© Günther Schwering/laif/picturedesk.com

01 . August 2022 - By Manfred Gram

In ein schönes Kofferwort verpackt, klingt vieles gleich besser und professioneller. Ein Beispiel gefällig? Was früher unsexy einfach als Putzen, Aufräumen und Ordnunghalten bezeichnet wurde, schnöde Hausarbeit also, heißt zur Zeit »Decorganizing« und ist Teil eines prosperierenden Wirtschaftszweigs geworden, der das große Reinemachen zum Lifestylespektakel gemacht hat. Mit einschlägigen Websites, Büchern und Streamingserien, die vorführen, wie Ordnung ins Wohnchaos gebracht wird, lässt sich ordentlich Geld verdienen. Und das, obwohl die Binsenweisheit, dass Ordnung das halbe Leben sei, gratis von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Wie wichtig dem Designer Arik Levy Ordnung ist, kann an dieser Stelle nicht wirklich geklärt werden. Was man allerdings schon sagen kann, ist, dass er mit der Toolbox, die er für Vitra ge- staltet hat, seinen Beitrag für gut organisierte Übersichtlichkeit geleistet hat. Die stabile Box bietet nämlich Krimskrams ein schönes Plätzchen, und alles, was man griffbereit so braucht, ist darin gut aufgehoben. »Decorganizing« in Reinkultur also. Kaum verwunderlich, dass Werkzeug, Küchenutensilien, Schreibwaren, ja sogar Kosmetikartikel und Schminkzeug schon in den (verschieden großen) Fächern dieser Wunderbox gesichtet wurden. Entwickelt wurde sie übrigens, wie Arik Levy in Interviews erklärte, um in Büros Rollcontainer mit ihren Schubladen zu ersetzen und gleichzeitig am Schreibtisch für Ordnung zu sorgen. Das hatte durchaus auch Kostengründe, denn Schubladenelemente sind teuer, nehmen Platz weg und üblicherweise verstaubt das ganze Graffelwerk, das dort reingestopft wird, im Laufe Zeit. Das wäre übrigens die gute alte »Aus den Augen, aus dem Sinn«-Methode, die so ziemlich das glatte Gegenteil von dem ist, was die Ordnungshüter:innen wie Marie Kondo und Co. so proklamieren.

Box-Office Die ursprüngliche Idee hinter der Toolbox von Vitra war es, Schreibtischschubladen obsolet zu machen. Storage Toolbox, Jahr: 2010, Design: Arik Levy, Hersteller: Vitra, Preis: 35 Euro

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Ordnung ist das halbe Leben. Man darf sich aber durchaus beim Ordnunghalten helfen lassen. Etwa von Arik Levy und seiner legendären Toolbox.

Aber zurück zu Levy. Was dem Entwurf der Toolbox dann folgte, nennt der Designer »Überzeugungsrodeo«. Das ist eine diplomatisch gewitzte Formulierung für den Umstand, dass er bei Vitra nicht gleich offene Türen einrannte, als er seine Idee für ein schubladenfreies Office in Form einer offenen Werkzeugkiste präsentierte. Umso schneller wurde dafür sein Ordnungsbehelf zum Top-Seller und es gibt ihn mittlerweile in acht Farben. Und auch an der großen Kiste Nachhaltigkeit schummelt sich das gute Stück nicht vorbei. Denn mit der »Toolbox RE« gibt es seit Kurzem eine Version des Klassikers, die aus hundert Prozent aufbereitetem Hausmüll produziert wird. Was also beim großen Saubermachen im Mistkübel landete, kommt so wieder zurück nach Hause.

ARIK LEVY geboren 1963 in Tel Aviv, ist ein vielseitig begabter Kreativer oder, wie es auf seiner Website heißt: Künstler, Techniker, Fotograf, Designer, Filmemacher. Sein Output lässt sich in Museen weltweit bestaunen, zudem wird der in Frankreich lebende Künstler regelmäßig für seine Skulpturen und Installationen gefeiert. Nicht weniger Aufmerksamkeit erregen seine Designentwürfe, die es immer wieder schaffen, minimalistische Grundprinzipien mit Witz und Ver- spieltheit zu brechen. Ein charmanter Ansatz, auf den Unternehmen wie Vitra, Ligne-Roset, Baleri Italia, Issey Miyake, Zanotta oder Swedese regelmäßig vertrauen.

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