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Die beginnende Dekade diktiert komplett neue Vorgaben für das Schlafzimmer. Dicke Matratzen und ruhige Farben spielen die Hauptrolle. LIVING sprach mit Interior Designer Michael Manzenreiter über das perfekt gestaltete Schlafzimmer.

18 . Februar 2020 - By Sandra Keplinger

Das neue Jahr läutet eine Dekade der Umwälzung im Schlafzimmer ein – und das darf man ruhig wörtlich nehmen. Bodennahe Betten und harte Matratzen werden endgültig aus dem Schlafgemach verbannt. Und man greift wieder zu ruhigen, erdigen Tönen – angelehnt an den nachhaltigen Trend, der alle Interior-Bereiche dominiert.

Innenarchitekt Michael Manzenreiter weiß, was es heißt, Menschen optimale Bedingungen für die perfekte Nachtruhe zu schaffen. Seine außergewöhnlichen Zusammenstellungen für das »Hotel Topazz« in der Wiener -Innenstadt gelten als neuer Standard im Hotel-design und erfreuen sich auf internationalen Reiseplattformen sowie Pinterest größter Beliebtheit. Es stellt sich heraus, dass man sich vom Hoteldesign einiges für das eigene Schlafzimmer abschauen kann …

LIVING:Sie haben als Interior Designer schon viele Hotels – und somit Schlafge-legenheiten – ausgestattet. Worauf achten Sie als Erstes, wenn Sie einen Raum betreten, der zum Schlafzimmer werden soll?
Michael Manzenreiter: Proportionen sind mir heilig. Die Form des Raums und des Betts müssen einander entsprechen. Ein annähernd quadratischer Grundriss ist goldrichtig. Ausreichend Wandfläche für das Betthaupt ist essenziell für die notwendige Ruhe und Geborgenheit, die das ideale Schlafzimmer bieten soll. Das Nonplusultra ist ein anregender Blick in den Himmel, ins Grüne oder auf die Skyline einer Stadt – am besten vis-à-vis des Betts und Richtung Osten, damit die Morgensonne ins Schlafgemach scheinen kann.

Schlafzimmer sind oft die Räume, die im Haus gerne vernachlässigt werden. Woran liegt das?
Menschen gestalten die eigenen vier Wände leider sehr oft, um andere zu beeindrucken.
Die schönsten und aufregendsten Flächen werden zur Repräsentation verwendet. Für den privaten Teil bleibt oft nicht ausreichend Platz. Dabei ist das Schlafzimmer mit sechs bis acht Stunden Schlaf die unangefochtene Nummer eins hinsichtlich der Verweildauer im Raum. Ganz nach dem Sprichwort »Das erste Haus baust du für deine Feinde, das zweite für deine Freunde, das dritte für dich« bekommt der Schlafbereich oft erst nach einigen Anläufen die Wertigkeit, die er haben sollte. Schlafräume wurden erst im 19. Jahrhundert privat, davor waren sie Repräsentationsplatz. Diese Schlaf­zimmer waren öffentlicher Raum. Ludwig XIV. hat in seinem Schlafzimmer nicht nur seinen Hofstaat, sondern auch ausländische Diplomaten empfangen. Ich liebe die Vorstellung, ein Schlafzimmer wie einen privaten Salon zu gestalten.

Proportionen sind mir heilig. Die Form des Raums und des Betts müssen einander entsprechen. Ein annähernd quadratischer Grundriss ist goldrichtig.

Michael Manzenreiter, Interior Designer

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Das Bett ist das dominanteste Möbelstück im Schlafzimmer. Was wird sich in der kommenden Dekade beim Bett designtechnisch verändern?
Die Maxime der Zwanzigerjahre lautet: Je hö­her das Bett, desto qualitätsvoller. Es können gar nicht genug Schichten, also Boxspring, Matratze, Matratzenauflage etc., für den Komfort sein – à la »Prinzessin auf der Erbse«. Viele Nobelho­tels bieten ihre raffinierten Luxusbetten mittlerweile den Gästen zum Kauf an. Apropos: Kleine Schlafräume vertragen durchaus hohe Betten – je höher das Bett, umso größer wirkt der Raum!

Die richtige Positionierung des Betts ist oft ein Streitpunkt. In die Ecke? In die Mitte des Raums? Einfach an die Wand?
Die Frage aller Fragen! Symmetrie im Schlaf­zimmer ist mein persönliches Credo. Bestenfalls befindet sich das Betthaupt an der Wand – im Idealfall keine Außenwand. Keinesfalls in der Ecke. Das Bett mitten im Raum kann bei großen Räumen wunderbar sein – allerdings nur mit einer raumhohen, das Kopfende beschützenden Wandscheibe mit ausreichend Platz.

Welche Raumelemente beziehungsweise Stücke kann man sich von Ihren Hoteldesigns abschauen?
Raumhohe Betthäupter, oftmals mit integrierten, verspiegelten Schiebetüren, die den Schlafraum vom Wohnbereich trennen. Die Bettseite dient als Betthaupt, die Rückseite bietet Platz für TV oder Kunst im Wohnbereich. Generell liebe ich es, kleine Poufs und Hocker zu entwerfen, meist aus Samt mit Posamentrie. Diese Kleinmöbel sind multifunktionell und können als Sitzgelegenheit, Beistelltisch mit Tablett oder einfach als sogenanntes »Unterhosenmöbel« dienen. Ohne Rückenlehne sind sie nicht raumgreifend und können humorvoll gestaltet werden.

Wie muss ein Raum gestaltet sein, damit man abends am besten zur Ruhe kommt
Aufgeräumt. Das meine ich sowohl wörtlich als auch ästhetisch. Das Schlafzimmer ist kein Depot für Arbeit und Kleidung. Ästhetisch empfehle ich Color-Blocking in Pastellfarben. Farben, die im Außenbereich wiederkehren. Ein kühles Grün mit Blick in den Garten, ein sanftes Blau mit Blick auf den Horizont. Mein persönliches Highlight im neuen Schlafzimmer ist ein offener Kamin. Und nicht vergessen – Symmetrie, Symmetrie!

Urban Jungle ist ein starker Trend 2020 … auch im Schlafgemach?
Warum nicht? Allerdings in meinem Fall klassisch interpretiert. Ich denke an Teppiche
der wunderbaren französischen Designerin Madeleine Castaing (1894–1992) im Leopardenmuster, kombiniert mit ihrem fantastischen »Turquoise«, dem sogenannten »Castaing Blue«, Tapeten von Zuber wie »Paysage Exotique« und Josef Hoffmanns Palme, dem eindrucks­vollen Luster aus dem Jahr 1914.

Welche Materialien werden 2020 eine große Rolle spielen, und wie stehen Sie zu Materialmix?
In jedem Fall Naturfasern anstelle von synthe­tischen Materialien! Materialmix finde ich gut, solange er gewachsen aussieht. Unterschied­liche Materialien finden sich über ein gutes Farbkonzept immer zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Wie beleuchtet man ein Schlafzimmer optimal?
Je mehr unterschiedliche Lichtquellen, desto qualitätsvoller. Wandleuchten in Augenhö­-
he und Tischleuchten mit beigen Schirmen geben warmes, angenehmes Stimmungslicht, Einbauspots die Brillanz. Fokussierte LED-Leselampen sind in meinen Projekten tabu  – stattdessen plane ich geschaltete Einbauspots auf jeder Seite des Betts. Und zu guter Letzt: das Kaminfeuer!

Und wie kann man ein Gästezimmer aufwerten?
Ganz einfach: die neue Bettwäsche den Gästen überlassen!

Ich liebe die Vorstellung, ein Schlafzimmer wie einen privaten Salon zu gestalten.

Michael Manzenreiter, Interior Designer

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LIVING Nr. 01/2020

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