© Jaguar Landrover

Jaguar: Der Stoff für (Motor)legenden

Jaguar präsentiert sein neues Designzentrum und öffnete für einen einzigen Tag die Türen in den streng geheimen Designprozess der luxuriösen Kultwägen. MAN’S WORLD war vor Ort in Gaydon, England, und blickte den Machern bei der Arbeit über die Schulter.

04 . Januar 2021

Eigentlich ist Gaydon in Warwickshire eine ländliche Idylle und erfüllt alle Erwartungen, die man man an ein englisches Dorf haben könnte: Die Wiesen haben dank des Dauerregens ein sattes Grün, Schafe und Ziegen weiden nahe der engen Straßen, die von Cottages in typischem Backstein gesäumt sind. Doch der Schein trügt: Es ist mit seinem »Gaydon Triangle«, einer Fläche so groß wie 480 Fußballfelder, auch das Herz des britischen Luxus-Motormarktes. Auf den ehemaligen Gründen der Royal Air Force haben sich nicht nur das British Motor Museum und Aston Martin, sondern auch Jaguar Landrover ausgebreitet. 

Im neuen Designzentrum von Jaguar kommen alle 280 Kreativköpfe des Konzerns unter einem Dach zusammen, um alle Synergien voll zu bündeln, die der Entwurfsprozess mit sich bringt. Das Gebäude wurde von Bennetts Associates entworfen. Erstmals in der Geschichte eines Motorkonzerns konnten sämtliche Abteilungen ihren Input direkt an die Architekten weitergeben, um die Räumlichkeiten für einen perfekten Workflow mitzugestalten.

Dass Jaguar diesen Prozess der Öffentlichkeit preisgibt, ist ein rares Ereignis. Zu Beginn der Tour werden alle Handys einkassiert und versiegelt, die Kameras verklebt. Man hat sich genau überlegt, welche Dinge öffentlich gemacht werden und welche nicht, um der Konkurrenz nicht in die Hände zu spielen. Der neue Designdirektor Julian Thomson erinnert gleich zu Beginn daran, welch reiche Geschichte Jaguar umgibt. So stehen Modelle wie der XK120 aus dem Jahr 1951 oder die Le-Mans-Sieger des »D-Type« von 1956 und 1957 als tägliche Inspiration für die Mitarbeitern in einem der großen Studios. Aber auch neue Modelle des »E-Pace« und des »XF« sind neben den alten Legenden geparkt, »um die Designevolution zu unterstreichen, aber die Tradition nicht zu brechen«, meint Thomson. Die Frage, warum man das Markenzeichen in Form der silbernen Jaguarstatue von der Motorhaube entfernt habe, lässt Thomson in typisch englischer Ironie mit den Schultern zucken: »Health and safety, I suppose.« Anscheinend geht dieser Tage Sicherheit vor Design – und es macht im Team nicht allen Freude.

Kreatives Hin und Her

Der Designprozess selbst ist langwierig und vielschichtig, deswegen vergehen von der ersten Skizze bis zum Release leicht fünf Jahre. Man ist stolz darauf, auf jedes noch so kleine Detail zu achten. Zu Beginn werden Ideen händisch oder digital skizziert und im Anschluss Tonmodelle geformt: zuerst in Miniatur, später in halber Größe.

Diese Modelle werden wieder in 3-D gescannt, wo sie einen virtuellen Feinschliff bekommen, um abermals – diesmal in Echtgröße – als Tonmodell in Studio 3 zu landen. Spezielle LED-Strips und Hebebühnen bieten die perfekten Bedingungen für Designer, ihre Entwürfe aus allen Perspektiven und in diversen Lichtsituationen zu beurteilen. Silberfolien werden auf den Ton aufgetragen, um den Lack zu simulieren.

Nebenan arbeitet das Interior-Team an Sitzen und Cockpit, während ein weiteres Team an Farbtönen für die Lackierung feilt oder Stoffproben für die Überzüge inspiziert. Die Räume sind offen, bei Bedarf können sich alle mit den Exterior-Designern absprechen und den Stand der Dinge live beurteilen. 

Überall wird man an das englische Erbe erinnert: Bücher über den englischen Humor finden sich in Pausenräumen verstreut, Collagen von britischen Einflüssen sind auf die Wände der Besprechungsräume gepinnt.

Überall wird man an das englische Erbe erinnert: Bücher über den englischen Humor finden sich in Pausenräumen verstreut, Collagen von britischen Einflüssen sind auf die Wände der Besprechungsräume gepinnt.

Very british

Das neue Designcenter hält für die jungen Kreativköpfe alles bereit: Von der gemeinsamen Lobby über Ruheräume und eine Bibliothek über große Büros, die in verglasten Galerien über der Eingangshalle schweben. Überall wird man an das englische Erbe erinnert: Bücher über den englischen Humor finden sich in Pausenräumen verstreut, Collagen von britischen Einflüssen sind auf die Wände der Besprechungsräume gepinnt, in der das Team brainstormt und skizziert. Dort finden sich alte Bilder von Twiggy oder David Bowie neben neueren Burberry-Kampagnen mit Kate Moss und Cara Delevigne.

Nur James Bond scheint zu fehlen – 007 überlässt man lieber den Kollegen gegenüber bei Aston Martin. Thomson erklärt: »Wir wollen im Design unsere ›Britishnesszum Ausdruck bringen und erforschen ständig, was sie ausmacht.« Kein Wunder also, dass neben Autospezialisten auch Menschen aus der Mode-, Film- oder Gamingszene Teil des Kreativteams sind und ihre Zugänge zum Thema Schnelligkeit und Mobilität für die Zukunft miteinbringen.

Apropos Zukunft: Auch bei Jaguar stellt sich alles auf die »Road to Zero« ein. »Wir träumen von einer Zukunft, in der Jaguar fast sauber und intelligent fährt«, meint Thomson. Doch in Jaguars Visionen spielen nicht nur das Internet of Things mit seinen smarten Lösungen und saubere Technologien eine Rolle: Man will mit seinem Zugang zu Mode und Popkultur eine neue Generation von Luxusliebhabern auf den Weg bringen – und das mit einem Hauch von Understatement und einem Augenzwinkern. Very british, eben. 

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