© Holm Basedow

Große Penthäuser fürs große Portemonnaie

Was wurde aus den großen und poshen Luxury-Projekten, über die wir in LIVING in den letzten Jahren immer wieder berichtet haben? Hier ein hochaktuelles Update zu den nobelsten und teuersten Quadratmetern zwischen Schottenring und Modenapark.

26 . März 2021 - By Wojciech Czaja

Vor ein paar Monaten noch klaffte im Dominikanerhof ein 18 Meter tiefes Loch. Nun befindet sich anstelle der zweittiefsten Baugrube, die in der Wiener Innenstadt jemals ausgehoben wurde, eine fünfgeschoßige Tiefgarage. »Aber das ist noch lange nicht alles«, sagt der österreichische Künstler Sha. »Wir planen hier unten auch ein Fitness-Center sowie sogar ein Mental-Health-Studio für Geist und Seele.« Nachdem die Alte Post, ein riesiger Gebäude­komplex in der Postgasse 8, jahrelang leer gestanden hatte, kauften die beiden Investorengruppen Soravia und Wertinvest die Liegenschaft 2018, verkauften das von ihnen entwickelte »Post Palais« ein Jahr später aber an die deutsche denkmalneu-Gruppe mit Sitz im bayrischen Bamberg. Diese wiederum warf das Projekt über den Haufen und entwickelte mit »Das Lebendige Haus« ein völlig neues Konzept mit Wohnen, Büros, Hotel, Gewerbe, Co-Working-Spaces, vielfältiger Gastronomie und öffentlich zugänglichen Innenhöfen. In regelmäßigen Abständen führt Sha, der das Haus im Auftrag der denkmalneu-Gruppe mit Kunst und einer Medien- und Klang-Installation im Dominikanerhof bespielen wird, durch die Baustelle. Etliche Dokumentationsfilme sind auch auf YouTube zu finden. Ansonsten aber halten sich der neue Eigentümer, der Projektentwickler und das Wiener Architekturbüro hochform mit Informationen ziemlich bedeckt. Über den konkreten Baufortschritt und den Verwertungsstand der 68.000 Quadratmeter großen, denkmalgeschützten Immobilie, bei deren Sanierung die Bauarbeiter sogar auf Münz- und Keramikobjekte aus der Bronzezeit stießen, ist nicht viel in Erfahrung zu bringen. Nur so viel: Ein offenes, urbanes, mit der Stadt vernetztes Haus soll es werden. Geplante Fertigstellung: noch heuer. 

Was die weiteren geplanten, sich in Bau befindlichen oder bereits fertiggestellten Wiener Luxuswohnimmobilien im obersten Segment betrifft, so ist der Verwertungsstand zwischen erstem und drittem Bezirk sehr unterschiedlich. In manchen Objekten sind noch ein oder zwei Wohneinheiten zu haben, in anderen ist die Auswahl etwas größer, und in wiederum anderen wurden 25 Prozent aller Wohnungen noch nicht verwertet. Russisches Roulette eben – nicht zuletzt deshalb, weil die Käufer aus genau diesen Landen sowie aus dem Reich der Mitte in den letzten Monaten aufgrund der globalen Covid-19-­Pandemie ausblieben und den zum Teil erhofften und wohl auch mitkalkulierten Erfolg nicht einbrachten, wie es scheint. 

»Bis auf zwei Wohneinheiten im N°10 in der Renngasse«, sagt Daniel Jelitzka, Geschäftsführer von JP Immobilien, »haben wir das gesamte Haus verkauft. Und auch bei unserem neuesten Produkt, dem Kayser am Franz-Josefs-Kai, läuft der Verkauf sehr gut.« Im N°10 sind noch die beiden größten Dachgeschoßwohnungen mit einem Quadratmeterpreis von etwa 18.000 Euro frei. Und im Kayser sind die Wohnungen in den unteren der Etagen restlos verkauft, während jene ab dem vierten Stockwerk aufwärts noch auf Käufer warten. Günstigstes Schmankerl: 38 Quadratmeter um 587.000 Euro. Krönender Abschluss: 157 Quadratmeter im Dach  um 2,9 Millionen Euro. 

Auch im ehemaligen Telegrafenamt am Börseplatz 1 sind es just die 250 bis 500 Quadratmeter großen Lofts und Penthouses, die noch zum Verkauf stehen. »Unsere Altbauwohnungen haben wir bereits zur Gänze verwertet«, sagt Michael Albert, Geschäftsführer der Baugesellschaft Börseplatz 1 GmbH & Co. KG. »Aber die sehr großen Wohnungen im Dachbereich warten noch auf Käufer. Zum Teil ist das auch auf Corona zurückzuführen. Viele Interessenten aus dem Ausland hatten noch keine Möglichkeit, nach Wien zu kommen, um sich das Objekt in natura anzusehen. Ich rechne damit, dass wir die Verwertung bis Jahresende abschließen können.« Der Durchschnittspreis der noch verfügbaren Wohnungen: 21.000 Euro pro Quadratmeter – in den Penthouses inklusive Innenausbau, in den Lofts lediglich Shell & Core ohne Innenausbau. Aber das fällt dann ohnehin nicht mehr ins Gewicht.

Palais Schottenring

Vor zwei Jahren sind die ersten Bewohnerinnen und Bewohner des frisch sanierten Palais Schottenring eingezogen. Von den insgesamt 40 Wohnungen sind noch zwei unverkauft – Top 215 mit 158 Quadratmetern Nutzfläche sowie Top 115 mit rund 260 Quadratmetern. Die Preise dafür liegen bei 3,2 bzw. 5,18 Millionen Euro. Angeboten werden die Wohnungen im Palais Schottenring in vier Ausstattungsvarianten – von Katz, Cordier, Interior Moments von Isabelle Farrokhnia sowie vom etwas überschwülstigen Pariser Gestalter Juan Pablo Molyneux. palais-schottenring.com, otto.at

© SRE Schottenring 18 Real Estate GmbH

Börseplatz 1

Während die bis zu 250 Quadratmeter großen Altbauwohnungen allesamt verkauft sind, sind einige der 250 bis 500 Quadratmeter großen Lofts und Penthouses in den obersten Etagen nach wie vor zu haben. Die Ausstattung reicht von »Classic« bis »Urban Cool«, wobei die Lofts standardmäßig als Shell & Core angeboten werden, also im Edelrohbau ohne Innenausbau. Die Preise liegen nach Auskunft der Geschäftsführung bei rund 21.000 Euro pro Quadratmeter. Bei den bisherigen Käufern handelt es sich zumeist um Eigennutzer aus dem EU-Raum.  boerseplatz1.com

© Free Dimensions

Das Lebendige Haus, Alte Post, Innere Stadt

Um kolportierte 115 Millionen Euro verkauften die Vorbesitzer Soravia und Wertinvest das »Post Palais« in der Postgasse 8 an die deutsche denkmalneu-Gruppe. Mit an Bord ist der milliardenschwere Investor und SAP-Gründer Hasso Plattner. Bei Fertigstellung soll die ehemalige k. u. k. Hauptpostzentrale ein »Lebendiges Haus« werden – mit maximal gemischter Nutzung, Gastronomie im Dachbereich und öffentlich begehbaren Kunstinnenhöfen, die vom österreichischen Künstler Sha bespielt werden. denkmalneu.com, daslebendigehaus.de, hochform.com

© Holm Basedow

Kayser, Franz-Josefs-Kai

Das Kayser am Donaukanal bietet 69 Wohnungen von klein bis groß. Auf dem Menüplan stehen derzeit noch 35 Einheiten. Der Durchschnittspreis liegt bei wohlfeilen 14.000 Euro pro Quadratmeter,wobei der Schwerpunkt auf kleinen, kompakten Smart-Luxury-
Wohnungen zwischen 40 und 60 Quadratmetern liegt. Der Grazer Architekt Thomas Pucher hat das Haus in ein Kleid aus Loggien mit klapp- und verschiebbaren Sonnenschutzpaneelen gekleidet. Geplante Fertigstellung: Ende dieses Jahres. kayser.wien, jpi.at, thomaspucher.com

© JP Immobilien

The Ambassy, Beatrixgasse

Die UDA Urban Develompent Agency rund um Investor Heinz Blank hat im Herbst 2018 dieses exklusive Wohnprojekt zwischen Stadtpark und Modenapark fertiggestellt. Von den insgesamt 197 Wohnungen sind nach wie vor 46 Einheiten erhältlich. Ausstattung und Haustechnik liegen im Top-Bereich. Die finanziellen Angelegenheiten ebenso: Die Kaufpreise für die 55 bis 300 Quadratmeter großen Wohnungen liegen zwischen 500.000 und 4,8 Millionen. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von 10.000 bis 16.000 Euro. theambassy.com, acc-zt.com

© Otto Immobilien/The Ambassy 2021

Triiiple, Erdberg

Von den insgesamt 504 Wohnungen in den Triiiple Towers 1 und 2 (Eigennutzeranteil rund 60 Prozent) sind noch 34 Wohneinheiten zu haben. Das noch verfügbare Angebot umfasst Größen von 48 bis 165 Quadratmeter und liegt zwischen 2. und 33. Stock. Mit einem ungewichteten Quadratmeterpreis zwischen 8.000 und 11.000 Euro haben die Kaufpreise in den letzten Monaten deutlich angezogen. Belohnt wird man dafür mit einem fußläufigen Zugang zum Donaukanal sowie zwei Swimmingpools auf den Dächern. triiiple.at, soravia.at, ivv.at

© Soravia
LIVING Nr. 02/2021

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