naeko« für die italienische Marke Gavia. Nachdem er 1963 dauerhaft nach Bologna, Italien zieht, folgen in den darauffolgenden Jahren Sitzmöbel wie »Marcel«, »Suzanne« und »Raymond«, die er in Anlehnung an die Geschwister des Bauhaus-Architekten Marcel Breuer benennt, der auch als Erfinder des Stahlrohrmöbelbaus gilt. 

 

Zeitlos schlicht, die »Naeko« Stühle und das dazugehörige Sofa, die Kazuhide Takahama für den japanischen Pavillon zur 11. Triennale in Mailand entwarf, die 1956/57 stattfand. 

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Ungewöhnlicher sind die Designobjekte, die ab den 1970er Jahren entstehen, denn nun weitet Kazuhide Takahama sein künstlerisches Portfolio aus und begibt sich auch in die Kreise surrealistischer Formensprache. Ein Beispiel hierfür ist das zum Tisch aufklappbare Sideboard »Antella«, das er für Simon entwirft, die Beistelltische »Gea« oder die Stühle mit dem Modellnamen »Kazuki«, die wiederum für Gavina entstehen.

 

Mit Blick auf das Gesamtwerk von Kazuhide Takahama, der 2010 verstarb, muss vor allem die Klarheit der Formen hervorgehoben werden, die seine Möbel und Lampen ausmachen. Ihm ist es gelungen, die Brücke zwischen traditionell japanischem Design und dem Geist der Moderne zu schlagen. Ein Zen-Meister des Interior Designs.

 

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