© Francois Darmigny

Homestory: Wohnen auf französisch

Oder auch: L’art de vivre à la française. LIVING hat die französische Interior-Designerin und Autorin Sarah Lavoine zum Gespräch getroffen.

09 . Oktober 2017 - By Angelika Rosam

Sarah Lavoine bringt mit ihrem neuen Style-Guide »Chez moi – Leben wie eine Pariserin« das gewisse französische Etwas in Ihre Wohnzimmer. LIVING gewährte sie Einblicke in ihr charmantes Landhaus nahe Paris, wo sie auf den künstlerischen Spuren Bizets und Ravels wandelt.  

Unaufgeregt und ungezwungen: Sarah Lavoine lebt den Cool-Chic mit großer Leidenschaft. Auf Trends und Stilregeln kann sie verzichten, es wird prinzipiell nach Laune gestylt.

© Francois Darmigny

»Die Pariserin transportiert eine natürliche Eleganz mit einem ungezwungenen Lebensstil – für mich der Cool-Chic. Mit künstlichen Stilregeln kann ich ohnehin nichts anfangen.« 

Die Größe eines Orts scheint oft nicht ausschlaggebend für die Magie, die tatsachlich dahinter steckt: Das nordfranzösische Montfort-l’Amaury, ein 3000-Seelen-Dörfchen, gerade mal eine Stunde von Paris entfernt, vereint mit einer beachtlichen Anzahl illus-trer Namen so ziemlich alles an Kreativität und künstlerischem Schaffen. Victor Hugo etwa verfasste dort seine Werke, Georges Bizet komponierte »Carmen«, Maurice Ravel seinen »Bolero«, ebenso ließ sich Charles Aznavour für seine Stücke in-spirieren, und Johnny Hallyday macht es heute noch. Hochkarätige französische Kulturschaffende, deren Esprit beachtliche Spuren hinterlassen hat. Die inspirierende Kraft von Montfort-l’Amaury hat es auch der französischen Interior-Designerin Sarah Lavoine angetan. »Dieser Ort ist für mich eine Inspirationsquelle. Er gibt mir Kraft, Energie und Lebensfreude zugleich«,schildert die Expertin überzeugend im LIVING-Talk. Ein Landhaus dort zu besitzen und nach ihrem Geschmack zu adaptieren, war ihr größter Traum, und sie setzte alles daran, um auch bald erfolgreich einzuziehen. »Wissen Sie, Paris macht süchtig, aber es ist auch manchmal schön, sich mit der Familie ganz entspannt zurückziehen und der Hektik der Großstadt entfliehen zu können. Nur dann habe ich wieder Energie für meinen Job.«

Die Tochter des ehemaligen »Vogue«-Chefs Jean-Stanislas Poniatowski hatte sich zum Leidwesen ihres Vaters nicht der Mode, sondern mit viel Passion der Innenarchitektur verschrieben. Erfolgreich, wie man sieht. Dank ihres exzellenten Gespürs für ausgefallenen Geschmack avancierte ihr Name in den letzten zehn Jahren zum Synonym für »Le grand chic de Paris«. Seit 2009 gibt es einen Showroom in der Rue Saint-Roch mit eigenen Möbel- und Dekokollektionen. Auch das charmant renovierte Landhaus in Montfort-l’Amaury darf als ein Aushängeschild für ihr Können apostrophiert werden. Viel Herz und Seele hat die dreifache Mutter in ihr zeitgenössisches Design gepackt, moderne, natürliche Kreationen, die Lavoines unverkennbare Handschrift tragen. Wir baten die ParadeFranzösin zum regen Austausch über ihr neues Buch »Chez moi« und gewannen noch viel mehr Einblicke in ein unprätentiöses Dasein einer doch anspruchsvollen Designerin.

LIVING: Was hat Sie angespornt »Chez moi« zu verfassen?
Sarah LavoineEs gibt wenige Bücher, die sich mit dem »Everyday Life« in einem Zuhause beschäftigen. Ich wollte mit meinen  persönlichen Tipps Produkte vorstellen, die gut im alltäglichen Gebrauch integriert werden können. Man bekommt Lust auf Design.

Es geht um das Leben der Pariserin. Diese genießt generell einen ganz speziellen Ruf, wenn es um Mode und Design geht. Was macht ihren Stil so einzigartig?  
Ich würde es »Sophistication« nennen. Die Pariserin ist sehr natürlich, sie transportiert eine natürliche Eleganz und einen ungezwungenen Lebensstil. Wir verbringen unsere Zeit nicht stundenlang in Beauty-Tempeln – ich selbst hätte gar keine Zeit dafür und setze andere Prioritäten. Wir stylen uns so, wie gerade unsere Laune ist. Die Meinung anderer ist nicht wichtig. Just let it go!

Betrifft das auch Ihren eigenen, ganz persönlichen Stil?
Wir haben viele Brands in Frankreich. Natürliche Marken, die die Femininität einer Frau unterstreichen. Für mich gibt’s nichts Schöneres als eine Jeans, die man mit einem coolen Saint-Laurent-Jacket kombiniert. Das ist ein unwiderstehlicher Cool-Chic, der für sich selbst spricht, aber in keiner Weise aufdringlich ist.

Wie schlägt sich dieser Stil in Ihrem Zuhause und bei Ihrer Arbeit nieder? 
Ich mag viel Komfort und gemütliche Plätze. Genauso berate ich meine Kunden. Sie sollen Glücksgefühle haben, wenn sie nach der Arbeit ihre Wohnung betreten. Kunst spielt dabei auch eine große Rolle. Erst mit Kunst beginnt ein Raum richtig zu leben. Ich liebe Mark Rothko und finde auch die Objekte von David Bogus fantastisch.

Gibt es Regeln, die zu beachten sind, wenn Sie für Ihre Klientel eine Wohnung einrichten?
Ich mixe verschiedene Genres. Ich versuche, neue Formen zu schaffen, lege viel Wert auf das richtige und vor allem natürliche Licht und kombiniere gerne auffällige Farben. Das Gleichgewicht zwischen dem Spiel mit Farben und dem Auge fürs Detail inspiriert mich auf eine ganz besondere Art und Weise.

Das kann aber nicht alles sein ...
Mich macht alles neugierig, und alles Unbekannte zieht mich an. Das beginnt bei Fashion-Kreationen, wie Leute über die Straße gehen, wie ein Baum gewachsen ist oder welche Biegung ein Fluss hat. Ich kombiniere unterschiedliche Stile und setze dabei auch vermehrt ethnische Teile ein. Es ist wichtig, hochwertige Materialien richtig zu nutzen und sich an ausgefallene Kombinationen zu wagen. Die richtige Balance und die daraus folgende Nachhaltigkeit spielen dabei eine große Rolle. Denn nur so schafft man sich sein ganz persönliches Universum.

»Es ist wichtig, hochwertige Materialien richtig zu nutzen und sich an ausgefallene Kombinationen zu wagen. Denn nur so schafft man sich sein ganz persönliches Universum.« 

Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?  
Das »Le Roch Hotel« in Paris. Ich habe hier viel Liebe ins Detail gesteckt und könnte mir gut vorstellen, dort selbst einzuziehen. Ich war auf etlichen Flohmärkten, in vielen Galerien, um einen guten Mix zwischen Intellekt und natürlichem Wohnen zu schaffen. Ich denke, es ist ein Hotel geworden, in dem man sich als Gast wie zu Hause fühlen kann.

Ihr Vater kommt aus der Fashion-Szene und hat bei der »Vogue« für lange Zeit sehr einflussreich gewirkt. Wollte er seine Tochter nicht auch für die Mode gewinnen?  
Meine Mutter war bereits Interior-Designerin, und sie liebte ihren Job. Als Kind musste ich oft umziehen, da sie ständig neue Ideen hatte und sich verwirklichen wollte. Ihre Gene haben sich also bei mir mehr durchgesetzt. Aber ich bin sehr glücklich damit.

Gibt es einen Raum in Ihrem persönlichen Zuhause, der Ihnen besonders wichtig ist?
Das ist zweifellos die Küche. Sowohl in meinem Pariser Apartment als auch in meinem Landhaus. Das Leben einer richtigen Pariser Familie spielt sich in der Küche ab!

Da darf dann wohl der richtige Tropfen Bordeaux nicht fehlen?
Ein ganz wichtiger Punkt (lacht)! Wir Franzosen haben ja schließlich den Wein erfunden. Ich trinke nicht nur gerne Bordeaux, ich designe ihn auch. Gerade renoviere ich das wunderbare Château Ducru-Beaucaillou im Bordeaux. Ein großartiger Wein und eine unglaubliche Herausforderung für mich. 

Chez Moi – Leben wie eine Pariserin

Die französische Designerin Sarah Lavoine lebt und liebt den Pariser Chic. Lassen auch Sie sich mit diesem Style-Guide zur zeitgenössischen Ästhetik mit hohem Qualitätsanspruch inspirieren.

Verlag: Knesebeck
E.T.: 21. 9. 2017

LIVING Nr. 04/2017

Erschienen in:

LIVING Nr. 04/2017

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