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Outdoor-Küchen sind gerade ein Verkaufsschlager. Auch weil viele Hobbyköch:innen erkannt haben, dass man die Freiluftküchen das ganze Jahr nutzen kann. LIVING hat bei zwei Profis nachgefragt und erfahren, was hinter dem Boom liegt und was Küchen und Material können sollen.

06 . Juli 2022 - By Manfred Gram

Drehen wir die Uhr ein wenig zurück. Wenn man vor fünfzehn Jahren von einer Outdoor-Küche gesprochen hat, dann tauchte auf die Schnelle ungefähr folgendes Bild vor dem inneren Auge auf: ein wackeliges Tischchen, voll beladen mit allerhand Fleisch, Gemüse und Salaten. Daneben ein – mehr oder weniger – teurer Gartengrill. Was Kugeliges mit Kohle oder was Eckiges mit Gas zum Beispiel. Die Zeiten sind definitiv vorbei. Fällt 2022 der Terminus »Outdoor-Küche«, wird nicht selten an ganz anderes gedacht. An echte Küchen nämlich, die Annehmlichkeiten wie Kühlschrank, Geschirrspüler, Spülbecken, Backrohr, Kochfeld und Griller bieten. Und zwar fein und perfekt abgestimmt für Garten und Terrasse. Eine komplette, wetterfeste Küche eben, in der unter freiem Himmel gekocht wird und die man ruhig als saftiges Statement bei der Eroberung der Außenflächen interpretieren darf. »Die Menschen haben ihre Liebe zum Einrichten entdeckt, und diese Liebe endet nicht an der Terrassentür«, fasst Nadine Pollex gewitzt zusammen. Die deutsche Unternehmerin hat sich mit ihrer Firma OCQ – kurz für Outdoor Cooking Queen – darauf spezialisiert, exklusive, hochwertige Küchen für draußen zu produzieren, und momentan boomt das Geschäft.

Lebenslustig Die elegant aufs Wesentliche reduzierte Küche aus der »Drop«-Serie überzeugt mit robustem Alu. cane-line.de

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Auch weil Unternehmen wie ihres die Standards für Freiluftküchen gehoben haben: »Die Möglichkeiten, auch im Außenbereich gut kochen zu können, werden durch ausgeklügelte Planung und durch technisches Equipment immer besser«, erzählt sie. Ähnlich sieht es auch Andreas Ettenfellner. Er ist Geschäftsführer von FLAM.E und als markenunabhängiger Händler für Outdoor-Küchen eine der ersten Anlaufstellen, wenn es darum geht, sich Maßgefertigtes zum Kochen ins Freie zu stellen: »Natürlich hat die Covid-Pandemie die Nachfrage nach Outdoor-Küchen massiv gesteigert, aber der Trend dafür zeichnet sich schon seit einigen Jahren ab.«

SÜD-NORD-SOMMER-WINTER- TRANSFER

Was man etwa aus Urlaubsdestinationen wie Spanien, Griechenland oder Italien kennt, nämlich, dass es normal ist, dass sich neben Grill oder Holzöfen auch einige gemauerte Regale und eine Spüle befinden, kommt jetzt auch in nördlichere Gefilde. »Qualitativ ist das natürlich nicht mit den heutigen Küchen zu vergleichen, aber die Idee dahinter ist dieselbe«, so Nadine Pollex von OCQ.

»Die Liebe zum Einrichten endet nicht bei der Terrassentür.« – NADINE POLLEX, Gründerin und Chefin von OCQ

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Jetzt gibt’s Beton Hoch im Material-Kurs bei Draußenkocher:innen steht Beton. Model »MUTABIKH« von tantan geht als Best-Practice-Beispiel durch. tan-tan.de

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Die Idee ist übrigens so gut, dass Andreas Ettenfellner noch ein größeres Potenzial wittert. »Draußen kochen ist ein Lebensgefühl. Dieses Gefühl genießen immer mehr Menschen auch in der kalten Jahreszeit.« So erzählen Ettenfellner und Pollex etwa unabhängig voneinander von Advent- und Nikolausfeiern, Winterfesten und Silvester- partys, die eine Outdoor-Küche mittlerweile zu einem Ganzjahresthema machen. Lifehack inklusive, denn: »Den Geruch von Fisch, Gebackenem, Frittiertem oder von Gulasch draußen zu halten motiviert Hobbyköch: innen dazu, Gerichte auch im Winter draußen zuzubereiten«, so Ettenfellner.

KÜCHENPRAXIS

Bei der Erweiterung der Kochzone tun sich jetzt natürlich ein paar Fragen auf, die im Vorfeld beantwortet werden sollten, um die perfekte Außenküche zu finden. Etwa: Was kocht man am öftesten und am liebsten? Für wie viele Personen wird üblicherweise gekocht? Steht man lieber alleine oder mit Freund:innen und Familie hinterm Herd? Und vor allem: Wie oft soll die Küche genutzt werden?

Hingucker Als »echtes Spektakel« bezeichnet Hersteller Glamm-Fire dieses Edelstahlküche. Man darf ihm recht geben. glammfire.com

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»Drei Meter lange Küchen mit fünf Schrankelementen sind aus unserer Sicht für draußen ideal.« – NADINE POLLEX, Gründerin und Chefin von OCQ

Andreas Ettenfellner weist darauf hin, dass es bei letzterer Frage oft zu Fehl- einschätzungen kommt, denn: »Man kann anfangs noch schwer abschätzen, wie viel Spaßfaktor so eine Außenküche haben kann und wie schnell man sich ans Kochen draußen gewöhnt.«

Ein Regelwerk was eine Küche braucht und wie diese dann aussehen soll, gibt es nicht. Aber die erfahrenen Küchenplanerin Nadine Pollex gibt zumindest eine Empfehlung ab: »Aus unserer Sicht ist eine circa drei Meter breite Küche mit fünf Schrankelementen ideal.« Neben Stauraum inklusive Mülleimer empfehlen Profis auch Kühllösungen, etwa in Form von cleveren Kühlschubladen, vor allem aber eine qualitätsvolle Planung, bei der man dezidiert die Materialfrage beant- worten muss. Denn der Outdoor-Küchen- Boom zeigt sich hier besonders vielfältig.

MATERIALFRAGE

Küchen gibt es aus Aluminium und Edelstahl, Beton und Holz, aus Stein, Keramik und auch anderen Werkstoffen. Das macht die Entscheidung nicht wirklich einfacher. Oder anders: Es gilt, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwiegen. Weiches, leichtes Aluminium lässt sich etwa gut designen und ist verhältnismäßig kostengünstig, nutzt sich aber auch schneller ab und kann bald einmal Dellen und Kratzspuren bekommen. Edelstahlküchen sind da um einiges stabiler und widerstandsfähiger, aber auch schwerer.

Klassiker Dass bei Steininger großartige Küchen produziert werden ist bekannt. Mit der modularen Outdoor-Küche »ROCK. AIR« aus Edelstahl hat man in Sachen Funktionalität und Design den Status quo neu definiert. steiningerdesigners.com

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Will man so ein Ding auf einer Dachterrasse montieren, braucht es Überlegungen zur Statik und wie man das Monstrum hochhievt. Detto bei Steinküchen, die man deswegen eher in Gartenbereichen und nicht auf Dächern finden wird. Üblicherweise werden dafür Steinplatten auf Edelstahlrahmen verlegt. Ebenfalls gefragt sind Küchen aus Beton. Hier gehen aber die Expert:innenmeinungen auseinander. Bei Nadine Pollex kommt der Werkstoff gar nicht erst im Küchenportfolio vor. Er ist zu schwer und Wasser bzw. Frost können mit der Zeit Haarrisse verursachen. Andreas Ettenfellner schwärmt wiederum davon ob der massiven Optik und der Patina, die dieses verhältnismäßig pflegeleichte Material mit der Zeit erhält, und auch der Pflegeaufwand ist einigermaßen überschaubar. Allerdings sind Betonküchen, bedingt durch den Herstel- lungsprozess, teurer.

»Wir bauen mittlerweile fast 80 Prozent unserer Küchen aus HPL.« – NADINE POLLEX, Gründerin und Chefin von OCQ

Wooden Heart Nie verkehrt, wenn auch ein bisschen pflegeintensiver sind Holzküchen. Meistens werden sie mit einem Stahlkorpus kombiniert. o-c-q.com

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Preislich ebenfalls höher angesiedelt sind Outdoor-Küchen, die mit Holz arbeiten. Sie müssen zudem intensiver gepflegt werden und sollten auch besser vor der Witterung geschützt sein. Begeistert sind die Outdoor-Küchen-Profis Pollex und Ettenfellner von High Pressure Laminate (HPL). »Wir bauen mittlerweile mehr als 80 Prozent unserer Küchen aus HPL, einem Material, das viele aus der Fassadenverkleidung kennen«, erzählt Nadine Pollex. Der Werkstoff ist absolut wetter- und farbbeständig und kann mit dem entsprechenden Know-how wie Holz verarbeitet werden. »Wir produzieren den Korpus der Küchen aus HPL und veredeln dann Arbeitsplatte, Rückseite, Seitenwange oder Front, etwa mit Keramik.« 

Wetterfest Gerne greifen Küchenplaner:innen auf HPL-Platten zurück. Sie sind wetterbeständig und imitieren täuschend echt Holz, Stein oder Beton. bbqtion.de

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Man kann die Küchen aber auch gleich direkt mit HPL-Platten verkleiden, die – so Ettenfellner – stark am Vormarsch sind:  »Besonders in Sonnengegenden oder im maritimen Bereich verwenden wir diesen gemeinsam mit unserem Partner entwickelten Sonderwerkstoff. Denn neben einer nahezu uneingeschränkten UV Beständigkeit wird dieses Material auch wegen seiner Unempfindlichkeit gegen Salz- und Chlorwasser hochgeschätzt.« Und? Was lernen wir daraus? Dreht man die Uhr jetzt nach vor, könnte man sehen, dass Outdoor-Küchen im besten Fall für die Ewigkeit sind.

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