© Stephan Julliard

Gleich mehrere Filme könnten in dem fantastischen Apartment von Interior-Designer Hervé Van der Straeten abgedreht werden. Denn jeder Winkel erzählt eine Geschichte, die es lohnt, entdeckt zu werden. Von historischen Stoffen bis zu modernen Märchen – ein Eldorado für Design-Aficionados!

13 . Dezember 2018 - By Ian Phillips

Lust auf Veränderung: Dieser Wunsch bewog den Möbeldesigner Hervé Van der Straeten und seinen Ehemann Bruno Frisoni, ihr loftartiges Apartment im 12. Arrondissement von Paris zum Verkauf anzubieten und sich auf die Suche nach einem neuen Domizil zu begeben. »Wir wollten ein völlig neues Wohngefühl erleben«, erklärt Hervé. Fündig wurden sie in einem geschichtsträchtigen Gebäude aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, in dem einst ein Maler der Barbizon-Schule residiert hatte. Die 175-Quadratmeter-Wohnung auf der Île Saint-Louis im Herzen der Stadt bestach zum einen mit ihren großzügigen Dimensionen und Raumhöhen von 4,20 Metern und zum anderen mit ihrer Lage direkt an der Seine, die Hervé begeistert: »Die Nähe zum Wasser hat einen unglaublichen Reiz.«

»Meine Stücke haben häufig etwas Verblüffendes an sich. Man sieht sie an und fragt sich, was sie eigentlich zusammenhält.« Hervé Van der Straeten Interior-Designer

Gemeinsam mit seinem Partner, Schuhdesigner Bruno Frisoni (hinten im Bild), lebt Interior-Designer Hervé Van der Straeten in seinem imposanten Apartment auf der Île Saint-Louis.

Gemeinsam mit seinem Partner, Schuhdesigner Bruno Frisoni (hinten im Bild), lebt Interior-Designer Hervé Van der Straeten in seinem imposanten Apartment auf der Île Saint-Louis.

© Stephan Julliard

Kreative Partnerschaft

Dieser Meinung ist auch Van der Straetens bessere Hälfte, der Schuhdesigner Bruno Frisoni. Er ist kein Unbekannter an der Seite des Interior-Designers und besitzt ein uneingeschränktes Faible für gutes Design, erfolgreich unter Beweis gestellt als jahrelanger Creative Director von Roger Vivier, wo Stars wie Cate Blanchett, Scarlett Johansson und Jessica Alba zu seinen Fans zählten. Nach 16 Jahren verließ er das Unternehmen im Februar dieses Jahres und widmet sich neuen Dingen.

So gesehen darf sich das Paar als kongeniales Kreativteam betrachten. Denn Van der Straeten spielt als Möbeldesigner längst in einer gehobenen Liga. 1998 eröffnete er seinen Schauraum im Stadtteil Marais und erfreut sich seither begeisterter Verehrung – auch führende Innenarchitekten wie Jacques Grange, François Catroux und Muriel Brandolini zollen Bewunderung. In einer früheren Fabrik für Elektronikbauteile im Pariser Vorort Bagnolet betreibt er ebenso ein eigenes Studio. Sein Stil entzieht sich einer einfachen Kategorisierung. Poetische, von der Natur inspirierte Kreationen findet man bei dem Experten ebenso wie streng geometrische Formen. Doch eines haben sie gemein: »Meine Stücke haben häufig etwas Verblüffendes an sich«, so Van der Straeten. »Man sieht sie und fragt sich, was sie eigentlich zusammenhält.« Ein perfektes Beispiel ist der Tisch »Perturbation« im Speisezimmer, dessen Fuß aus wild übereinander gestapelten Würfeln besteht (siehe Seite 74). Eine weitere Konstante ist die handwerkliche Qualität. »Es ist unglaublich«, bestätigt Brandolini. »Man kann ein Stück auf den Kopf stellen, und es ist einfach perfekt.«

Bei der Einrichtung der verschiedenen Wohnsitze (Van der Straeten und Frisoni besitzen auch Häuser im Burgund und in Tanger) ist Hervé federführend. »Das ist logisch, es ist ja sein Metier«, macht Frisoni deutlich. »Er bringt die Ideen ein, und im Lauf zahlreicher Gespräche ergeben sich die Dinge dann quasi organisch von selbst.«

Die Änderungen an der neuen Wohnung beschränkten sich hier auf ein Minimum: Die ursprünglich in einem kalten Weiß gehaltenen Wände erhielten einen neuen Anstrich, großteils in neutralen Tönen wie Creme, einem blassen Aquagrün und einem Beige mit leichtem Pinkstich. »Wir hatten bereits ziemlich viele Bilder und markante Möbel, und die sollten im Mittelpunkt stehen«, erklärt der Interior-Designer. Einzige Ausnahme ist das kleine Schlafzimmer, dem ein dunkles Schokobraun besondere Behag­lichkeit verleiht: »Wir wollten einen durch und durch sinnlichen Raum schaffen.«

Natürlich finden sich in der Wohnung viele Werke von Hervé selbst, etwa der Couchtisch »Trace« in der Bibliothek, die chinesisch inspirierten Shanghai-Fauteuils im Wohnzimmer oder die Epines-Lampen auf dem Kaminsims im Speisezimmer. Gleichförmigkeit in der Einrichtung ist ihm zuwider: »Ich kombiniere gerne Elemente, die auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinen. Erst diese spannenden Kontraste machen einen Raum lebendig.« Unter anderem treffen ein zeitgenössischer Couchtisch von Pierre Charpin und witzige Objekte aus dem 20. Jahrhundert wie zwei orange Floris-Stühle des deutschen Designers Günter Beltzig aus dem Jahr 1967 aufeinander. Die auffälligsten Stücke sind jedoch die ältesten: ein französischer Regency-Tisch, ein klassizistischer, vergoldeter Konsolentisch und eine Kommode aus dem frühen 18. Jahrhundert aus lackiertem Holz, Marmor und Bronze.

»Ich stelle mir gerne vor, was all diese Werke und ihre früheren Besitzer schon erlebt haben. In jedem alten Stück steckt eine Geschichte.« Auch zur Kunst pflegt das Paar einen eklektischen Zugang. Hier reicht das Spektrum von einem flämischen Gemälde von Venus und den vier Jahreszeiten aus dem 16. Jahrhundert über eine Fotografie von Massimo Vitali bis zu einer felsenartigen Metallskulptur von Pierre Malphettes. »Wir sind beim Kaufen meist sehr spontan und schnell entschlossen«, verrät Frisoni. »Es ist mehr Instinkt- als Kopfsache.« So war es auch beim Porträt eines Kavallerieoffiziers, das in der Bibliothek hängt. Frisoni entdeckte das 1927 von einem gewissen René-George Gautier gemalte Bild bei einer Christie’s-Auktion und schenkte es seinem Partner zum 50. Geburtstag. »Es ist ein sehr ausdrucksstarkes, elegantes Porträt und dabei sehr maskulin«, erinnert er sich. »Da musste ich nicht lange überlegen.«

Natürlich finden sich in der Wohnung viele Werke von Hervé selbst, etwa der Couchtisch »Trace« in der Bibliothek, die chinesisch inspirierten Shanghai-Fauteuils im Wohnzimmer oder die Epines-Lampen auf dem Kaminsims im Speisezimmer. Gleichförmigkeit in der Einrichtung ist ihm zuwider: »Ich kombiniere gerne Elemente, die auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinen. Erst diese spannenden Kontraste machen einen Raum lebendig.« Unter anderem treffen ein zeitgenössischer Couchtisch von Pierre Charpin und witzige Objekte aus dem 20. Jahrhundert wie zwei orange Floris-Stühle des deutschen Designers Günter Beltzig aus dem Jahr 1967 aufeinander. Die auffälligsten Stücke sind jedoch die ältesten: ein französischer Regency-Tisch, ein klassizistischer, vergoldeter Konsolentisch und eine Kommode aus dem frühen 18. Jahrhundert aus lackiertem Holz, Marmor und Bronze.

»Ich stelle mir gerne vor, was all diese Werke und ihre früheren Besitzer schon erlebt haben. In jedem alten Stück steckt eine Geschichte.« Auch zur Kunst pflegt das Paar einen eklektischen Zugang. Hier reicht das Spektrum von einem flämischen Gemälde von Venus und den vier Jahreszeiten aus dem 16. Jahrhundert über eine Fotografie von Massimo Vitali bis zu einer felsenartigen Metallskulptur von Pierre Malphettes. »Wir sind beim Kaufen meist sehr spontan und schnell entschlossen«, verrät Frisoni. »Es ist mehr Instinkt- als Kopfsache.« So war es auch beim Porträt eines Kavallerieoffiziers, das in der Bibliothek hängt. Frisoni entdeckte das 1927 von einem gewissen René-George Gautier gemalte Bild bei einer Christie’s-Auktion und schenkte es seinem Partner zum 50. Geburtstag. »Es ist ein sehr ausdrucksstarkes, elegantes Porträt und dabei sehr maskulin«, erinnert er sich. »Da musste ich nicht lange überlegen.

»Wir sind beim Kaufen meist sehr spontan und entschlossen. Es ist mehr Instinkt- als Kopfsache.« Bruno Frisoni Schuhdesigner 

Abwechslungsreich

Trotz ihres imposanten Domizils legen die beiden keinen Wert auf allzu große Förmlichkeit. »Die Struktur der Wohnung ist zwar traditionell, doch für mich steht klassisch in erster Linie für Exzellenz und nicht für etwas Gesetztes, Langweiliges«, erklärt Frisoni. »Wir laden gerne Gäste ein, aber wir mögen es zwanglos, mehr in Richtung Bohemian Chic.« Und Van der Straeten ergänzt: »Ein Buffet, wo die Leute ihren Teller auf dem Schoß halten können, ist uns viel lieber als ein formelles Dinner.« Sein Lieblingsplatz in der Wohnung ist die Hans-Wegner-Couch am Fenster in der Bibliothek – von hier hat man einen herrlichen Blick auf die Seine. »Hier gibt es alles, von Froschmännern bis zu Schwänen, und im Sommer wird im Café gegenüber sogar Tango getanzt. Ich hatte ja keine Ahnung, was sich hier alles abspielt!«

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