© MW-Moments Architekturfotografie

Selbstversorgung, Rückzugsort, Bäume als Skulpturen: Wir werden anspruchsvoller und kreativer im Garten. Welche Trends gibt es? Und welche Schritte sollte man jetzt schon setzen, damit im Sommer alles blüht?

12 . März 2021 - By Karin Cerny

Vorbei sind die Zeiten, als der Gar--ten bloß eine Art Fototapete war: optisch schön anzusehen, aber eigentlich nur ein paar Monate im Sommer auch praktisch genutzt. »Nicht erst seit der Covid-19-Pandemie wird der Garten als erweitertes Wohnzimmer betrachtet, das sogar im Winter bespielt werden soll«, sagt Stefan Hinterhölzl, Landschaftsarchitekt bei Kramer und Kramer: »Eine passende Beleuchtung, die den Innen- mit dem Außenraum verbindet, aber auch Wärmelampen, wie man sie aus dem öffentlichen Bereich kennt, helfen dabei.« 

Wind und Wetter

Der Garten wird das ganze Jahr über zum idealen Erholungsraum, wenn es im Homeoffice zu eng wird. Idealerweise findet jeder seinen individuellen Lieblingsplatz. Wenn die ganze Familie daheim ist, dann braucht es draußen Nischen, in die man sich zurück-ziehen und wo man durchatmen kann. Im Trend liegen deshalb Pflanzen, die das ganze Jahr über dekorativ sind, egal, ob sie gerade blühen oder nicht. Gartenplaner Peter Baumgarten von BeGRÜNder beobachtet, dass es im Grünbereich ruhig ein wenig chaotisch zugehen darf: »Gänseblümchen im Rasen, Felsen, die im Blumenbeet liegen: Wildwuchs ist gefragt.« Zudem werden Gartenfreunde in Sachen Pflanzenauswahl experimentierfreudiger, was auch an den milderen Wintern hierzulande liegt. Vieles gedeiht, was es früher schwer hatte: »Mediterrane Pflanzen wie Oliven boomen, aber auch Bäume, die Früchte tragen, wie Feigen oder Kaki.« 

»Gänseblümchen im Rasen, Felsen, die im Blumenbeet liegen: Wildwuchs ist gefragt.«

Peter Baumgarten, Gartenplaner bei BeGRÜNder

Herbstfärbung 

Wolfgang Praskac vom Praskac-Pflanzenland-Familienbetrieb erzählt, dass der Trend in Richtung Selbstversorgung geht: Gemüse und Obstbäume werden viel nachgefragt, umso besser, wenn sie auch dekorativ sind. »Es gibt Zierkirschen oder Zieräpfel, deren Fruchtschmuck wunderschön ist. Aber auch die Herbstfärbung der Blätter wird für die Bepflanzung wichtiger«, so Praskac. Ebenso machen sich immergrüne Nadelhölzer stets gut. »Bäume werden inzwischen fast wie Skulpturen im Garten eingesetzt«, erklärt Hinterhölzl: »Es geht weg vom Massenprodukt, hin zum speziellen Einzelstück, das ruhig auch größer sein darf. Viele wollen nicht warten, bis ein Baum erst in sechs Jahren Schatten spendet. Sie möchten ihren Garten sofort nutzen.«

Sogar ausgewachsene Bäume lassen sich das ganze Jahr über umpflanzen. Nur den Sommer sollte man vermeiden, erklärt Theresia Starkl: »Frisch gesetzte Bäume brauchen viel Wasser. Wenn es sehr heiß ist, leidet der Baum.« Die beste Zeit, um Änderungen im Garten zu planen, ist ohnehin von Mitte März bis Mitte April. »Dann ist auch die Auswahl -in den Baumschulen am größten«, sagt Baumgarten. »Man fährt aufs Feld, schaut sich die Bäume an, und kann konkret entscheiden, welchen man bei sich einpflanzen lässt«, rät auch Praskac. 

Im März sollte man beginnen, den Garten für den Sommer fit zu machen. Laub muss entfernt, abgestorbene Halme im Rasen müssen gezupft werden, damit er dann umso dichter nachwächst. Kleingehölze gehören zurückgeschnitten und die Erde gehört ergänzt. Für Blumenbeete empfiehlt sich ein biologischer Langzeitdünger, der drei bis sechs Monate wirkt. »Für den Winter eingepackte Pflanzen wie Feigen sollte man nicht zu lange so belassen. Wenn es wärmer wird, entsteht leicht Schimmel«, erklärt Baumgarten. Besser, man kontrolliert hin und wieder den Zustand der Pflanze, lüftet mal kurz durch. Und es schadet nicht, die Bewässerungsanlage schon vor der eigentlichen In-betriebnahme zu testen.

Nachhaltigkeit und Tierfreundlichkeit liegen im Trend, damit der Garten als lebendiger Entspannungsort genutzt werden kann. Vielen ist wichtig, dass der eigene Garten das Nützliche mit dem Natürlichen verbindet, dass bestimmte Ecken gezielt verwildern und Wald-Feeling aufkommen lassen. Es macht schließlich Spaß, wenn Bienen und Vögel um einen herumschwirren. Vogelschutz-hecken und Nistplätze müssen bereits jetzt angelegt werden, denn im Frühjahr beginnt die Brut. Dann sollte alles bereitstehen. Aber auch Insektenhotels sehen schön aus und sind hilfreich.

»Mit dem richtigen Schnitt kann man die Form eines Baums vorgeben und verhindern, dass Obstbäume verholzen. Pflegefehler lassen sich im Nachhinein oft schwer rückgängig machen.«

Theresia Starkl, Gartenexpertin

Zeichen der Natur

Der Baumschnitt sollte gemacht werden, bevor die Knospen treiben. Starkl empfiehlt, sich im Gartencenter Rat von Experten zu holen: »Mit dem richtigen Schnitt kann man die Form eines Baums vorgeben und verhindern, dass Obstbäume verholzen. Pflegefehler lassen sich im Nachhinein oft schwer rückgängig machen.« Für den Rosenschnitt gibt es eine alte Hausregel: wenn die Forsythien blühen. »Es bringt nichts, sich strikt an den Kalender zu halten, besser ist es zu beobachten, was die Natur macht«, rät Starkl. Dazu hat man ja schließlich auch einen Garten.

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