© Alex Dietrich

Seine Entwürfe weisen in die Zukunft und deuten die Vergangenheit. Er lässt sich gerne von Fundstücken inspirieren und entwickelt daraus innovative Produkte. Der Südtiroler Industrial Designer entwirft Möbel wie Leuchten und verpasst ihnen dabei eine poetische Note. LIVING besuchte Patrick Rampelotto in seinem Wiener Studio.

15 . Oktober 2021 - By Florentina Welley

Schon beim Eintreten sind wir geblendet von den Gold- und Silberblitzen, die den Raum durchkreuzen. Erzeugt vom Sonnenlicht, das durch die Fenster hereinstrahlt und von den unzähligen Metallobjekten reflektiert wird, die der Designer übersicht­lich in Regalen geschlichtet hat. Manche sind noch in dicke Polsterfolien gewickelt und warten darauf, verarbeitet zu werden. Andere baumeln von der Decke, stehen auf Podesten. Rundum der schlichte Barhocker »Pilot«, Arbeitsmodelle für das neue Projekt, ältere Glasarbeiten. Davor liegt ein Teppich mit Ornamentmuster, und auch der hellblaue »Knieschwimmer« steht mittig im Raum.

Garagenleuchte

Die Metallleuchte »Ray« aus Aluminium entstand für ein spezielles Projekt für Seeste Bau.

© Alex Dietrich

LIVING  Worin liegt der Schwerpunkt Ihrer Entwürfe? Bei Leuchten aus Silber- und Gold­pokalen, die wir hier sehen, oder anderswo?
Patrick Rampelotto Pokallampen be­gleiten mich seit Jahren, daran arbeite ich ­eigentlich konstant. Parallel dazu entwickle ich viele weitere Produkte für Möbelfirmen. Für Geba bin ich dabei, einen neuen Teppich zu kreieren, für Lobmeyr entwickle ich gerade eine neue Leuchte und für SDC einen Stuhl.

Sind denn Teppiche wieder im Trend?
Ja, Teppiche sind wieder da, absolut. Mein ­erster Teppich für Geba war ein konzeptueller Entwurf. Ich habe das Diagramm des Knotens zum Ornament des Teppichs gemacht. Das Ornament erklärt damit, wie der Knoten entstand. Diesen Teppich kaufte das MAK an.

Sie sind auch bekannt für Reinterpretationen klassischer Möbelentwürfe in einem zeit­genössischen Kontext. Vor uns steht der »­Knieschwimmer«, eine Liege, ursprünglich ­entworfen von William Birch 1898, dann von Adolf Loos 1906 kopiert.
Auch das Modell des »Knieschwimmers« wird gerade weiterentwickelt, eine außergewöhnliche Typologie von Möbel zwischen Liegen und Sitzen.

Wie ist der Designprozess selbst, verändern sich Ihre Entwürfe, etwa bei den Pokalen?
Meine Pokallampen entwickeln sich permanent weiter. Früher habe ich aus alten, sprich Vintage-Teilen, die ich auf Flohmärkten gefunden habe, Lampen gebaut. Heute lasse ich mir die Pokale produzieren und arbeite direkt mit einer Firma in Turin zusammen, die mir diese Teile nach meinen Wünschen anfertigt. Sie ist eine der wenigen Firmen in dem Gebiet die noch in ­Europa produzieren. Damit hat sich für mich eine neue Vielfalt ergeben. Ich kann so komplett andere Entwürfe machen, ­größer und seriell werden.

Was ist wichtiger bei Ihrer Formensprache, Funktion oder Handwerk?
Beides. Die Form ergibt sich aus der Gegebenheit. Manchmal gehe ich speziell auf den Raum ein, wie etwa bei meinem Luster für das neue Lokal »Der gute Fang« von ­Hannah Neunteufel in Ybbs. Von Anfang an wurde mein Entwurf von den Architekten BWM bei der Planung miteinbezogen, und wir entwickelten das Konzept gemeinsam. Wie auch im Projekt mit Seeste Bau, mit ­Bauherr, Bauträger und Projektentwickler.

Stuhl und Tisch »Sling« für Quinze & Milan sind gerade in Produktion gegangen.

© SUC_lab

Wie sieht es mit den Materialien aus, etwa für die Stühle von Quinze & Milan. Wie zeigen sich dabei Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft?
Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle, alle Möbel werden in Europa produziert. Aktuell ist es ein klassischer Stahlrohrstuhl, den ich formal sehr reduziert habe, wo auch der ­Produktionspreis stimmt. Die Möbel sollen nachhaltig sein, auch im Sinne von Haltbarkeit. Ich möchte Dinge produzieren, die jahrzehntelang halten und über Generationen vererbt werden können. Das heißt, die Qualität muss stimmen und das Design auch.
Ich arbeite ja gerne zwischen Opulenz und ­Minimalismus. Bei diesem Stuhl wurde der Entwurf aufs Minimum heruntergebrochen.

Wie sieht es mit nachhaltigen Materialien aus?
Beim Hocker kommen Plastik und Holz zum Einsatz. Plastik ist recycelbar, Holz sowieso, und beide Teile sind ohne Werkzeug trennbar. Plastik ist ein wunderbares Material, wir haben nur den falschen Zugang dazu. Der Rohstoff sollte viel teurer werden, damit ­Recycling interessanter wird.

Welche Interior-Farbtrends sehen Sie im Kommen?
Gold überall! Wie es in den frühen 1970er-Jahren modern war. Wir haben lange Scheu vor Gold gehabt und es in eine kitschige Ecke gedrängt, aber jetzt ist es wieder cool. Es ist Zeit, eine goldene Note als Akzent im ­Wohnzimmer zu setzen.

Welche Dinge würden Sie noch gerne entwerfen?
Ich würde gerne immer größere, enorme Deckenluster machen, die über den ganzen Plafond wachsen.

Restaurant »Der gute Fang«

Der Luster »Donaumonster« in Ybbs besteht aus etwa 80 Pokalen unterschiedlicher Größe. Ein Masterpiece zwischen Kunst und Design.

© Mato Johannik

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LIVING Nr. 07/2021
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