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Haute Couture am Teller – Die Restaurants der Luxusmarken

Einfach Mode zu designen wird offenbar langweilig. Labels wie Gucci, Dior und Co. eröffnen in ihren Shops Luxusrestaurants und entwerfen dabei vom Tisch bis zum Teller alles selbst. Gekocht wird von den besten Chefköch:innen der Welt, die neue Kund:innen in die Modetempel bringen.

08 . Juni 2022 - By Florentina Welley

In Italien geht nicht nur die Liebe durch den Magen, sondern gleich das ganze Leben. Wer etwa in Florenz das Paradies »Gucci Garden« betritt, um in dem Luxustempel eine der ikonischen Handtaschen zu erstehen oder bezaubernde Tableware von Fornasetti zu bewun­dern, bekommt in dieser auch einen köst­lichen Lunch serviert. Denn an derselben Adresse im Palazzo della Mercanzia an der Piazza della Signoria 10 führt Massimo Bottura die »Gucci Osteria«. Warum immer mehr Luxuslabels in ihren Stores Restaurants eröffnen, ist schnell erklärt: Sie holen neue Kund:innen herein und machen Shoppen zum kulinarischen Erlebnis.

PASTA À LA GUCCI

Storytelling ist im Interior-Design der Restaurants das Um und Auf. Umso schmackhafter, dass jetzt Haute Couture mit Haute Cuisine auf den Teller kommt. Wo Mode und Geld die Welt regieren, wie in Mailand oder Paris, haben in den neuen Mode-Gourmettempeln neben den besten Designer:innen jetzt die besten Küchenchef:innen das Sagen. Fine-Dining-Erlebnisse sorgen ja auch für gute Social-Media-Postings. Was nicht nur der Stammklientel neue Erfahrungen bringt, sondern auch Gourmets in die Modeläden. Zunehmende Onlinekäufe brauchen heute einen realen Gegenpart. Deshalb haben Gucci, Armani, Dior und Co. Shopkonzepte entwickelt, die eine visuelle Verbindung ihrer Design-DNA zwischen Modegeschäft und Restaurant herstellen.

So holte Designer Alessandro Michele 2018 Massimo Bottura als Küchenchef ins »Gucci Garden« nach Florenz. Der krönte die »Gucci Osteria« im Shop bereits 2019 mit einem Michelin-Stern. Pasta-Machen lernte Bottura bei der legendären Pasta-Queen von Modena, Lidia Cristoni, später kochte er bei Alain Ducasse oder Ferran Adrià. Seine Gerichte wirken wie essbare Kunstwerke am Teller, schließlich hat er ein Diplom – auch in Kunst. Nach wie vor kreiert Bottura, der mit seiner »Osteria Francescana« in Modena zu den besten Köchen der Welt zählt, die Main Dishes für die »Gucci Osteria«, die Küchenchefin Karime Lopez in Florenz serviert.

PARISER CHIC AM TELLER

In Paris müssen Prominente wie Beyoncé, Marion Cotillard oder Robert De Niro jetzt ein paar Schritte weiter gehen. Sie waren alle Stammgäste im »Plaza Athénée«. Aber seit März kocht Jean Imbert, der bei Paul Bocuse lernte und später Nachfolger des Küchenchefs Alain Ducasse im »Plaza Athénée« wurde, jetzt genau vis-à-vis. Nämlich in der wiedereröffneten Dior-Boutique an der Avenue Montaigne 30 als Küchenchef des hauseigenen Restaurants »Monsieur Dior«. Hier setzte Architekt Peter Marino als Hommage an die Tradition von Christian Dior Schwarz-Weiß-Kontraste ein und zitierte mit einer Holzvertäfelung aus der alten Boutique, einem emblematischen Versailles-Parkett und dem Wiener Geflecht die Vergangenheit. Ansonsten hält Marino es mit seinem Interior zeitgenössisch. Etwa bei Wandnischen, in die Fotomontagen aus -Tausenden Bildern in einer Palette von Rot-, Schwarz- und Weißtönen aus Diors Archiven montiert wurden. Ein Fund aus der persönlichen Schatzkiste des Künstlers Guy Limone.

Fast könnte man glauben, dass auch Peter Marinos DNA Haute Couture ist. Denn als Mitglied der Interior Design Hall of Fame gestaltete er auch einen Teil des Pariser Kaufhauses La Samaritaine für LVMH in das Luxushotel »Cheval Blanc Paris« um. Hundert Jahre zuvor beaufsichtigte noch Architekt Henri Sauvage die Fertigstellung eines der größten Art-déco-Gebäude von Paris. »Wir wollten das ikonische Pariser Gebäude verwandeln, ohne sein bestehendes Designerbe zu zerstören«, sagte Marino. Dazu setzte er Terrazzoböden, Intarsienwände, lederverklei­dete Aufzüge sowie Bronzepaneele der jungen Bildhauerin Ingrid Donat ein. Und mixte den Stil mit Vintagemöbeln von Maria Pergay, ­Charlotte Perriand und Jean Lurçat. Die fröhliche Farbpalette in Rot, Orange und Gelb im Restaurant »Cheval Blanc« mit Holzwänden aus Muscheln soll an Südfrankreich erinnern. Und die Kochkunst von Küchenchef Arnaud ­Donckele wurde bereits sechs Monate nach der Eröffnung des Restaurants mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet.

Ich koche, was ich gerne esse, und da mein Geschmack einfach ist, wird er nicht als intellektuell und kompliziert angesehen.

Francesco Mascheroni, Küchenchef Armani-Restaurant

GERICHTE IM SIMPLE DESIGN

Giorgio Armani entdeckte bereits vor elf Jahren, dass sich Couture und Cuisine gut verstehen, und eröffnete ein elegantes Restaurant im siebten Stock seines Hotels im Mailänder Modeviertel. Bekannt für seine minimalistischen Schnitte, setzt Armani auf ebensolche Gerichte. Francesco Mascheroni, seit 2018 Chef des ­Mailänder Kochtempels, ergänzt traditionelle Rezepte mit japanischen und thailändischen Aromen.

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