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Wie richte ich mein eigenes Homeoffice ein? Was sind die Vor- und Nachteile? Und worauf ist bei der Gestaltung und Möblierung besonders zu achten?

12 . Oktober 2018 - By Wojciech Czaja

Es war ein Schock, eine der größten wirtschaftlichen Überraschungen des letzten Jahres: Das US-amerikanische Tech-Unternehmen Automattic, das den weltweit bekannten Webhosting-Dienst WordPress.com betreibt, löste im Sommer 2017 seinen Bürostandort in San Francisco komplett auf. Der einfache Grund: Von den insgesamt 550 Mitarbeitern haben immer weniger den Weg in die Firmenzentrale in der 29. Straße gefunden. An manchen Tagen, erinnert man sich, seien gerade mal fünf Menschen an ihren Tischen gesessen.

»Das Konzept des Miteinander-Arbeitens war bei uns offenbar nicht erfolgreich«, erinnert sich Firmensprecher Mark Armstrong. »Daher haben wir beschlossen, unseren physischen Standort aufzugeben und unseren Leuten von nun an freizustellen, wo sie arbeiten wollen. Manche möchten bei Starbucks oder in einem kommerziellen Coworking-Space arbeiten, andere richten sich lieber zu Hause ihr eigenes Homeoffice ein.« ­­Je nachdem, wie sich die Mitarbeiter entscheiden, bekommen sie eine Refundierung der Nebenkosten in der Höhe von bis 250 US-Dollar monatlich.

»Mit ein bisschen Disziplin und den dafür nötigen Möbeln und Gadgets lässt sich ein Homeoffice eigentlich überall einrichten – auch am Esstisch im Wohnzimmer. Wichtig ist das richtige Licht und ausreichend Stauraum.« Oliver Pestal Planer, Designfunktion

Auch hierzulande richten sich immer mehr Menschen ihr eigenes Homeoffice ein. Mit dem Wandel von Arbeitszeit und Work-Life-Balance ändern sich also nicht nur die Arbeitsplätze im Büro, sondern auch die An­forderungen an die eigene Wohnung, an das eigene Arbeitszimmer oder an den eigenen Mini-Schreibtisch. »Natürlich ist die Einflussnahme auf den Arbeitsplatz im privaten Umfeld nicht so groß wie im Büro«, sagt Oliver Pestal, Planer im Wiener Büro designfunktion. »Die Möglichkeiten sind eingeschränkt, weil man damit arbeiten muss, was einem die Wohnung bietet. Und dennoch gibt es auch hier ein paar wichtige Punkte, die man berücksichtigen sollte.« 

Ideal, meint der Experte, sei ein eigener Arbeitsraum oder zumindest ein räumlich oder atmosphärisch abgetrennter Bereich in einem bestehenden Zimmer. Als zweite Priorität empfiehlt Pestal einen eigenen Schreibtisch, der in einer Nische oder in einem ruhigen Eck des Wohnzimmers aufgestellt wird. »Wenn auch dafür kein Platz ist, dann rate ich unseren Kundinnen und Kunden, den Esstisch als Schreibtisch zu nutzen. Mit ein bisschen Disziplin und den dafür nötigen Möbeln und Gadgets ist das kein Problem.« Wichtig seien eine ausreichende Größe des Tisches, eine passende Beleuchtung, denn ein temporärer Arbeitsplatz verlangt nach ­einem anderen Licht als ein romantisches Dinner, und ein fahrbarer Trolley, in dem ein Laptop, ein Drucker, ein paar Ordner und die zum Arbeiten notwendigen Unterlagen und Utensilien verstaut werden können.

My home is my office

Dass ein Homeoffice keineswegs wie ein klassisches Profi-Büro aussehen muss, beweisen die vielen originellen Raumlösungen, die am Markt erhältlich sind. Und auch das italienische Traditions-unternehmen Giorgetti, das heuer sein 120-jähriges Jubiläum feiert, schafft es, mit seinen luxuriösen Hölzern, Textilien und Lederpolsterungen mehr Wohn- als Arbeitsambiente zu kreieren. »Wir legen großen Wert darauf, dass die Lösung zum Menschen und auch zur Architektur passt«, erklärt Giovanni del Vecchio, Managing Director von Giorgetti. Doch auch bei kleine­ren Portemonnaies sei es dringend ratsam, ein Auge sowohl auf den ergonomischen als auch auf den ästhetischen Komfort des eigenen Homeoffices zu werfen. »Natürlich muss ein Schreibtisch eine gewisse Mindestgröße aufweisen, damit ich mit Laptop und Papier bequem darauf arbeiten kann«, sagt die Grazer Arbeitspsychologin Christine Korak. »Dennoch rate ich dringend davon ab, auf Möbel von klassischen Büromöbelherstellern zurückzugreifen. Im Gegensatz zum Büro nämlich darf und soll sich im Homeoffice die eigene Persönlichkeit niederschlagen. Man arbeitet allein und kann auch allein entscheiden. Das sollte man ausnützen.«

LIVING Nr. 04/2018

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LIVING Nr. 04/2018

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