© Fotos: Hans Adolfsson/Adolfsson & Partners

Immer mehr Unternehmen und Konzerne werten ihre ­Kantinen auf. Mit gutem Essen und hochwertigem Design, denn das Auge isst bekanntlich ja mit.

12 . Januar 2018 - By Manfred Gram Wojciech Czaja

Die Headquarters und Bürokomplexe großer Unternehmen setzen in ihrer Außenwirkung zusehends auf Innovation und ein zukunftsgerechtes Erscheinungsbild. Man will seinen Angestellten am Arbeitsplatz Annehmlichkeiten bieten und ansprechende Orte schaffen. Das muss nicht unbedingt eine Rutsche sein, die in ein Ballbad mündet, wie in so manchem Start-up, das sich auf seinen Börsengang vorbereitet. Es reicht schon, wenn Dinge in den Fokus rücken, die lange -stiefmütterlich behandelt wurden: wie die Betriebskantine. So beauftragte etwa der schwedische Streaming-Gigant Spotify in seinem Stockholmer Hauptquartier das Architekturbüro Adolfsson & Partners, einen Platz zu schaffen, an dem verspielte Kreativität und Arbeiten Hand in Hand gehen. Und die Architekten von Foster + Partners bringen in die Kantine des nagelneuen Headquarters von Bloomberg in London sogar einen Schuss Natur ein, mit einem lebenden, vertikalen Garten. Der sorgt auf seine Weise für angenehmes Betriebsklima. 

Die Betreiber des Nobelasiaten »Mochi« führen am Erste Campus mit dem »Iki« eine Top-Kantine. iki-restaurant.at

© Fotos: Mato Johannik

Kantinen suchen Öffentlichkeit

Die Kantine kann mehr sein als ein nach ­ranzigem Öl riechender Ort, an dem schnell im besten Fall mittelmäßiges Essen den Weg in die Mitarbeiterbäuche findet. Wie im »Iki«, am Campus der Erste Group. Die ­Luxuskantine wird vom Erste-Caterer EBR und den Machern des asiatischen Gourmetlokals »Mochi« betrieben. Das Resultat: ­Sowohl in der Udon-Schale als auch im gesamten Kantinenraum herrscht gediegener Minimalismus. Auffälligstes gestalterisches Element des »Iki« ist die offene Showküche hinter der Theke. In der Mitte des »Iki« hängen Dutzende stilisierte Messingluster von der Decke herab. Darüber ragt eine offene Galerie mit Graffiti-Kunstwerken empor. 

»Unser größtes Bestreben war, die Gestaltung auf das Wesentliche zu reduzieren und dem wunderbaren Panoramaausblick auf den Vorplatz unterzuordnen«, sagt Christian Heiss vom Wiener Architekturbüro Atelier Heiss.

Die neue Kantine im Bloomberg--Headquarter stammt, wie das ganze Haus, von Foster + Partners.

fosterandpartners.com

© Fotos: James Newton Photographs

Ergänzt wird das Konzept von einem integrierten Take-away-Shop, von einer ansteigenden Coffeetable-Arena mit Blick auf das gesamte Restaurant sowie von drei anmietbaren Private-Rooms auf der ­oberen Etage. Auch nicht schlecht ist die Betriebskantine, die Edel-Greißler Marco Simonis in einem Bürokomplex in der Modecenterstraße in Wien-Simmering kürzlich eröffnet hat. Er entstaubte ein altes Betriebslokal, riss Holzvertäfelungen runter, polierte den alten Terrazzosteinboden auf Hochglanz und nennt das Resultat »Die Kantine«. 200 Personen können hier mit frischem Qualitätsessen abgespeist werden. Damit sich die Gäste wohlfühlen, hat man auf angenehme Haptik des Interiors geachtet und spielt Vogelgezwitscher über Lautsprecher ein. Die Türen von »Iki« und »Die Kantine« stehen übrigens jedem offen. Ein Kantinenkonzept, das sich à la longue durchsetzen wird – denn jeder isst zu Mittag gerne gut und schön.

Luxus-Greißler Marco Simonis hat in Wien-Simmering eine Betriebskantine auf Vordermann gebracht. »Die Kantine« befindet sich in der Modecenterstraße. marcosimonis.com

© Fotos: Die Abbilderei / Dieter Sajovic
LIVING Nr. 05/2017

Erschienen in:

LIVING Nr. 05/2017

Genuss – das ist zentrales Thema der Falstaff-Magazine. Nun stellen wir das perfekte Surrounding dafür in den Mittelpunkt. Das Ambiente beeinflusst unsere Sinneseindrücke – darum präsentiert Falstaff LIVING Wohnkultur und Immobilien für Genießer!

AKTUELLES MAGAZIN 06/2019