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ICONOMY: DESIGN-ICONS UNTER 100 MIT Manuela Simonelli & Andrea Quaglio

Lade lieber ungewöhnlich. Die preisgekrönte und hochgelobte Qi-Ladestation »Oblio« sorgt für volle Akkus und saubere Oberflächen.

10 . März 2022 - By Manfred Gram

Induktive Ladestationen für Smartphones sind nicht unbedingt das Erste, woran man denkt, wenn es um gutes Design geht. Nicht weil sie etwa unansehnlich wären. Aber im Idealfall sind diese Qi-Ladeflächen, die ein kabelloses Aufladen von Handys möglich machen, irgendwo unsichtbar in Tisch- oder Ablageflächen integriert. Wird der Saft im Telefon weniger, legt man es darauf und freut sich, dass man weder Akkuladegerät noch Steckdose suchen musste und auch kein schnödes Kabel im Weg herumliegt.

Der »Oblio« vom französischen Unternehmen Lexon ist da etwas anders. Der versteckt sich nicht, hat sich aber, um dem Auge zu schmeicheln, dann doch ein bisschen camoufliert: und zwar als schwungvolle, gut 17,5 Zentimeter hohe Blumenvase. Eleganz ist was Feines – aber unsichtbar geht anders. »Form follows function« übrigens auch. Also was kann das Ding, das sich mittlerweile auch im berühmten MoMA Design Store findet und für das es 2021 einen Red Dot Award gab? Kabelloses Aufladen (dauert drei Stunden, Anm.) allein wird es wohl nicht sein.

Der Witz des »Oblio« liegt in seinem Inneren verborgen. Dort sorgt nämlich ultraviolettes Licht dank UV-C-LEDs für eine Desinfektion des Smartphones. 99,9 Prozent der vorhandenen Viren sollen so von der Smartphone-Oberfläche eliminiert werden.

20 Minuten dauert so eine Reinigung übrigens. Zeit, in der man sein Handy logischerweise nicht benutzen kann. Also während die Viren und Bakterien gelöscht werden, hat man erst einmal Bildschirmpause. Volle Absicht der Designer, die hinter dem preisgekrönten Gadget stecken. Das in Paris lebende italienische Duo Manuela Simonelli und Andrea Quaglio hat nämlich einen leichten Hang zur Ironie, die sich auch im Produktnamen widerspiegelt. »Oblio« heißt im Italienischen nämlich »ich vergesse«, nominal gebraucht aber auch »die Vergessenheit« (sehr poetisch) bzw. »der Gedächtnisverlust« (sehr medizinisch). Dass der Entwurf, der aus präpandemischen Zeiten stammt, auch noch frisch erwachte Bedürfnisse und Sehnsüchte nach Sauberkeit und Sterilität abdeckt, darf als (un-)glückliche Koinzidenz gewertet werden. Aber selbst wenn man die Pandemie ausklammert, sagt ein Sterilisator, der wie eine Blumenvase aussieht und als Verkaufsargument vorbringt, das wichtigste menschliche Kommunikationstool zum Saubermachen kurzfristig aus der Hand zu geben, einiges über unsere Gegenwart aus. Darüber kann man jetzt gerne einmal zwanzig Minuten nachdenken.

MANUELA SIMONELLI & ANDREA QUAGLIO

Die beiden italienischen Designer Manuela Simonelli und Andrea Quaglio leben und arbeiten in Paris. Sie studierten gemeinsam an der Università del Progetto in Reggio Emilia, arbeiteten zwei Jahre für Philippe Starck, um danach ihr eigenes Designstudio zu gründen.

Ihr Atelier ist ein Hort des kreativen Outputs. Neben Möbel- und Leuchtendesigns verpassen sie regelmäßig technischen Geräten, aber auch Beautyprodukten einen form-vollendeten, gewitzt-poetischen Auftritt. Arbeiten für Lexon, Artemide, Treca Paris, Laboratori Royal oder made.com zeigen dies.

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