© Gregor Titze

HOMESTORY: Zu Besuch bei der Kreativschmiede St. Corona Interiors

Für ihre Klientel entwirft die Kreativschmiede St. Corona Interiors vom feinen Boutiquehotel bis zur Luxusyacht alles, was das Herz begehrt. Privat leben die Designer Michael Niederer und Andreas Wessely charmant zurückgezogen. Ein Karussellbus aus den Pariser 60ern und Flohmarktraritäten aus aller Welt besiegeln ­Altbau-Flair und Cosiness. Der LIVING-Talk über den Mut, sich stets neu zu erfinden.

08 . Juni 2022 - By Angelika Rosam

Bereits das stilvolle Entree des Wiener Stadtpalais in der Porzellangasse 44 lässt Schönes wie Spannendes er­warten. Dort, im zweiten Stock, sofort ersichtlich inmitten des atmosphärischen Stiegen­hauses, hat sich St. Corona Interiors mit seinem Studio niedergelassen. 2016 wurde die Interior-Schmiede gegründet und mit dem Namen getauft, nicht ahnend, dass dieser 2020 zwar das gleichnamige Virus bringen, aber gleich­zeitig auch die Interior-Branche aufgrund des neuen Wohnbewusstseins in eine neue Ära katapultieren würde. Schon immer gut gebucht, dürfen sich die Eigentümer jetzt noch mehr über zahlreiche Aufträge freuen und sich je nach Anforderung auch neu ­erfinden. »Es ist unglaublich, aber wir kommen mit der Bearbeitung kaum nach«, so Designer Michael Niederer zu LIVING.

Karussellbus als Eyecatcher

Gemeinsam mit seinem Partner, dem Anwalt Andreas Wessely, betreibt Niederer das Kreativatelier, das für eine anspruchsvolle Klientel ­maßgefertigte Interior-Projekte realisiert. Von Chalets, Wohnungen über Boutiquehotels bis zur Luxusyacht und innovativem Bürodesign hat St. Corona Interiors alles an Umsetzungsmöglichkeiten zu bieten, wofür das Design-Herz so schlägt. Gleich angrenzend an das Office befindet sich auch das private Refugium der beiden Design-Aficionados, das exklusiv für LIVING geöffnet wurde.

Ganz anders als bei den eher aufwendigen Auftragsprojekten, stößt man hier auf einen eklektischen Mix erworbener Flohmarktraritäten aus aller Welt (wie einen Karussellautobus oder einen ­Dumbo-Elefanten), gekonnt kombiniert mit luxuriösen Stoffen, Tapeten und charmant gestyltem Mobiliar. Ein stilvoller Rückzugsort vom Trubel draußen, der zum Verweilen lädt. Wir baten das sympathische Designer-Duo zum Interview.

LiVINGDer Name St. Corona Interiors in ­Zeiten der Pandemie ist in jeder Hinsicht ein Zeichen. Haben Sie davon profitiert?

ST. CORONA INTERIORS Wir denken, die Pandemie hat für uns alle ein Zeichen gesetzt. Die Pandemie hat uns Entschleunigung, Verzicht und Dankbarkeit für die kleinen Freuden des Lebens gelehrt. Nun ist die Frage, wie wir diese Lehren weiterhin in unserem alltäglichen Leben implementieren können. Bewusstsein und Wertschätzung für das eigene Zuhause traten eindeutig in den Vordergrund, und diese Entwicklung ist etwas, das uns sehr freut.

Seit zwei Jahren findet ein Interior-Boom statt. Jeder investiert in ein neues Zuhause, malt aus, baut um. Wie erleben Sie diese Zeit?

Sicher als Umschwung, denn wir befinden uns noch mitten drinnen, was wahnsinnig aufregend ist! Für uns ist das mit viel Arbeit und tollen neuen Projekten verbunden. Wir bemerken vor allem einen starken Wandel in den klassischen Büros. Seit der Pandemie wird das Büro nicht nur mehr als Arbeitsplatz gesehen, sondern auch als Community-Bereich mit viel Allgemeinflächen genutzt. Das Büro gilt immer mehr als Treffpunkt, um sich mit Kolleg:innen auszutauschen und Meetings abzuhalten. Diesen Wandel spiegelt unser Projekt Campaigning Bureau im 21. Stockwerk des ICON Towers sehr gut wider. Die dort geschaffenen Räumlichkei­ten laden Mitarbeiter:innen dazu ein, gemeinsame Ideen und Strategien zu entwerfen und ein Miteinander abseits vom Homeoffice zu fördern. Umso mehr freut es uns, dass ­Campaigning Bureau sogar mit dem »Office of the Year Award 2021« ausgezeichnet worden ist.

»Bei aller Ästhetik haben wir als Designer auch Einfluss auf die angesagtesten Trends und haben eine große Verantwortung unserer Umwelt gegenüber. Es sollte auf kürzere Transportwege gesetzt und
regionale Manufakturen unterstützt werden.« – St. Corona Interiors über den Einsatz von Interior in der Umwelt

Welche Wohnbereiche werden gerne erneuert?

Besonders auffällig ist, dass Arbeit und Wohnen näher zusammenrücken und dass das Home­office fixer Bestandteil vieler Interior-Projekte ist. Viele Menschen arbeiten nun vermehrt von zu Hause und möchten einen Raum mit schönem Ambiente haben, um das Homeoffice noch angenehmer und komfortabler zu gestalten.

Haben sich Wünsche hinsichtlich des Lebensraums seit der Pandemie verändert? Worauf legt man besonders großen Wert?

Wir bemerken, dass seit der Pandemie ein großer Wert darauf gelegt wird, sich die Natur in die eigenen vier Wände zu holen und sich einen Ort der Ruhe, Ausgeglichenheit und des Wohlfühlens zu gestalten. Erd- und Naturtöne verleihen den Räumen einen Wohlfühlcharakter. Die Pandemie hat uns gelehrt, zu entschleunigen, leider merkt man, wie schnell man wieder in den stressigen Alltag verfällt. Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, sich ein Zuhause zu schaffen, in dem man zur Ruhe kommt. Jeder Mensch ist anders, und das gilt es auch
als Interior-Designer zu erkennen.

Ihr Einrichtungsstil ist eher bunt und auffallend. Welche Klientel sprechen Sie damit an?

Nicht nur Geschmäcker, sondern auch unsere Kund:innen sind verschieden. Obwohl wir
eine klare, wiedererkennbare Designlinie ­haben, richten wir unsere Projekte auf die Persönlichkeit und Vorstellung unserer Kund:innen sowie auf die Vorgabe der einzurichtenden Objekte aus. Viele unserer Interior-Designs sind bunt und mutig, wenn das zu Objekt und Eigner:in passt. Bei anderen Projekten, wie z. B. im Chalet in Kitzbühel, der »Villa Antoinette« am Semmering oder der Superyacht »Forever«, haben wir dezentere Farben gewählt.

Woher kommt der Mut zur Farbe und zu den Mustern?

Farbe kann die Dynamik in Räumen verändern und diesen mehr Raumgefühl geben. Deswegen lieben wir Farben und setzen diese auch sehr gerne ein. Textilien mit aussagekräftigen Mustern brauchen nicht immer Unistoffe als Kontrast, sondern können sich ganz wunderbar durch weitere Muster ergänzen.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Unser Stil ist zeitlos elegant und detailverliebt. Wir mögen es, Lebensräume für Menschen
zu erschaffen, in denen die Sinne verwöhnt ­werden und man immer wieder aufs Neue Details entdeckt. Wir versuchen, auf die
äußere Hülle Rücksicht zu nehmen, da wir Projekte immer als ein Ganzes sehen und
das auch so umsetzen wollen. Egal welches Projekt, es zieht sich eine klare Linie von der ­Corporate Identity über die Architektur bis
ins Interior-Design.

Was ist der USP von St. Corona Interiors?

Wir betreuen Kund:innen allumfassend. Wir machen jeden Wunsch möglich und begleiten die Projekte von der Baustelle bis hin zur Turn-Key-Abwicklung. Außerdem sind wir mit unserer Expertise sehr breit aufgestellt, egal ob Chalet, Penthouse, Hotel oder Yacht, es gibt kaum etwas, was wir noch nicht an Projekten betreut haben. In unserem Designstudio ­haben wir dazu eine umfangreiche Textil- und Tapetenauswahl in Kombination mit unserem Netzwerk aus internationalen Möbelherstellern anzubieten, mit spezialisierten Manufakturen und verlässlichen Handwerker:innen können wir jeden Stil realisieren.

Orientieren Sie sich auch an internationalen Designer-Vorbildern?

Grundsätzlich nicht, da wir unsere eigene Designsprache sprechen wollen, aber es gibt selbstverständlich Bewunderung für die Arbeit, wie z. B. von Ken Fulk und Kelly Hoppen.

Was ist Ihnen beim Design eines Raumes wichtig, nach welchen Kriterien gehen Sie hier vor?

Der Anfang eines Designs ist oftmals der ­herausforderndste Part eines Projekts. Bei der Entwicklung unserer Designlinie verschmilzt unsere Vision für den Raum mit den Bedürfnissen der Kund:innen. Weiters ist das Verständnis für die Epoche des Objekts für die Festlegung der Designsprache unumgänglich.

Was sind die fünf absoluten No-Gos bei der Einrichtung?

  1. Sich nicht ausreichend Gedanken darüber zu machen, wie ein Raum im Alltag funktionieren soll.
  2. Wenn die Raumhöhe zur Größe des Raumes nicht passt und somit keine Proportion aufweist.
  3. Zu kurze Vorhänge und zu kleine Teppiche sind etwas, was man unbedingt vermeiden sollte.
  4. Die falsche Lichtfarbe einzusetzen, zu kalte Lichtfarben lassen Räume zu steril wirken.
  5. Unabgestimmte Stile: Nicht jeder Stil lässt sich mit jedem Stil verbinden, nicht alles lässt sich miteinander kombinieren.

Und was sind die fünf absoluten Must-dos?

  1. Was die Ästhetik betrifft, so sind es die kleinen Details, die einen Raum von »nur schön« zu »außergewöhnlich« machen.
  2. Der Einsatz von hochwertigen Materialien.
  3. Bei aller Ästhetik haben wir als Designer auch Einfluss auf die angesagtesten Trends und haben eine große Verantwortung unserer Umwelt gegenüber. Wir sollten darauf achten, dass zum Beispiel seltene und geschützte Hölzer nicht im Interior verwendet werden. Außerdem sollte auf kürzere Transportwege gesetzt und ­regionale Manufakturen unterstützt werden.
  4. Sich sehr stark mit dem Leben der zukünftigen Besitzer:innen auseinanderzusetzen. Oftmals entstehen durch die enge Zusammenarbeit zwischen Designer:in und Kund:in wunderbare Freundschaften.
  5. Mut! Mut zur Farbe, Mut zu Tapete und Mut zu Mustern!

Was und für wen designen Sie lieber – für Ihre Kund:innen oder für sich selbst?

Sowohl als auch – wir lieben es, für unsere Kun­d:innen zu designen, aber da wir mittlerweile zwei eigene Hotels haben und das dritte gerade in der Entstehung ist, können wir kaum leugnen, dass wir auch gerne für uns selbst designen.

Gibt es ein bisheriges Lieblingsprojekt?

Tatsächlich gibt es jede Menge spannende ­Projekte derzeit. Von einem großen Anwesen am Traunsee bis hin zu unserem extravaganten Bergschlössl am Semmering, das gerade mitten im Umbau steckt und welches eine Erweiterung unseres Hotelrepertoires sein wird. Die »Villa Antoinette« am Semmering war das erste Kind unserer Wiege und war für uns und für unseren Stil sehr prägend. »Villa Antoinette« wird ­immer eine ganz wichtige Rolle in unserem Leben spielen, aber selbstverständlich bringen alle unsere Projekte etwas ganz Besonderes mit sich. Das Rebuild der 50-Meter-Superyacht »­Forever« war selbstverständlich auch ein ­unvergessliches Projekt.

Designer:innen versuchen, für ihre Kund:innen immer nur das Beste rauszuholen. Wie sieht die­ser Zugang bei Ihrer Privatwohnung aus? Werden die privaten Räume zweitrangig behandelt?

In der Projektflut der letzten Jahre sind Teile unseres Zuhauses auf der Strecke geblieben.
Den dringenden Umbau unserer Küche zögern wir tatsächlich schon seit mehreren Jahren heraus. Generell ist das Zuhause eines Designers nie fertig, und so schmieden wir gerade Pläne,
unserem Wohnzimmer einen neuen Touch
zu geben. Zum Glück ist uns beiden eine
permanente Veränderung wichtig und wir
erfinden uns laufend neu!

Sie arbeiten als Couple zusammen. Das ist nicht immer einfach und kann zu Unstimmigkeiten führen. Wie genau ist hier die Aufteilung?

Andreas ist der strategische Part, er kümmert sich um die Finanzen, und ich bin der kreative Part. Zum Glück fängt er mich von Zeit zu Zeit wieder ein. Außerdem haben wir ein ganz tolles Team hinter uns, das uns immer den Rücken frei hält und grandios unterstützt.

Was sind Ihre Ziele? Wo soll St. Corona Interiors in fünf Jahren sein?

Kurzfristig sind es natürlich unsere ganz großartigen Projekte, welche wir weiterbringen
wollen, aber langfristig gibt es noch viel mehr
zu erreichen. Jetzt haben wir erst mal geheiratet, mal schauen, was als Nächstes kommt. Wir ­lieben die Veränderung. Unser Ziel ist es, dass auch in fünf Jahren unser kreatives Feuer nicht erlischt und wir die Kraft haben, unsere Kund:innen mit kreativem Erfindergeist zu überzeugen

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