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Gut kooperiert: Wenn aus Mode & Kunst ein Business wird

Mode & Kunst – eine interessante Liaison. LIVING hat neben der Kooperation von Boafo und Dior ein paar historische und legendäre Ergebnisse dieser gegenseitigen Beziehung heraus­gesucht. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

04 . Mai 2021 - By Manfred Gram

Manchmal tut es gut, das Offensichtliche ein wenig näher zu beleuchten. Etwa, wenn es um das unbestreitbare Naheverhältnis zwischen Kunst und Mode geht. Oder Mode und Kunst. Je nachdem. Denn sowohl Künstler als auch Modedesigner inspirieren sich gegenseitig auf sehr vielfältige Weise. 

Ein gutes Beispiel dafür ist die Luxus-Marke Dior. Wie bei kaum einem anderen Fashion-Label ist hier Kunst tief in der Marken-DNA verankert. Firmengründer Christian Dior war Kunsthändler und Galerist, ehe er sich in den 1940er-Jahren komplett der Mode zuwandte. Die Affinität blieb aber erhalten. Und heute, über 70 Jahre später, hat das Haus mit Kim Jones einen Kreativdirektor, der die Nähe zu Künstlern wie dem US-Amerikaner KAWS oder dem gefeierten Malstar Amoako Boafo sucht. 

Spannende Beispiele, wie sich Kunst und Mode gegenseitig inspirieren, findet man übrigens früh. Eine besonders schöne Liaison spielte sich etwa in den 1930er-Jahren in Paris zwischen der Italieniern Elsa Schiaparelli und dem Spanier Salvador Dalí ab. Gemeinsam mit dem Meister des Surrealen entwickelte sie Anzüge mit Taschen in Lippenform oder das weltberühmte Lobster-Kleid. Eine Abendrobe, auf die ein überdimensionierter, knalliger Hummer gedruckt war.

Fame

Dabei müssen sich die Kooperationspartner nicht einmal zwingend persönlich kennen oder gar Zeitgenossen sein. Als der Mode-Revolutionär Yves Saint Laurent 1965 sein Mondrian-Cocktailkleid präsentierte, war der niederländische Künstler Piet Mondrian, der mit seinem strikten, geometrischen Werk für das Kleid Pate und Inspirationsquelle war, bereits über 20 Jahre tot. Allerdings fungierte der Erfolg mit dem Kleid als eine Art Türöffner zur Pop-Art, die gerade mit ihrem künstlerischen Aushängeschild Andy Warhol Richtung Höhepunkt marschierte. Yves Saint Laurent und Warhol freundeten sich an und inspirierten sich gegenseitig. 

Überhaupt musste die Pop-Art öfters herhalten, wenn es um modische Kreativprozesse ging. Gianni Versace, vom Werk Warhols besessen, druckte 1991 die bunten Konterfeis von Marilyn Monroe und James Dean auf ein Abendkleid, und Louis Vuitton gewährte Pop-Art-Künstler Jeff Koons die Freiheit, eine Taschenkollektion zu gestalten. Darauf zu sehen: Meisterwerke der Kunstgeschichte von Monet bis Turner. Der mehrfach ironische Bruch geht sich aber aus. So wie beim britischen Kunstsuperstar Damien Hirst, der vom Label Alexander McQueen gebeten wurde, das Signature-Piece der Nullerjahre, den »Totenkopf-Schal«, neu zu interpretieren. Mit Käfern, Insekten und Schmetterlingen wuchs alles zu einer Art barockem Vanitas-Fun zusammen.  

Man sieht: Kooperationen zwischen Fashion und Art scheinen dann erfolgreich zu laufen, wenn der Künstler einigermaßen bekannt ist. Wobei – auch das muss nicht sein: Der sehr einflussreichen Miuccia Prada sind derartige Gepflogenheiten nämlich gerne einmal wurscht. Ihr gefielen 2016 die Zeichnungen und Illustrationen des in Berlin lebenden Franzosen Christophe Chemin derart gut, dass ihr der geringe Bekanntheitsgrad des Künstlers egal war. Sie vertraute ihm zwei Kollektionen an, die zum Hit wurden und den Zeichner berühmt machten. 

Mode bewegt sich bekanntlich zwischen Kunst und Konsum – in Zusammenarbeiten mit den internationalen Stars der Kunstszene wird das einmal mehr deutlich. Genauso wie die kreative Kraft, die daraus resultiert.

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LIVING Nr. 03/2021
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